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Kartoffel namens „Tannenzapfen“

emi Lüneburg. Sie hat schuppenähnliche Augen, eine glatte Schale und konnte sich gegen vier Konkurrentinnen durchsetzen: Die Sorte „Rosa Tannenzapfen“ ist auf der Weltleitmesse für Bioprodukte „BioFach“ in Nürnberg als „Kartoffel des Jahres 2013“ ausgezeichnet worden. In der Jury saßen auch viele Mitglieder aus dem Raum Lüneburg.

„Mit ihrem feinwürzigen, recht fruchtigen Geschmack und der ungewöhnlichen Form hat sie die Auszeichnung verdient“, findet Jury-Mitglied Karsten Ellenberg. Der Biolandwirt aus Barum im Landkreis Uelzen hat jahrelang für den Erhalt der beliebten Sorte „Linda“ gekämpft und die Auszeichnung „Kartoffel des Jahres“ mit ins Leben gerufen.

Wegen ihrer verwachsenen Knollen mit den tiefen, schuppenähnlichen Augen wird die Gewinnerin auch Schuppenkartoffel genannt. Ihren Namen „Rosa Tannenzapfen“ (Englisch „Pink fir apple“) verdankt die Knolle auch der rosafarbenen Schale, die aber an der Luft verblasst. „Die zapfenähnliche Form erinnert an eine Möhre“, sagt Ellenberg, „viele Verbraucher erkennen die Sorte nicht gleich als Kartoffel“. Erstmals erwähnt wurde sie in England schon vor 1850 und ist damit „eine der ältesten noch zugelassenen Sorten“, erklärt der Kartoffelzüchter. Aber die Sorte ist wegen ihrer Form, die kaum zu schälen ist, fast vom Markt verdrängt. „Ein bisschen verknubbelt“ sei die Kartoffel, sagt der Experte. Sein Tipp lautet deshalb: „Mit Schale kochen und danach pellen, dann geht es leichter.“

Die jährlich verliehene Ehrung interessanter Kartoffelsorten durch eine unabhängige Jury verschiedener Umwelt-, Verbraucher- und Bauernorganisationen soll die auserwählten, teils in Vergessenheit geratenen Sorten bekannter machen und dadurch zu ihrem Erhalt beitragen: „So wird über die Kartoffel geredet.“ Es gebe Hunderttausende Sorten, die alle unterschiedlich aussehen und schmecken, erzählt Ellenberg: „Diese Vielfalt bereichert die Küche und belebt den Handel.“

Der Biobauer nennt die allgemeinen Auswahlkriterien für die „Kartoffel des Jahres“: „Es muss eine freie Sorte sein, es dürfen keine Nachbaugebühren anfallen.“ Außerdem müssten die Sorten eine Besonderheit in Art, Form, Farbe oder Geschmack aufweisen. Manchmal würde auch eine Sorte gekürt, die vom Aussterben bedroht sei.

„Es gab verschiedene Vorschläge zur Auswahl, unter denen abgestimmt wurde. Wir achten zum Beispiel darauf, dass normalere Sorten sich mit unbekannteren abwechseln“, sagt Jury-Mitglied Karsten Ellenberg aus Barum.

Die Auszeichnung wird seit 2006 jährlich vergeben. Bisher haben gewonnen: 2006 der Blaue Schwede, 2007 die Linda, 2008 das Bamberger Hörnchen, 2009 die Adretta, 2010 die Sieglinde, 2011 die Ora und 2012 die Bintje.