Donnerstag , 29. September 2016
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Folgen des Wachstums

ahe Lüneburg. Die Hansestadt wächst an der Peripherie. Oedeme ist dafür das beste Beispiel. Innerhalb von 20 Jahren hat sich der Lüneburger Stadtteil mehr als verdoppelt. ,,1992 hatten wir 2234 Einwohner, heute sind es 4747″, sagt Ortsbürgermeisterin Christel John. Und das Ende ist noch nicht erreicht: Die Erschließung des Baugebietes Rosenkamp II läuft auf Hochtouren, in dieser Woche wurde das letzte der 56 Grundstücke verkauft. Das Wachstum des einst selbstständigen Ortsteils und dessen Auswirkungen waren jetzt Thema im Ortsrat Oedeme.

Vor einigen Jahren noch sah es nicht nach einem solchen schnellen Wachstum aus. Da hieß das Baugebiet noch Oedeme-Süd, und die Grundstü“cke waren schwer an den Mann zu bringen. Die Hochspannungsleitungen und die enorme Größe des Gebietes schreckten viele Interessenten ab. Erst als sich die Strategie der Erschließung änderte, Grundstücke verkleinert wurden und ein neuer Name gefunden war, zog der Verkauf an. Inzwischen sind die 205 Grundstücke im Rosenkamp I bebaut. Ganz anders der Start des benachbarten Gebietes Rosenkamp II: Im April 2012 hatte die Sparkasse Lüneburg mit dem Vertrieb begonnen. Der Ansturm war enorm, die Wartelisten lang — und die 56 Grundstücke sind nunmehr allesamt verkauft. Zufrieden könne er nun im März in den Ruhestand gehen, sagte Horst-Dietrich Schulz, Projektleiter für das Gebiet bei der Sparkasse und damit quasi ,,Mr. Rosenkamp“. Ende des Jahres sollen mehr als 80 Prozent der Grundstücke im Rosenkamp II bebaut sein, im Frühjahr 2014 könnten dann die Erschließungsstraßen ausgebaut werden. Schon für diesen Sommer ist ein großes Fest für das gesamte Neubaugebiet geplant.

Das Wachstum weckt auch Begehrlichkeiten. ,,Wir müssen über ein Stadtteilhaus nachdenken“, findet Christel John. Zumal der Jägerhof in Oedeme zum 1. September dieses Jahres schließen wird und damit der Treffpunkt für Vereine aus dem Ortsteil wegfällt. In der nächsten Sitzung soll das Thema ausgiebig diskutiert werden.

Mit dem Stadtteil gewachsen ist auch das Schulzentrum Oedeme, fast 3000 Schüler lernen hier aktuell. Dieter Stephan, Direktor des Gymnasiums, und Susanne Kühl, Leiterin der Oberschule,skizziertenim Ortsrat die jüngste Entwicklung. ,,Wir sind auf dem Weg zur Ganztagsschule“, berichtete Kühl. Zum Schuljahr 2014/2015 soll es so weit sein. Mit der jüngst eingeweihten Mensa für das gesamte Zentrum ist ein wichtiger Baustein dafür bereits gelegt. ,,In Spitzenzeiten geben wir dort schon bis zu 120 Mittagessen pro Tag aus.“

Gut die Hälfte aller Schüler im Schulzentrum geht aufs Gymnasium. Rund 180 Schüler pro Jahrgang wollen untergebracht sein, entsprechend groß ist der Platzbedarf. ,,Wir schielen schon ein wenig auf die Räume der Schule an der Schaperdrift, die mit deren Auslaufen frei werden“, gibt Stephan deshalb auch freimütig zu. Zumal in seiner Schule auch ständig gebaut werde und deshalb nicht der komplette Platz zur Verfügung stehe. Langfristig hofft er auf eine Fünfzügigkeit. Noch sei bei ihm keine echte Entlastung durch die neue IGS Embsen spürbar, doch er setzt auf den prognostizierten Rückgang der Schülerzahlen jenseits der Stadtgrenzen im Landkreis.

Anwohner des Schulzentrums klagten über einige Schüler, die abseits des Schulgeländes auf Privatgrundstücken rauchen, spucken und ihren Müll hinterlassen. Gänzlich zu verhindern sei das nicht, machten beide Schulleiter deutlich. Susanne Kühl: ,,Wer das Schulgelände unerlaubterweise verlassen will, schafft das auch. Aber sagen Sie uns ruhig Bescheid, wenn Sie Schüler erwischen. Sauber machen müssen die dann auf jeden Fall.“

Mit dem Stadtteil gewachsen zur nunmehr größten Lüneburger Grundschule ist die Grundschule Hasenburger Berg. Sie wird 2014 ebenfalls Ganztagsschule, wie die neue Rektorin Marianne Borowski ankündigte, und darum umfangreich umgebaut. ,,Wir investieren dort fünf bis sieben Millionen Euro in den nächsten drei bis fünf Jahren“, kündigte Oberbürgermeister Ulrich Mädge an. ,,Mit der Sporthalle fangen wir in diesem Jahr an.“ Warum angesichts des Sanierungsstaus nicht schon früher etwas passiert sei, wollte eine Mutter wissen. ,,Weil sich das Kollegium erst jetzt auf den Weg zur Ganztagsschule gemacht hat. Unter dem früheren Schulleiter fehlte das Bekenntnis dazu“, antwortete Mädge. Darüber hinaus habe die Stadt auch in anderen Schulen unter anderem wegen der Schadstoffbelastung viel Geld investieren müssen.