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Erinnern an die Verfolgten

ca Lüneburg. Mehr als 40 jüdische Familien lebten vor 1933 in Lüneburg, zwölf Jahre später war Albert Horwitz einer der wenigen, die die Vertreibungen und Verfolgungen der Nationalsozialisten überlebt hatten. Er wohnte Auf dem Kauf 13. Der Jude genoss einen gewissen Schutz, da er mit einer evangelischen Frau verheiratet war. Er ist auch ein Beispiel dafür, dass nicht jeder den Rassenwahn der Nazis mitmachte und Menschlichkeit auch an der Ilmenau weiterlebte. „Bekannte steckten der Familie heimlich Nahrungsmittel zu“, notiert Sibylle Bollgöhn in ihrem Buch „Jüdische Familien in Lüneburg“. Und: „Er war als einziger zugegen, als der Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof eingeweiht wurde.“ Auch aus seiner Familie wurden Angehörige in Konzentrationslager verschleppt und ermordet.

An Albert Horwitz, der 1965 im Alter von 75 Jahren starb, soll künftig ein Stolperstein Auf dem Kauf erinnern. Der Künstler Gunter Demnig wird diesen und weitere Steine am Dienstag, 19. Februar, verlegen. Der 65-Jährige hat seit 1997 mehr als 35 000 Stolpersteine in Europa ins Pflaster vor Wohnhäuser und Kliniken wie der Psychiatrischen Klinik in Lüneburg gesetzt. Sie wirken durch ihre Vielzahl wie ein dezentrales Mahnmal, das an die Menschen erinnert, die einst als Mitbürger wie jeder andere neben ihren Nachbarn lebten und sich plötzlich einer tödlichen Verfolgung ausgesetzt sahen. Demnig versieht die Gedenkplaketten mit Namen, Geburtsorten und – sofern zu ermitteln – dem Todestag der Opfer. In Lüneburg hat Demnig in Zusammenarbeit mit der Stolperstein-Initiative und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit bereits 26 Steine eingesetzt.

Ela Griepenkerl, Maren Hansen und Jochen Fischer zählen zu den Initiatoren des Projekts. Sie berichten, dass die Idee über das Verlegen der Gedenksteine hinausreicht. So haben Lüneburger Patenschaften übernommen, sie reinigen die Messingplatten mit den Gravuren regelmäßig – und halten das Andenken an ehemalige Lüneburger wach. Demnig will, wenn es das Winterwetter zulässt, am 19. Februar zehn Steine verlegen. Er beginnt voraussichtlich um 9 Uhr Am Schifferwall 3.