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Ein Waldkauz schaut aus einer Baumhöhle. Runde Knopfaugen, ein freundlich-gefiedertes Gesicht und ein unheimliches „Huu-hu“: Der Waldkauz ist der Vogel des Jahres 2017. Foto: A/schneider
Ein Waldkauz schaut aus einer Baumhöhle. Runde Knopfaugen, ein freundlich-gefiedertes Gesicht und ein unheimliches „Huu-hu“: Der Waldkauz ist der Vogel des Jahres 2017. Foto: A/schneider

Vogel des Jahres: Waldkauz für ein Jahr der Star

Lüneburg. Geht es in einem spannenden TV-Krimi in den Wald, ist es dunkel und unheimlich. Dann wird sein Ruf oft eingespielt: der des Waldkauzes. Gesehen haben den Eulenvogel dagegen viel weniger Menschen. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat den Waldkauz jetzt zum „Vogel des Jahres 2017“ erklärt. Der Waldkauz kommt auch in Stadt und Landkreis Lüneburg vor. Und das, so der Lüneburger Vogelexperte Heinz-Georg Düllberg, gar nicht so selten.

Lautlose Jäger

Die lautlosen Jäger werden mit 40 bis 42 Zentimetern Länge etwa so groß wie Krähen und bringen 400 bis 600 Gramm auf die Waage. Die Weibchen sind etwas größer und um ein Viertel schwerer als ihre Partner. Unabhängig vom Geschlecht oder Alter hat ein Teil der Waldkäuze eine graubraune Grundfärbung des Federkleides, andere eine rotbraune.
Auf rund 50 bis 150 Brutpaare schätzt Heinz-Georg Düllberg das Vorkommen des Waldkauzes in der Region, der damit der am häufigsten vorkommende Eulenvogel hierzulande ist. Davon zeugen auch die häufigen Waldkauzmeldungen, die Naturfreunde allein in diesem Jahr in Stadt und Landkreis gemacht haben – 60 sind es bisher.

Die Meldungen werden schriftlich festgehalten und an eine Datenbank weitergeleitet. Unter anderem im westlichen und südöstlichen Bereich von Embsen wurde der Waldkauz gemeldet, ebenso bei Brietlingen, in Heiligenthal, in verschiedenen Bereichen des Lüneburger Stadtgebiets oder im Naturschutzgebiet Streitmoor in Bardowick.
Neben dem Waldkauz sind noch weitere Eulenarten in der Region Lüneburg heimisch, erklärt Heinz-Georg Düllberg. Das sind die Schleiereule, der Raufußkauz, der Steinkauz, der Sperlingskauz, die Waldohreule, die Sumpfohreule und der Uhu.

Nicht nur im Wald zuhause

„Mit der Wahl des Waldkauzes zum Vogel des Jahres 2017 wolle man „für den Erhalt alter Bäume mit Höhlen im Wald oder in Parks werben und eine breite Öffentlichkeit für die Bedürfnisse höhlenbewohnender Tiere sensibilisieren“, erläutert Nabu-Präsidiumsmitglied Heinz Kowalski. Und weiter: „Eulen sind unverzichtbare Bestandteile der Artenvielfalt. Es gilt, sie zu schützen, ihre Bestände zu stabilisieren oder zu vermehren.“ Bundesweit wird der Bestand des Waldkauzes in Deutschland laut dem „Atlas deutscher Brutvogelarten“ auf aktuell ungefähr 43 000 bis 75 000 Brutpaare und damit langfristig als stabil eingeschätzt.

Auch wenn sein Name anderes vermuten lässt: Der Vogel des Jahres 2017 ist keinesfalls nur im Wald zu Hause, obwohl er sich in lichten Laub- und Mischwäldern am wohlsten fühlt. Als ideal gilt ein Lebensraum mit einem Waldanteil von 40 bis 80 Prozent, dazu Lichtungen und angrenzende Felder. Längst ist er daher auch in städtischen Parkanlagen, Gärten oder auf Friedhöfen mit altem Baumbestand und geeigneten Bruthöhlen zu Hause. Tagsüber versteckt der Waldkauz sich in Höhlen oder in dichten Baumkronen. Die Anpassungsfähigkeit bei der Wahl des Lebensraumes trägt dazu bei, dass der Waldkauz die häufigste Eule in Deutschland ist. Ganz oben auf dem Speiseplan stehen neben Maulwürfen, Ratten oder Jungkaninchen vor allem Mäuse.

Von Ingo Petersen

Der Aberglaube

Dass die meisten Eulen ausgerechnet die Nacht bevorzugen, sahen Abergläubige als Beweis für ihr böses Wesen. Die nächtlichen „Ku-witt“-Rufe des Waldkauzes zum Beispiel wurden als „Komm mit“ interpretiert und kündigten den angeblich baldigen Tod eines nahestehenden Menschen an.

Wer diesem drohenden Schicksal entkommen wollte, nagelte zu jener Zeit eine getötete Eule an das Scheunentor.