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Grüne Idylle, so weit das Auge reicht. Die Ausgleichsfläche In den Sandbergen entstand, als das Kaltenmoorer Wohngebiet In den Kämpen errichtet wurde. Inzwischen gibt es Überlegungen der Stadt, dort Neubauten zu errichten. Foto: be
Grüne Idylle, so weit das Auge reicht. Die Ausgleichsfläche In den Sandbergen entstand, als das Kaltenmoorer Wohngebiet In den Kämpen errichtet wurde. Inzwischen gibt es Überlegungen der Stadt, dort Neubauten zu errichten. Foto: be

Lüneburger Ausgleichsflächen: 250 Fußballfelder für die Natur

Lüneburg. Wachsen und gleichzeitig die Natur schützen für die Bauvorhaben in Lüneburg eine kaum leistbare Gratwanderung, wie die aktuellen Diskussionen um geplante Neubaugebiete wie am Wienebütteler Weg oder im Hanseviertel zeigen. Doch nicht nur für künftige Bauprojekte muss die Stadt für Ausgleichsfläche sorgen, wenn ökologisch wertvolle Flächen in Anspruch genommen werden. Bereits in der Vergangenheit wurden für städtische oder private Neubauvorhaben Ausgleichsflächen ausgewiesen. Deren Zahl ist inzwischen auf 73 angewachsen, neun weitere sind als Pool für die künftigen Bauvorhaben in der Stadt reserviert.

Nach Angaben der Stadt gibt es derzeit in Lüneburg 179 Hektar Ausgleichsfläche, die über das Stadtgebiet verteilt ist. Deren 73 Einzelflächen sind zwischen 320 Quadratmeter und 16,6 Hektar groß, insgesamt entspreche die Fläche 250 Fußballfeldern, wie Stadtpressesprecher Daniel Gritz verdeutlicht.

Ausgleichsflächen nicht dauerhaft geschützt

Bei der Festlegung von Ausgleichsflächen werde zwischen „Ausgleich“ und „Ersatz“ unterschieden. Ersterer komme immer dann zustande, wenn im betreffenden Gebiet selbst oder unmittelbar an das Gebiet angrenzend ausgeglichen werden kann. Laut Gritz gelinge dies „in den allermeisten Fällen“. In welcher Qualität Ausgleichsmaßnahmen durchzuführen sind und bis wann diese vollständig an die Stadt zu übergeben sind, werde mit dem Investor in einem städtebaulichen Vertrag vorab geregelt.

Ist es nicht möglich, Flächen im „Ausgleich“ auszuweisen, muss eine entsprechende Ausgleichsfläche extern als „Ersatz“ nachgewiesen werden. Der Investor muss für die Fläche sowie für die Pflege von Pflanzen und Bäumen aufkommen. Deren Anzahl richtet sich nach der Größe der Fläche. „Der Pflege-Rhythmus ist dabei abhängig vom Biotoptyp.“ Je nach Biotop und Entwicklungsziel könnten bis zu acht Jahre festgelegt werden. Nach erfolgter Abnahme geht die Fläche in die Verantwortung der Stadt über und wird von der AGL gepflegt.
Sollte zu wenig angepflanzt worden oder Pflanzen eingegangen sein, muss der Investor nachbessern. „Falls wir von Verstößen Kenntnis bekommen, prüfen wir die und nehmen Kontakt mit dem Eigentümer auf mit dem Ziel, dass die Fläche den Vorgaben entsprechend wieder hergestellt wird“, erläutert Gritz.

Nur kleiner Teil in Privateigentum

Wie häufig es in der Vergangenheit dabei zu Nachforderungen der Stadt gekommen ist, wollte Gritz nicht nennen. Er machte aber deutlich: „Nicht für jedes neue Baugebiet muss die beanspruchte Fläche oder Teile davon extern ausgeglichen werden, etwa wenn gar kein Eingriff in die Natur erfolgt.“ Des Weiteren befinde sich nur ein „prozentual kleiner Teil“ der Ausgleichsflächen in Privateigentum.

Doch nicht immer sind „Ausgleich“ oder „Ersatz“ möglich. Für diesen Fall hat die Stadt einen Ausgleichsflächenpool angelegt. Dieser besteht aus neun Teilflächen mit Größen zwischen 1,8 Hektar und 44,6 Hektar. Insgesamt kann die Stadt auf 84,2 Hektar Flächen zugreifen und hätte damit vorerst Luft, um ihre Neubauvorhaben umsetzen zu können. Ob diese Flächen für ein anhaltendes Wachstum ausreichend sind, muss sich indes erst noch erweisen. An die Grenzen ihres Wachstums aber wird die Stadt auch nach Ausschöpfung der Pool-Flächen vermutlich so schnell nicht kommen: Sie könnte Flächen der Landesforst wie etwa auf der Steinhöhe in Anspruch nehmen.

