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Sieben Tage in der Woche, 24 Stunden am Tag sind die Feuerwehren in der Region zum Einsatz bereit  nicht selten müssen Einsatzkräfte dabei ihren Arbeitsplatz verlassen, um helfen zu können. Foto: t&w
Sieben Tage in der Woche, 24 Stunden am Tag sind die Feuerwehren in der Region zum Einsatz bereit nicht selten müssen Einsatzkräfte dabei ihren Arbeitsplatz verlassen, um helfen zu können. Foto: t&w

Vom Arbeitsplatz an die Unfallstelle: Lob für die Feuerwehr

Lüneburg. Ohne dass Beschäftigte von ihren Betrieben im Falle eines Notfalleinsatzes oder für eine Ausbildung freigestellt werden, geht wenig im überwiegend von Ehrenamtlichkeit geprägten Feuerwesen in Deutschland. Das weiß auch der Landesfeuerwehrverband (LFV) Niedersachsen, der deshalb seit 2000 besonders feuerwehrfreundliche Unternehmen und Institutionen auszeichnet. Mit der Sparkasse und dem Autohaus Hacker in Dahlenburg sind in diesem Jahr gleich zwei hiesige Firmen geehrt worden.

„Partner der Feuerwehr“ heißt die Auszeichnung, die LFV-Präsident Karl-Heinz Banse und der Staatssekretär im Niedersächsischen Innenministerium, Stephan Manke, an 19 Firmen überreichten. Banse dankte den Firmen für ihr „unbezahlbares“ Engagement für die Freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen. „Sei es mit Geld- oder Sachspenden, sei es mit der Zurverfügungstellung von Örtlichkeiten zum Üben für den Ernstfall. Die Bandbreite der Hilfsbereitschaft ist groß und unverzichtbar“, so Karl-Heinz Banse.

Wie die Feuerwehren in Hansestadt und Landkreis mit ihren überwiegend ehrenamtlichen Kräften die Sicherheit der Bürger gewährleisten und wie Unternehmen mit der Freistellung ihrer Mitarbeiter umgehen, darüber sprach die Landeszeitung mit Kreisbrandmeister Torsten Hensel.

„In einigen Berufen ist ein Verlassen des Arbeitsplatzes schlecht oder gar nicht möglich.“
Kreisbrandmeister Torsten Hensel

Interview

Kreisbrandmeister Torsten Hensel lobt den Einsatz vieler Unternnehmen in der Region für die Feuerwehr.
Kreisbrandmeister Torsten Hensel lobt den Einsatz vieler Unternnehmen in der Region für die Feuerwehr.

Herr Hensel, wie sind die Feuerwehren in Landkreis und Stadt Lüneburg personell aufgestellt? Wie viele Kräfte stehen ehrenamtlich und hauptamtlich zur Verfügung?
Torsten Hensel: Aktuell stehen in den Einsatzabteilungen unserer 95 freiwilligen Feuerwehren im Landkreis 3596 Mitglieder ehrenamtlich zur Verfügung. Hauptamtliche Kräfte gibt es nur in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) des Landkreises in Scharnebeck mit vier Mitarbeitern und in der Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle des Landkreises in der kooperativen Leitstelle in Lüneburg mit 13 Mitarbeitern. Die Feuerwehr Lüneburg verfügt über neun hauptamtliche Gerätewarte, die tagsüber Fahrzeuge, Geräte und Ausrüstung prüfen, warten und pflegen und im Einsatzfall, insbesondere tagsüber, die ersten Fahrzeuge besetzen.

Wie läuft ein typischer Feuerwehreinsatz in einer Gemeinde ab, speziell unter dem Aspekt, dass die benötigten Einsatzkräfte vor allem am Tage ja an ihren Arbeitsplätzen sind?
Hensel: Der Landkreis Lüneburg unterhält ein eigenes digitales Alarmierungsnetz, über das alle im Landkreis wohnenden und arbeitenden Feuerwehrleute, die mit einem digitalen Meldeempfänger ausgestattet sind, alarmiert werden können. Geht ein Notruf über 112 ein, werden entsprechend Alarmstichwort und festgelegten Alarmierungsplänen Einsatzkräfte der vorgesehenen Feuerwehren alarmiert. Zu großen Teilen erfolgt in den Feuerwehren zeitgleich eine sogenannte Sekundäralarmierung über Handy, womit zusätzliche Einsatzkräfte, insbesondere die, die nicht im Landkreis arbeiten, eine Information über SMS erhalten. Jeder Feuerwehrangehörige fährt dann zügig zum Feuerwehrhaus, rückt mit dem Einsatzfahrzeug aus. Da sowohl auf den digitalen Meldeempfängern als auch auf den Handys eine Klartextmeldung mit Einsatzstichwort und Ortsangabe erscheint, können insbesondere die Einsatzkräfte, die am Arbeitsplatz, gegebenenfalls auch nicht im Landkreis, verfügbar sind, entscheiden, ob sie ausrücken oder am Arbeitsplatz bleiben. Erscheint auf dem Display zum Beispiel der Einsatz zu einer Ölspur, wird meist der Arbeitsplatz nicht verlassen, bei der Textergänzung „Menschenleben in Gefahr“ sieht das natürlich anders aus.

