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Der Stint ist auf dem Weg

Die Stintsaison steht vor der Tür. Bei einer Wassertemperatur von drei bis sieben Grad Celsius wandern die bis zu 20 Zentimeter langen Fische zum Laichen elbaufwärts. In Reusen werden die Stinte gefangen und von der kommenden Woche an auch wieder in der Region aus der Elbe gezogen.

emi Lüneburg. In großen Lettern steht es auf den ersten Schildern vor Restaurants in Stadt und Landkreis Lüneburg: „Der Stint ist da“. Doch wer sich frischen Fisch aus heimischen Gewässern auf den Teller wünscht, muss laut Elbfischer Wilhelm Grube noch ein wenig Geduld haben: „Wir haben zwar schon die ersten Reusen im Wasser, aber bis die ,Originalsaison‘ beginnt, das heißt, bis in Hoopte die ersten Reusen voll Stint aus der Elbe gezogen werden, dauert es bestimmt noch eine Woche.“ Der Stint, der jetzt schon angeboten würde, käme von der Unterelbe zwischen Hamburg und Cuxhaven – oftmals aber auch tiefgefroren aus dem Ausland.

„Seit etwa zehn Jahren wird Ostsee-Stint, vermutlich aus Estland, verkauft“, hat Grube festgestellt. „Schätzungsweise 50 Prozent davon werden auch bei uns eingeführt.“ Dadurch sei der Stint „nicht mehr so knapp und teuer wie früher“. Für das Geschäft der insgesamt drei Elbfischer in der Region ist das Gift: „Es macht uns zu schaffen, aber wir müssen damit leben“, seufzt Grube. „Wir können nur mit Qualität punkten.“

Im Moment fingen die Fischer bei Finkenwerder schon einige Stinte mit dem Kutter. Durch die Ausbaggerung der Elbe gebe es unterhalb Hamburgs das bei diesen Fischen beliebte Brackwasser und das ganze Jahr über Stint. „Aber wenn der Stint flussaufwärts ins Süßwasser schwimmen soll, braucht er eine Wassertemperatur zwischen drei und sieben Grad.“ Bisher sei das Wasser jedoch noch zu kalt.

Vom Mündungsbereich der Elbe ziehen die Schwärme jedes Jahr um diese Zeit zum Laichen stromaufwärts bis zum Sperrwerk bei Geesthacht. Sie legen ihre Eier auf dem Boden oder im Uferbereich ab. Sind die kleinen Stinte nach zehn bis 14 Tagen geschlüpft, treiben sie mit dem Strom wieder in die Nordsee.

„Der Stint ist der einzige Fisch, der Widrigkeiten wie Elbvertiefung und Baggerung überstanden hat“, erzählt Grube. Noch sei der Bestand stabil, doch entlang der Elbe warte eine ganz andere Gefahr: Kraftwerke, die Wasser zum Kühlen einsaugen „und damit die Fischeier und frisch geschlüpften, winzigen und fast durchsichtigen Larven zermalmen.“ Außerdem könne das deutlich wärmere Abwasser, das in die Elbe gepustet würde, im Sommer, wenn das Elbwasser sowieso schon zu warm sei und sein Sauerstoffgehalt unter einen für Fische gefährlichen Wert sinke, den Stint gefährden.