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Mehr Sicherheit im Wüstenstaat

pet Embsen. Der Wilde Westen liegt im Sultanat Oman – zumindest, was den Straßenverkehr betrifft. Während der wirtschaftlich aufstrebende Drei-Millionen-Einwohner-Staat im Osten der Arabischen Halbinsel unter den Ländern der Region eher als sicher und friedlich gilt, ist das Leben auf den Straßen brandgefährlich – zu viele Unfälle enden zu oft tödlich. Um ein klein wenig daran zu ändern, machen sich Bernd Beer, Detlef Behrens und Hajo Goj vom ADAC-Fahrsicherheitszentrum Lüneburg in Embsen am Freitag,15. Februar, auf den weiten Weg nach Oman.

Bernd Beer, Geschäftsführer des ADAC-Fahrsicherheitszentrums, erzählt: „Ein Kunde, eine alteingesessene Hamburger Versicherung, kam auf uns zu und fragte, ob wir es uns vorstellen könnten, Fahrer im Oman auszubilden.“ Beer und seine Mitarbeiter konnten – und so kam das Pionierprojekt zustande. Beer freut sich: „Unser erster großer Auftrag im Ausland.“

Hajo Goj (48) und Detlef Behrens (47) gehören zu den routiniertesten Fahrsicherheitstrainern in Embsen – ihr Auftrag im „Alltag“: Im Offroad-Gelände, auf Kurvenstrecken, Lkw-Kreisbahn und Bremsstrecken schulen sie Fahrer von großen und kleinen Fahrzeugen. Der besondere Auftrag der beiden Sicherheitsprofis in Oman: Sie sollen zehn einheimischen Fahrern, die dort für den Straßenbaukonzern Strabag mit Lkw, Geländewagen und Kleinlastern unterwegs sind, „sicheres Fahren“ beibringen. Die wiederum sollen ihr neues Wissen dann an 300 Kollegen, die für Strabag arbeiten und an einem millionenschweren Straßenbauprojekt beteiligt sind, vermitteln.

Was den einheimischen Fahrern fehlt, konnten Beer und seine Mitarbeiter anhand von Unfallprotokollen ablesen. „Überhöhte Geschwindigkeit, mangelnde Einstellung auf die unterschiedlichen Untergründe wie Asphalt, Schotter und Sand, aber auch Unkenntnis über die Auswirkung der Beladung“, so Beer, seien nur einige Ursachen für zahlreiche Unfälle, von denen manche auch tödlich sind.

Zeit für Sightseeing und Baden bei molligen Temperaturen von zurzeit 25 Grad wird dem Embsener Trio in Oman kaum bleiben: Nach ihrer Ankunft am Sonnabendfrüh wird noch Zeit sein für eine Dusche und das Frühstück, ehe es auf das Firmengelände in der Nähe der omanischen Hauptstadt Maskat geht. Alles, was sie daheim in Embsen an Trainingsmöglichkeiten vorfinden, müssen sie dort erst einmal – provisorisch – erstellen: Slalomstrecken, Kurven, Schikanen.

Von Montag bis Donnerstag sowie am Sonnabend und Sonntag werden dann die einheimischen Fahrer in Theorie und Praxis geschult, am Freitag ist Pause. „Für die Schulung haben wir ein 120 Seiten langes Konzept erarbeitet und ins Englische übersetzen lassen“, erklärt Bernd Beer.

Bremsen bei Gefälle, in der Kurve, mit Ladung und auf Schotter ist in dem „Konzept Fahrerschulung Strabag Oman“ ebenso Thema wie Ladungssicherheit, Ausweichen vor Hindernissen, der tote Winkel im Rückspiegel oder das richtige Einschätzen der Grenzen des Fahrzeugs. „Alles in allem eine große Herausforderung für uns“, sagt Beer. „Wir wissen nicht, wie die Teilnehmer wirklich fahren, welche Voraussetzungen sie haben und welche Ansprüche.“

Gelingt das Pilotprojekt in Oman hoffen die Verantwortlichen auf weitere Einsätze im Ausland. Beer: „Ich könnte mir vorstellen, unser Konzept weltweit einzuführen.“