Aktuell
Home | Lokales | Konfliktmanagement will gelernt sein
Wenn zwei sich streiten, muss die Auseinandersetzung nicht zwangsläufig vor Gericht enden. Eine Mediation bietet Konfliktparteien oftmals die Möglichkeit, wieder miteinander zu reden und gemeinsam mit Hilfe eines unabhängigen Mediators eine für beide Seiten tragbare Lösung zu finden.  Um das Thema geht es beim Lüneburger Tag für Konfliktmanagement. Foto: huk-coburg
Wenn zwei sich streiten, muss die Auseinandersetzung nicht zwangsläufig vor Gericht enden. Eine Mediation bietet Konfliktparteien oftmals die Möglichkeit, wieder miteinander zu reden und gemeinsam mit Hilfe eines unabhängigen Mediators eine für beide Seiten tragbare Lösung zu finden. Um das Thema geht es beim Lüneburger Tag für Konfliktmanagement. Foto: huk-coburg

Konfliktmanagement will gelernt sein

Lüneburg. Der Senior hat die Firma offiziell an seinen Sohn übergeben, mischt aber trotz unterschiedlicher Zielvorstellungen weiter mit. Die Geschäftspartner trennen sich, der scheidende Partner erfüllt seine Aufgaben nicht bis zum Ende. Mitarbeiter mobben sich untereinander. Fälle, mit denen es die IHK Lüneburg-Wolfsburg ständig zu tun hat. Darum organisiert sie jetzt den 1. Lüneburger Tag des Konfliktmanagements am Mittwoch, 2. November, von 9.30 bis 17 Uhr. Unter anderem informieren Mediatoren von in Lüneburg ansässigen Gerichten und Anwälte. Das Motto lautet „Produktivität, Zufriedenheit und starke Geschäfts- und Arbeitsbeziehungen durch Mediation.“

Senior-Chef und Junior streiten sich über Ziele

Die Juristin Daniela Haan kennt die Probleme, sie ist bei der IHK Beraterin im Bereich Recht & Fair Play und selbst Mediatorin: „Pro Woche erhalten ich und zwei weitere Juristen für den Mediationsbereich etwa fünf Anrufe Tendenz steigend.“ Die Anrufer vermittelt Haan dann an selbstständige Mediatoren, die sich auf Spezialgebiete wie Erbrecht oder Unternehmensnachfolge spezialisiert haben, und die die Kontrahenten an einen Tisch bringen und als parteilose Vermittler agieren. Oder Daniela Haan bringt die Streithähne selbst an ihren Tisch.

So wie Vater und Sohn aus einem Zulieferbetrieb für den Maschinenbau. Daniela Haan: „Die Unternehmensfolge war zwar klar, es gab aber noch keinen Stichtag, der Senior wollte nicht von heute auf morgen raus, konnte nicht loslassen.“ Die Chefs hätten unterschiedliche Vorstellungen von der Betriebsführung gehabt: „Der Senior wollte an Traditionen, an der starken Kundenpflege und an seinen alten Mitarbeitern festhalten. Der Junior setzte auf Innovationen, neue Ideen und wollte auch Jüngere einstellen.“ Die Mediation lief erfolgreich, der Vater hielt sich in der Folgezeit zurück.

Geschäftspartner überwerfen sich bei Trennung

Zu Streitereien kommt es auch, wenn sich Geschäftspartner trennen. So bei einem IT-Dienstleister: Einer der beiden Geschäftsführer wollte sich selbstständig machen. Die Aufgaben waren klar verteilt, einer entwickelte die Programme, der andere installierte sie bei den Kunden. Daniela Haan: „Der Aussteiger konnte oder wollte seine Aufträge nicht zu Ende führen, weil er zu langsam arbeitete bewusst, als Druckmittel, weil er noch Geld zu bekommen hatte. Außerdem nahm er Geräte und einen Azubi mit in sein neues Unternehmen.“ Die Mediation bei der IHK habe gefruchtet: „Schließlich lagen sich beide in den Armen.“ Einer hatte einen Anwalt mitgebracht, der die Absprachen in einem rechtsgültigen Vertrag festhielt: „Und die restlichen Aufträge wurden auch abgewickelt.“

Überraschend melden sich nicht nur Unternehmer oder Mitarbeiter bei Haan, sondern auch Privatpersonen: „Wenn der Familienfrieden gestört ist. Das ist häufig der Fall, wenn jemand in der Familie gestorben ist und sich ums Erbe etwa um den Wert von Grundstücken und Häusern gestritten wird.“ Hier kann die Juristin schnell helfen durch einen Blick ins Sachverständigenverzeichnis, in dem alle von der IHK öffentlich bestellten Gutachter gelistet sind.

Das Programm

Beim Tag des Konfliktmanagements in der IHK am Sand gibt es ein Planspiel, mit dem Richter und Anwälte ein Mediationsverfahren vor Gericht veranschaulichen und die Unterschiede zum Gerichtsverfahren aufzeigen. Die Deutsche Stiftung Mediation präsentiert ihre Wanderausstellung „Mediation – ein guter Weg zur Einigung“, die im Anschluss bis zum 8. November in der IHK besucht werden kann. Auf einem Marktplatz gibt es Gelegenheit zum Austausch mit dem Bundesverband Mediation, dem Verein Mediation DACH, der Stärkenkompass GmbH, der Tilman Metzger GmbH und der Mediationsstelle Brückenschlag.

Dort steht auch ein Mediator zur Verfügung, der in Kurzgesprächen bereits vorhandene Konflikte der Teilnehmer auf ihre Mediationstauglichkeit überprüfen und eine Ersteinschätzung geben kann. Der Lüneburger Tag des Konfliktmanagements richtet sich an alle Interessierte, vom Zwei-Personen-Betrieb bis zum Großunternehmen, an Mediationserfahrene und Neulinge. Teilnahmekosten: 45 Euro inklusive Getränken und Mittagsimbiss. Für Studenten gibt es ein begrenztes Ticketkontingent für 15 Euro pro Person. Anmeldungen bis 17. Oktober unter Tel.: (0 41 31) 74 24 05.