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Polizei zählt mehr Straftaten

ca Lüneburg. Ein geringer Anstieg der Straftaten, eine leicht gestiegene Aufklärungsquote und eine im Großen und Ganzen zufriedene Polizeiführung – so stellt sich die Bilanz dar, nachdem Lüneburgs Polizeichef Hans-Jürgen Felgentreu und Steffen Grimme, Chef der Kriminalpolizei, gestern die „Polizeiliche Kriminalstatistik 2012“ vorgestellt haben. Felgentreu, der auch für die Kommissariate in Uelzen und Lüchow-Dannenberg verantwortlich zeichnet, sagt: „Die Bürger in den Landkreisen unserer Region leben sicher.“ Sorge bereitet der Polizei allerdings ein Anstieg bei den sogenannten Rohheitsdelikten, also bei Körperverletzungen und Raub. Hier gab es von 2011 auf 2012 ein Plus um rund 90 auf 1385 Fälle.

Wie bei jeder Statistik gilt es aber auch hier, genau hinzuschauen. So erklärt Grimme den Anstieg wie bereits in der Vergangenheit unter anderem damit, dass nach Schlägereien rund um Nachtlokale und Discotheken häufig mehrere Anzeigen der verschiedenen Beteiligten eingingen. So findet nicht nur ein „Vorgang“ in das Zahlenwerk Eingang, sondern unter Umständen mehrere. Doch generell ist eine satte Zunahme in diesem Bereich erkennbar, denn vor 20 Jahren zählte die Polizei 511 Fälle, nun eben 1385.

Auch bei Straftaten gegen das Leben, also zum Beispiel Mord und Totschlag beziehungsweise dem Versuch, nennt die Bilanz höhere Zahlen. 2011 waren es sechs, 2012 insgesamt elf Taten. Der Anstieg erklärt sich auch daher, dass etwa die Ermittlungen nach der Schießerei auf der Rotenhahnstraße aus dem Herbst 2011 erst im folgenden Jahr abgeschlossen worden sind. Zwei weitere Taten: In Kaltenmoor hat ein Mann seinen Bekannten nach einem Gelage mit einer Schere erstochen. Im Herbst soll der Betreiber eines türkischen Imbisses Am Berge seine Frau auf offener Straße niedergestochen haben, hier steht der Prozess noch aus.

Und auch andere vermeintlich „schlechte Zahlen“ interpretieren die Polizisten anders. So gab es einen Anstieg beim Fahrraddiebstahl um rund 100 auf gut 1000 Fälle. Doch für Grimme ist das eigentlich ein Erfolg, denn die Polizei hat eine eigene Ermittlertruppe in diesem Bereich eingesetzt, zudem haben Felgentreu und seine Mitarbeiter verstärkt mit Hilfe der Bereitschaftspolizei auf Kontrollen gesetzt, sodass schlicht mehr Fälle bekannt geworden seien. Denn nicht jeder meldet den Diebstahl seines Fahrrades. Die Lüneburger „Speichenkommissare“ verzeichnen hier eine Aufklärungsquote von knapp 32 Prozent. Grimme stolz: „Wenn jemand in der Bundesrepublik eine höhere Quote findet, möge er uns dies mitteilen.“ Andernorts liegt die Zahl der geklärten Fälle oft unterhalb von zehn Prozent.

Bei Drogendelikten nennt die Statistik einen Anstieg um 120 auf 519 Fälle. Doch hier sind in der Regel nur Vergehen wiederzufinden, auf die die Polizei selbst aufmerksam wird, etwa bei Kontrollen bekiffter Autofahrer. Zudem haben die Drogenfahnder in den vergangenen Monaten mehrere Cannabis-Plantagen abgeerntet. Doch die Begleiterscheinungen rund ums Rauschgift sind vielfältig: Neben dem Handel mit Drogen liegen hier auch Ursachen für Fahrradklau, Ladendiebstahl, Einbrüche und Überfälle – wer Suchtdruck schiebt, begeht oftmals Straftaten.

Noch ein paar Zahlen im Überblick: Insgesamt kam es 2012 in Stadt und Kreis zu 12 825 Straftaten, 2011 waren es 12 648, die Aufklärungsquote lag bei 60,2 Prozent (58,7 Prozent), es wurden 5178 Diebstähle verzeichnet (5221) und 1477 Betrugsdelikte (1657). 93 Sexualdelikte nennt das Zahlenwerk (111), davon richteten sich 34 gegen Kinder (33). Darunter fällt auch der Besitz von Kinderpornografie.