Mittwoch , 28. September 2016
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Leben im mittelalterlichen Bardowick

emi Bardowick. Wie lebten die Menschen im mittelalterlichen Bardowick? Welche Alltagsgegenstände benutzten sie? Und wann erlebte die Stadt an der Ilmenau ihre Blüte? Archäologen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege und die Firma Arcontor haben im Zuge von diversen Neubauprojekten in Bardowick zwischen 2006 und 2012 Ausgrabungen durchgeführt. Auf insgesamt vier Bauflächen förderten sie Keramik, Metall- und Gebrauchsgegenstände ans Tageslicht, die das Wachstum und die Blüte Bardowicks zwischen dem 9. und dem 12. Jahrhundert belegen. Die Fundstücke werden noch bis zum 15. März im Rathaus der Samtgemeinde ausgestellt. Neun Infotafeln und drei Vitrinen führen den Zuschauer in eine längst vergangene Zeit.

Das Herzstück der Ausstellung bildet eine Knochenflöte aus dem 11. Jahrhundert. „Die haben wir auf dem Areal an der Steinstraße in der Baugrube einer Seniorenresidenz gefunden“, erinnert sich Bezirksarchäologe Jan Joost Assendorp vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Aus welchem Knochen sie geschnitzt wurde, wisse er nicht. Aber er vermutet: „Vielleicht gehörte sie einem Spielmannszug. Solche selbstgemachten Flöten waren im Mittelalter eine Möglichkeit, ein billiges Musikinstrument zu erhalten.“

Daneben sind im Sozialraum der Samtgemeinde auch Kämme aus Geweih zu besichtigen, die auf dem Areal gefunden wurden, auf dem jetzt der Lidl-Markt steht. „Das waren Alltagsgegenstände. Vielleicht wurden sie auch ins Haar gesteckt“, sagt Assendorp. Auch Münzen, Schmuck und Kochtöpfe werden in den Vitrinen präsentiert.

Den Stellenwert dieser Fundstücke beschreibt Assendorp folgendermaßen: „Durch die Grabungen haben wir mehr Klarheit über die Entwicklung der Stadt erlangt. Wir konnten herausfinden, dass alles bereits 100 Jahre früher gewachsen ist als bisher vermutet wurde.“ Bardowick habe nämlich schon im 10. Jahrhundert seine größte räumliche Ausdehnung erreicht. Dies lasse sich an der Verbreitung der „Pingsdorfer Keramik“ gut nachvollziehen.

„Bei der ,Pingsdorfer Ware‘ handelt es sich um große weißliche Gefäße mit einer Bemalung aus Eisenoxyd“, erklärt Assendorp. „Sie stammen aus dem 10. Jahrhundert und wurden aus dem Rheinland importiert. Für uns ist dieser Fund sehr wichtig, weil er sich besonders gut datieren lässt.“ Durch die Keramik würde eindrucksvoll deutlich, fügt Grabungstechnikerin Solveig Binnewies erklärend hinzu, wie früh schon Beziehungen zwischen Bardowick und dem Rheinland bestanden hätten.

Vor ihrer Zerstörung durch Herzog Heinrich den Löwen im Jahre 1189 war Bardowick eine bedeutende Stadt. „Sie ist durch den Handel mit den slawischen Ländern auf der anderen Seite der Ilmenau groß geworden“, erteilt Assendorf Geschichtsunterricht. „Bardowick war damals dichter besiedelt als heute.“ Mittelalterliche Urkunden geben nur wenig Auskunft über die historische Situation. Handfeste Erkenntnisse über die Entwicklung Bardowicks vom fränkischen Grenzposten zu einer der großen Städte Norddeutschlands liefern dagegen Funde wie die, die derzeit im Bardowicker Rathaus zu sehen sind.

Die Ausstellung des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege „Archäologie in Bardowick – Ausgrabungen 2006 – 2012“ ist noch bis einschließlich Freitag, 15. März, im Sozialraum der Samtgemeinde Bardowick, Schulstraße 12, zu sehen.

Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8 bis 12 Uhr, donnerstags zusätzlich von 15 bis 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Nach Absprache können die Fundstücke auch außerhalb der Öffnungszeiten besichtigt werden. Ansprechpartnerin Petra Gebert von der Samtgemeinde Bardowick ist erreichbar unter: Tel.: 04131 / 120 127.