Dauerhaften Schutz vor Investoren-Wünschen oder Begehrlichkeiten der Stadt aber haben auch bestehende Ausgleichsflächen offenbar nicht. Wie berichtet, will die Stadt Flächen im Hanseviertel für die Einrichtung eines Regenrückhaltebeckens umwidmen. Ob das Vorhaben auf Zustimmung des Rates stößt, wird sich heute im Bauausschuss zeigen. Der Nabu hat bereits dazu aufgerufen, dem Vorschlag der Stadt nicht zu folgen.

Lüneburgs Ausgleichsflächenpool

Laut Bebauungsplan 162 sind folgende Flächen in einer Gesamtgröße von 84,2 Hektar für den Pool vorgesehen:

  • Ilmenauniederung Goseburg (Teilfläche 1a/b): Größe: 9,7 Hektar. Eigentümer: Stadt Lüneburg und Hospital St. Nicolai. Derzeit landwirtschaftliche Fläche.
  • Ochtmissen Butterberg (Teilfläche 2): Größe: 8,6 Hektar. Eigentümer: Stadt Lüneburg. Derzeit Brachfläche.
  • Wilh.-Hänel-Weg/Buchholzer Bahn (Teilfläche 3): Größe: 6,3 Hektar. Eigentümer: Stadt Lüneburg. Derzeit landwirtschaftliche Fläche.
  • Raderbach (Teilfläche 4): Größe: 2,1 Hektar. Eigentümer: Stadt Lüneburg und diverse Anlieger. Derzeit Wasserlauf.
  • Ochtmissen/Wienebüttel Am Schwarzen Berg (Teilfläche 5): Größe: 44,6 Hektar. Eigentümer: Stadt Lüneburg. Derzeit landwirtschaftliche Fläche.
  • Böhmsholz (Teilfläche 6): Größe: 5,3 Hektar. Eigentümer: Hospital zum Großen Heiligen Geist. Derzeit landwirtschaftliche Fläche.
  • Schulzentrum Oedeme (Teilfläche 7): Größe: 1,8 Hektar. Eigentümer: Landkreis Lüneburg. Derzeit Sportanlage.
  • Häcklingen (Teilfläche 8): Größe: 2,2 Hektar. Eigentümer: Privat, Erwerb durch die Stadt. Derzeit landwirtschaftliche Fläche.
  • Ilmenauniederung Tiergarten (Teilfläche 9): Größe: 3,6 Hektar. Eigentümer: Stadt Lüneburg. Derzeit landwirtschaftliche Fläche.

2 Kommentare

  1. Jetzt mal ganz ehrlich ,wenn diese Ausgleichsflächen eh nicht schützenswert sind, darum dann dieser bürokratische Aufwand – nur um die grüne Seele zu beruhigen?
    Dann könnten sich die Entscheidungsträger in Stadt und Land das alles sparen und ehrlich sagen das hier und da abgeholzt, umgegraben und zubetoniert wird – ohne Ausgleich zu schaffen – wäre ja noch genug Natur übrig, oder?
    Wenn es dann so weiter geht hier bei uns dann haben wir in nicht einmal 50 Jahren eine flächendeckende Betonwüste von hier bis Hamburg.
    Wollen wir das? Ich für meinen Teil nicht!
    Aber die Gier nach immer neuen Bauplätzen ist wie ein Karrussell das sich immer schneller dreht – bis es eines Tages aus den Fugen springt.
    Wenn es um Gewinnmaximierung geht, scheint die Natur immer auf der Strecke zu bleiben.

    • Eratosthenes
      Jetzt mal ganz ehrlich ,wenn diese Ausgleichsflächen eh nicht schützenswert sind, darum dann dieser bürokratische Aufwand
      sie werden lachen, ohne diesen aufwand, weiß niemand mehr , wo die ausgleichflächen sind, wie in repppenstedt schon passiert ist .erst , nachdem ich alarm gemacht habe , wurde über ausgleichsflächen und ihre regestrierung nachgedacht.es gibt ein schönes foto von meinem hund und mir auf einer kahlgeschlagenen fläche. schmunzel.