Hat sich in der Bereitschaft von Arbeitgebern, ihre Mitarbeiter für den Feuerwehrdienst freizustellen in den letzten Jahren und Jahrzehnten etwas geändert?
Hensel: Es gibt Gott sei Dank weiterhin sehr viele Arbeitgeber, die ihre Feuerwehrleute problemlos für Einsätze und auch Lehrgänge freistellen. In einigen Berufen ist ein Verlassen des Arbeitsplatzes schlecht oder gar nicht möglich, zum Beispiel in der Pflege oder am Fließband, das ist dann so. Ohne das grundsätzliche Verständnis der Arbeitgeber für das System der freiwilligen Feuerwehren würde der Brandschutz und die Hilfeleistung in Deutschland in dieser Güte und Professionalität flächendeckend und mit den kurzen Zugriffszeiten nicht mehr möglich sein.

Welche Entschädigung erhalten Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter für Feuerwehreinsätze freistellen?
Hensel: Nach dem Niedersächsischen Brandschutzgesetz sind „Angehörige der Einsatzabteilungen für die Dauer der Teilnahme bei Einsätzen und auch für den zur Wiederherstellung ihrer Arbeits- und Diensttauglichkeit notwendigen Zeitraum, etwa nach Einsätzen bei Nacht, von der Arbeit freizustellen. Die Arbeitgeber können den entstandenen Verdienstausfall bei den Trägern des Feuerschutzes, den Samt- und Einheitsgemeinden und Städten geltend machen und erhalten so einen finanziellen Ausgleich. ..Viele Arbeitgeber stellen ihre Mitarbeiter aber auch ohne Berechnung für den Einsatz in der Feuerwehr, teilweise auch zu Lehrgängen, frei.

Wie hat sich die in den letzten Jahren ansteigende Zahl von Berufspendlern, vor allem nach Hamburg, auf die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren in der Region ausgewirkt?
Hensel: Immer mehr Einsatzkräfte arbeiten nicht mehr am Ort und sind daher für den Einsatz in der Feuerwehr im Ort nicht verfügbar, wodurch die Einsatzbereitschaft der freiwilligen Feuerwehren geschwächt wird und die Sicherheit der Bürger zum Beispiel im Brandfall oder bei einem Verkehrsunfall nicht mehr gegeben wäre. Teilweise sind tagsüber nur acht oder zwölf Einsatzkräfte am Ort verfügbar, zeitweise auch noch weniger. Dem kommen wir entgegen, indem wir heute in Zügen alarmieren. Das heißt: Entsprechend dem Einsatzstichwort werden nach Alarmplan sofort mehrere Feuerwehren alarmiert um so ausreichend Personal am Einsatzort zu haben.

Außerdem betreiben wir in unseren insgesamt 38 Kinder- und 66 Jugendfeuerwehren aktive Jugendarbeit und sorgen so für den wichtigen Nachwuchs unserer Einsatzabteilungen. Das reicht heute jedoch nicht mehr aus. Wir brauchen immer engagierte Bürger, die sich in der örtlichen Gemeinschaft der Feuerwehr einbringen wollen. Jeder ist hier aufgerufen, zu unterstützen und sich einzubringen, sonst funktioniert das bewährte flächendeckende System der freiwilligen Feuerwehren nicht mehr.

Von Ingo Petersen

Großzügige Förderer der Feuerwehr

Eine wahrhaft stolze Quote: 57,14 Prozent der Angehörigen des Autohauses Hacker in Dahlenburg sind in der Feuerwehr aktiv. Anders ausgedrückt: vier der sieben Mitarbeiter des Hauses. Ein Mitarbeiter ist Ortsbrandmeister, drei weitere sind in der Kommandoarbeit tätig. Inhaber Hacker, so heißt es im Antrag des Kreisfeuerwehrverbands Lüneburg an den Landesfeuerwehrverband, habe sich mehrfach und seit Jahren als Förderer der Feuerwehren verdient gemacht. Verdienstausfälle, so Torsten Hensel, etwa bei Lehrgängen, würden der Samtgemeinde „nur selten bis gar nicht angerechnet“.

Mit 626 Mitarbeitern ist die Sparkasse Lüneburg einer der größten Arbeitgeber der Region – 27 davon sind Mitarbeiter in den Freiwilligen Feuerwehren, darunter mehrere Funktionsträger wie Ortsbrandmeister oder Gruppenführer. „Im Einsatzfall werden Mitarbeiter problemlos freigestellt“, lobt Torsten Hensel. Auf eine Erstattung der Lohnfortzahlung wird verzichtet.“ Darüber hinaus sei die Sparkasse kreisweit und auch im örtlichen Bereich Förderer der Brandschützer. Dem Kreisfeuerwehrverband sei so die Anschaffung von zehn „Rauchhäusern“ im Gesamtwert von 10 000 Euro ermöglicht worden. pet