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Roland Kaletta (vorn) hat sich gern dazu bereit erklärt, beim Aufbau des Holzhauses zu helfen. Es soll bald als Fahrradwerkstatt für die Flüchtlingsunterkunft im Vrestorfer Weg dienen. Foto: t&w
Roland Kaletta (vorn) hat sich gern dazu bereit erklärt, beim Aufbau des Holzhauses zu helfen. Es soll bald als Fahrradwerkstatt für die Flüchtlingsunterkunft im Vrestorfer Weg dienen. Foto: t&w

Ein Schritt in die Selbstständigkeit

Lüneburg. Die Hütte steht. Nach einer Fahrradwerkstatt sieht sie aber noch nicht aus. Werkzeuge, Arbeitsplätze und Elektrik fehlen. Doch die nächste große Hürde hat Gundolf Irle genommen. Er hat das Projekt gemeinsam mit seinen Nachbarn im Vrestorfer Weg losgetreten (LZ berichtete). Monatelang hat Irle seinen Carport zur Verfügung gestellt. Rund 40 Fahrräder hat er für die Flüchtlinge fit gemacht, die nebenan in der Unterkunft leben.

Auch ein paar Flüchtlinge helfen beim Aufbau

Alex Naskidaschwili (vorne im Bild) lebt ebenfalls in der Unterkunft im Vrestorfer Weg. Er packt schon den ganzen Morgen mit an. Auf die neue Fahrradwerkstatt freut er sich. Foto: t&w
Alex Naskidaschwili (vorne im Bild) lebt ebenfalls in der Unterkunft im Vrestorfer Weg. Er packt schon den ganzen Morgen mit an. Auf die neue Fahrradwerkstatt freut er sich. Foto: t&w

Seit acht Uhr morgens sind die Helfer auf dem Gelände der DeVauGe-Stiftung im Vrestorfer Weg zugange. Die Oberaufsicht hat Roland Kaletta, ein Zimmermann aus Adendorf, der sich freiwillig zur Verfügung gestellt hat. Er hat auch das nötige Werkzeug zur Hand. „Das Haus soll ja nicht sofort wieder umfallen“, scherzt Irle. Auch ein paar Flüchtlinge helfen beim Aufbau.
Auf einem kleinen Tisch stehen Leckereien und Getränke bereit. Die Nachbarschaft hat in der Küche gewirbelt, Teigtaschen und Apfelkuchen gebacken, Obst und Süßigkeiten vorbeigebracht. Trotz der kalten Temperaturen und des eisigen Windes spielt auch die Sonne mit. Sie scheint kräftig von oben auf die Holzhütte, die jetzt nach und nach Formen annimmt.
1700 Euro hat das solide Gartenhaus gekostet, das außerdem über ein schönes Vordach verfügt. Auf 15 Quadratmetern Fläche sollen zwei Arbeitsplätze und jede Menge Werkzeug Platz finden. Unter dem Dach kann man zudem noch regengeschützt arbeiten, sagt Gundolf Irle, der in den vergangenen Monaten zum Fahrradexperten geworden ist. Er kämpft für das Projekt, Mobilität sei für die Flüchtlinge existenziell. „Sie brauchen die Räder tagtäglich.“

Busfahrten seien auf Dauer teuer, die Anbindung vom Vrestorfer Weg grenzwertig. „Sie müssen einkaufen gehen, ihre Sprachkurse erreichen, ihre Kinder zur Betreuung bringen können.“ Außerdem sei die Werkstatt ein Zeichen, dass etwas passiert. „Sonst macht sich schnell Trostlosigkeit breit.“
Omid Amiri ist einer der Flüchtlinge, der von dem neuen Objekt auf dem Gelände profitiert. Er lebt dort gemeinsam mit rund 45 anderen Flüchtlingen. Der Iraner ist Stammgast bei Gundolf Irle, hat sich mittlerweile viele Handgriffe gemerkt. „Wenn mein Reifen platt ist, kann ich das selbst reparieren“, erzählt der 21-Jährige. Momentan sei allerdings seine Bremse kaputt. „Das kann ich nicht.“ Der junge Mann freut sich auf die Werkstatt, möchte den anderen beibringen, was er schon gelernt hat.

Langfristig soll die Werkstatt eigenständig laufen

Damit hat Omid den Gedanken von Gundolf Irle verstanden. Denn langfristig soll die Fahrradwerkstatt selbstständig laufen. „Idealerweise sollen die Flüchtlinge in Absprache mit den Sozialarbeitern vor Ort allein arbeiten können“, sagt er. Dennoch wolle er bei etwaigen Problemen natürlich weiter mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Niemand werde dort sich selbst überlassen, „sie sollen aber Schritt für Schritt lernen, wie man ein Fahrrad repariert“. Denn je besser sie diese Arbeit erledigen würden, desto mehr steige das Selbstbewusstsein. „Und das brauchen sie.“ Mit 1500 Euro hat die Willkommensinitiative die Fahrradwerkstatt unterstützt. „Auch die Stadt hat uns 1500 Euro in Aussicht gestellt, wir hoffen auf das Geld“, sagt Irle. Denn 400 Euro habe er bislang schon aus eigener Tasche auslegen müssen. Neben dem Holzhaus, das ihnen die Firma Holz Herbst vergünstigt zur Verfügung gestellt hat, mussten Baumaterialien und zusätzliches Holz gekauft werden.

Das Projekt ist allerdings noch auf weitere Unterstützung angewiesen. Gundolf Irle sucht händeringend nach einem Elektriker, der dabei helfen kann, Kabel in der Hütte zu verlegen, Steckdosen und Licht anzubringen. Außerdem würden Werkzeuge und weitere Geldspenden benötigt. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich telefonisch bei Gundolf Irle unter
Tel.: (04131)409207 melden.