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Henning Basse ist Lüneburgs Weltreisender in Sachen Gesang. Zuletzt verschlug es ihn sogar nach Ecuador. Foto: ca
Henning Basse ist Lüneburgs Weltreisender in Sachen Gesang. Zuletzt verschlug es ihn sogar nach Ecuador. Foto: ca

Der Heavy Metal-Weltenbummler

Lüneburg. Mit der Coverband Totoo hat Henning Basse vor ein paar Hundert Leuten auf dem Stadtfest gerockt. Das ist schon ein Erfolg für eine lokale Band. Doch der 40-Jährige tritt auch schon mal vor 50000 Besuchern in Wacken auf. „Da waren wir mit einer Warm-up-Band“, erzählt er im „Zwick“, einer der Lüneburger Musikkneipen. „Wir machen die Zuschauer heiß, dann kommt Whitesnake, und es geht ab.“ Der Sänger tritt auch mit Firewind auf, an der Seite von Gus G., dem Gitarristen von Ozzy Osbourne: „In Athen hatten wir 20.000 Menschen vor der Bühne. Nach uns haben die Scorpions gespielt.“ Und jetzt ist er gerade aus Ecuador zurückgekommen. Dort hat er die Band Black Sun zehn Tage als Gesangscoach begleitet: „In der Zeit haben wir zehn Songs komplett umgeschustert.“

Als kleiner Junge im Kinderchor gesungen

Musik begleitet den Lüneburger sein Leben lang, als Junge sang er im Kinderchor, mit 13 war er mit Bad Obsession, benannt nach einem Guns-and-Roses-Stück, im Projekt 1000 Steine dabei und trat im Glockenhaus auf. Es folgten verschiedene Formationen, dann der Kontakt zur Hamburger Musikszene und damit der Eintritt in die Welt des internationalen Heavy Metals.

Henning Basse (2.v.r) ist weltweit in Sachen Musik unterwegs. Der Lüneburger rockt in Stadien vor bis zu 50000 Zuschauern. Hier ist er mit der Band von Gus G, dem Gitarristen von Ozzy Osbourne, unterwegs. Foto: nh
Henning Basse (2.v.r) ist weltweit in Sachen Musik unterwegs. Der Lüneburger rockt in Stadien vor bis zu 50000 Zuschauern. Hier ist er mit der Band von Gus G, dem Gitarristen von Ozzy Osbourne, unterwegs. Foto: nh

Es ist schon eine beeindruckende Karriere, doch in Lüneburg kann Basse durch die Stadt gehen, ohne dass er von Autogrammjägern umringt wird. „Ich habe mehr als 20 Platten gemacht und bin 1000-mal um die Welt gereist“, sagt er. Auch wenn er mit seiner Frau jetzt in Flensburg lebt, da sie in Dänemark arbeitet: „Lüneburg ist mein Zuhause. Die Magie der Giebel, die Mentalität, ich muss immer wieder zurück. Ich komme dreimal im Monat her, wohne dann bei meinen Eltern.“ Er sucht ein Haus, um wieder an die Ilmenau zurückzukehren.

Von der Musik zu leben, ist ein hartes Geschäft. Das Publikum kauft immer weniger CDs, Geld verdienen viele Formationen inzwischen vor allem mit Konzerten. Basse ist vielseitig aufgestellt: Neben hartem Rock macht er Partymusik mit Rockford: „Top-40-Bands sind eine gute Einnahmequelle. Da singt man manchmal auch Sachen, die wehtun. Schlager.“ Es sei ein bisschen wie im Heinz-Strunk-Roman „Fleisch ist mein Gemüse“, der Geschichte einer Tanzkapelle, die über Dorffeste und Familienfeiern tingelt.

Apropos Gemüse. Das spielt eine größere Rolle im Leben des langmähnigen Rockers. Gesund leben, mit Obst und Gemüse und weniger Fleisch, Spaziergänge mit dem Hund und „weniger Alkohol“, nennt er als Rezept, um ein Leben on the Road durchzustehen. Und zieht an seinem Zigarillo, immerhin mit Filter. Er lacht. Irgendwie muss es etwas anderes neben Disziplin geben.
Basse besitzt eine solide Ausbildung, drei Jahre lang hat er sich und vor allem seine Stimme ausbilden lassen. Das Wissen nutzt er nun, um seinerseits als Lehrer zu arbeiten. Wie eben bei Black Sun in Ecuador: Es geht darum, Songs anders zu singen, anderes Tempo, anders in der Tonlage, anders im Auftritt. Für die Band, die ihre Songs am Ende in Helsinki aufnehmen will, war das Engagement inklusive Flug, Unterkunft und Gage eine teure Investition. Aber es muss sich lohnen, die Rocker haben Basse nicht zum ersten Mal verpflichtet.

Besonderer Auftritt in Tel Aviv

Eine richtig große Nummer ist Firewind, eine Formation, die Hardrockern etwas sagt. „Es ist ein Projekt von Gus G.“, erzählt Basse. Der arbeite sonst mit Ozzy Osbourne von Black Sabbath zusammen. Anfang Dezember fliegen sie nach Israel: „Es geht in Clubs in Tel Aviv. Es ist das erste Mal, dass ich dort auftrete. Das ist etwas Besonderes für mich.“ Die Menschen, die Kultur, die Geschichte. Beeindruckend, auch wenn er Touren durch Japan, die USA und Südamerika hinter sich habe.

Doch es geht auch ganz anders. Gemeinsam mit anderen Sängern spielt er mit einem 70-köpfigen Orchester ein Weihnachtskonzert in Bergheim bei Köln. „Da geht für mich ein Traum in Erfüllung. Das ist ein Wahnsinn. Ein Orchester!“ Sanfte Musik mit rockigem Akzent. Da kann der „kleine Hennig aus Lüneburg“ ganz viel verbinden mit seinem großen Talent.

Von Carlo Eggeling