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Frage der Brückenkosten ungeklärt

ml Lüneburg. Vermutlich hat Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt gestern auf dem Rückweg von Hannover Goethes „Faust“ zitiert: „Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor …“ Denn anders als erhofft, hatte der Chef der Kreisverwaltung keine neue Kostenschätzung für die geplante Elbbrücke im Gepäck. Eine belastbare Aussage auf Grundlage der vom Landkreis Lüneburg vorgelegten Unterlagen sei nicht möglich, hieß es seitens der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr.
Die Hilfe der Behörde bei der Brückenplanung hatte der ehemalige Ministerpräsident David McAllister (CDU) noch während seiner Amtszeit dem Landkreis Lüneburg angeboten. Daraufhin hatte die Kreisspitze um Nahrstedt die Planungsunterlagen nach Hannover gegeben  in der Hoffnung möglichst schnell Klarheit über die zu erwartenden Kosten zu haben. Und darüber, ob die Planungen fortgesetzt werden oder nicht. Doch daraus wird nun nichts. „Alles, was ich heute gehört habe, deutet darauf hin, dass die Brücke teurer werden wird, als die bislang veranschlagten 45 Millionen Euro“, sagte der Landrat nach dem Gespräch, „doch die Brückenbauer wollen weitere Untersuchungen.“

Die Zurückhaltung der Landesbehörden-Planer hat mehrere Gründe: Zum einen stammen die Planungsunterlagen des Kreises zum Teil noch aus dem ersten Planfeststellungsverfahren. Doch hat sich seit 2005 der Trassenverlauf erheblich geändert. Sollte damals die Zufahrt zur Brücke noch durch Neu Darchau führen, haben die Gemeinde sowie die Kreise Lüneburg und Lüchow-Dannenberg Anfang 2009 in ihrer gemeinsamen Brücken-Vereinbarung auch den Bau einer Ortsumfahrung festgezurrt. Die soll durch das Elbevorland führen und zwischen Katemin und Neu Darchau auf die Landesstraße 231 Richtung Walmsburg münden. „Um die Kosten dafür realistisch einschätzen zu können, fordert die Landesbehörde eine Untersuchung des Untergrundes im Elbevorland. Doch die gibt es bisher nicht“, sagt Nahrstedt.

Berücksichtigt werden muss bei den künftigen Planungen auch ein neuer sogenannter Euro-Code, der voraussichtlich vom 1. Mai dieses Jahres an greift. Demnach müssen Brückenbauwerke künftig deutlich höhere Lasten aufnehmen. Für den Landrat ergibt sich daraus eine einfache Formel: „Mehr Belastung, mehr Stahl, Mehrkosten.“ Zudem könne ein neues Bemessungshochwasser für die Elbe höhere Brückenpfeiler erforderlich machen. Auch das ein Kostentreiber.

Doch solche Rechnung machen die Landesplaner derzeit noch nicht auf. Möglicherweise auch, weil der Landkreis schon jetzt an der von ihm selbst definierten Kostengrenze operiert und die neue Landesregierung die Fördermittel gedeckelt hat (LZ berichtete). Vereinbart worden ist in Hannover deshalb, dass das Planungsbüro des Kreises eine Liste mit Risikopunkten erstellt, die dann mit der Landesbehörde abgestimmt und abgearbeitet wird. Einig waren sich Kreis und Behörde auch, dass für eine sogenannte vertiefende Kostenbetrachtung die Trassenführung bekannt sein muss. Und die wird erst mit Abschluss des Raumordnungsverfahrens im Sommer feststehen. Und somit heißt es vor allem für die Einwohner in der Gemeinde Amt Neuhaus weiter warten. Die vertiefende Kostenbetrachtung muss der Kreis allerdings nicht aus eigener Tasche bezahlen: Dafür stehen Landesmittel bereit.