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Mit Bürgerarbeit zurück in den Job

emi Lüneburg. Sie arbeiten als Museums- und Bibliothekshelfer, sorgen für zusätzliche pädagogische Angebote in Sportvereinen, kochen Kaffee und waschen Geschirr in Einrichtungen des Diakonie-Verbands: Rund 80 „Bürgerarbeitnehmer“ sind laut Thomas Bolle, dem Verantwortlichen für das Modellprojekt „Bürgerarbeit“ im Jobcenter Lüneburg, derzeit in Stadt und Kreis im Einsatz. Einer von ihnen ist Nick Hanschkatz. Der 47-Jährige interviewt Schauspieler, Regisseure und Tanzpädagogen für das Theater Lüneburg und schneidet die Gespräche für seine zweistündige Radiosendung mit.

Die Tätigkeit macht Hanschkatz Spaß. So viel Spaß sogar, dass er sie bis zum Vertragsende am 31. März 2014 ausüben will. Der Musikpädagoge empfindet sich deshalb „gewissermaßen als Widerspruch, denn es ist nicht geglückt, mich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Eigentlich sollte ich mich wegbewerben, aber das will ich nicht.“

Weiterbewerben sei aber nur eine Ebene der Beschäftigungsphase bei der Bürgerarbeit, sagt der Geschäftsführer des Jobcenters Lüneburg, Michael Niemeyer. Ein ebenso wichtiger Bestandteil dieser Phase der Bürgerarbeit sei es, den Menschen überhaupt erst wieder eine Beschäftigung und eine Tagesstruktur zu geben. „Der letzte Schritt, nämlich der in den ersten Arbeitsmarkt, fehlt im vorliegenden Fall noch. Da müssen wir dran bleiben“, gibt Niemeyer zu. Aber immerhin habe die Beschäftigungsphase bei Hanschkatz bereits positive Auswirkungen erzielt: „Der Arbeitnehmer ist zufrieden und das ist gut so.“

Der Projektverantwortliche Bolle bekommt nach eigener Aussage „positive Rückmeldungen von den Einsatzstellen“. Sein bisheriges Fazit der „Bürgerarbeit“: „Viele Menschen ohne Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt hatten durch das Modellprojekt die Chance, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen.“ Im Gegensatz zu Ein-Euro-Jobs mit der Beschäftigungsdauer von sechs Monaten „bietet die Vertragslaufzeit von drei Jahren den Arbeitnehmern eine längerfristige Perspektive. Das hat bei vielen schon zu einer Stabilisierung geführt.“

Auf der anderen Seite hätten die Institutionen, die „Bürgerarbeitnehmer“ beschäftigt hätten, dadurch Gelegenheit gehabt, über Projekte nachzudenken, die sonst – „auch wegen der hohen Personalkosten“ – nicht möglich gewesen wären. Voraussetzung bei den Tätigkeiten war und ist nämlich, dass sie zusätzlich und im öffentlichen Interesse sind, das heißt keine regulären Arbeitsplätze gefährden.

Bürgerarbeitnehmer Nick Hanschkatz verdient bei einer 30-Stunden-Woche 900 Euro im Monat. Er bessert sich sein Einkommen mit weiteren Jobs auf, „sonst könnte ich nicht von dem Geld leben“. Der studierte Kulturwissenschaftler lehrt nebenher an einer Musikschule und gibt privaten Gitarrenunterricht. Bolle vom Jobcenter bestätigt: „Viele Bürgerarbeitnehmer nutzen die Gelegenheit und stocken auf.“

Wie aber geht es weiter, wenn die letzten „Bürgerarbeitnehmer“-Verträge am 31. Dezember 2014 ausgelaufen sind? „Dann findet eine Auswertung des Modellprojektes statt“, erklärt Bolle. Man müsse „schauen, wie es gelaufen ist und ob es Sinn macht, sowas weiterzuführen.“ Das sei eine politische Entscheidung. Und Hanschkatz? Der will sich danach „weiter als Musiker durchschlagen“ und Auftritte organisieren. Er würde sich aber auch „nicht scheuen, dann wieder Arbeitslosengeld II zu beantragen“.