Mittwoch , 28. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Die Belastung nimmt immer mehr zu
3075102.jpg

Die Belastung nimmt immer mehr zu

ben Lüneburg. Gestern hat Martin Lütge seine Arbeitskleidung gegen eine gelbe Warnweste getauscht. Er steht auf dem Parkplatz vor den Coca-Cola-Produktionshallen in der Goseburg. Martin Lütge arbeitet seit 30 Jahren hier. „Aber seit Coca-Cola den Standort übernommen hat, geht es bergab“, sagt der 53-Jährige. Der Arbeitsdruck steige stetig – und jetzt fordern die Arbeitgeber schon wieder mehr Flexibilität und zusätzliche Schichten am Sonnabend. Das wollen Lütge und seine Kollegen nicht hinnehmen. Statt in Lüneburg Frühschicht zu schieben, haben sie deshalb in Hamburg gestreikt. ,,Für bessere Tarife – Wir haben es verdient“ ist auf dem Transparent zu lesen, das zwei Männer hochhalten.
Am Montag ist die sechste Runde der Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und den Arbeitgebern der Getränkeindustrie gescheitert. Mit mehr als 10000 Mitarbeitern ist Coca-Cola branchengrößter Arbeitgeber, 140 Beschäftigte zählt der Standort Lüneburg. Die Arbeitnehmervertreter fordern eine Tarifsteigerung um 6 Prozent. Die Arbeitgeber halten mit 2,5 Prozent im ersten und noch mal 2 Prozent im zweiten Jahr dagegen. Außerdem hatte Coca-Cola angekündigt, 140 Mitarbeiter aus den Bereichen Finanzen und Marketing zu entlassen. Das betrifft die Mitarbeiter in Lüneburg zwar nicht, sagt NGG-Sekretärin Michaela Schäffer: „Aber aus Solidarität fordern wir eine Beschäftigungssicherung: Niemand soll aus betrieblichen Gründen gekündigt werden dürfen.“
Ein Maschinenführer wie Martin Lütge verdient laut Tarifvertrag rund 2300 Euro brutto seit der Erhöhung um 2,3 Prozent im vergangenen Jahr. Doch Lütge geht es nicht nur ums Geld, er fürchtet, dass die Arbeitgeber mit dem Vorschlag durchkommen, die Sonnabendschichten von 10 auf 15 zu erhöhen. „Das belastet uns alle und geht nur auf Kosten des Familienlebens.“
Die Flexibilisierung ist laut Coca-Cola-Sprecher Steffen Türk notwendig, um schnell auf Marktanforderungen reagieren zu können und wettbewerbsfähig zu bleiben: „Das Getränkegeschäft ist durch stark schwankende Absatzmengen je nach Saison oder Aktionen des Handels geprägt. Die Arbeitszeitflexibilisierung erlaubt, das Geschäft trotz Schwankungen im Absatz nahezu vollständig mit eigenen Mitarbeitern zu erbringen.“ Die Regelarbeitszeit liege bei 37,5 beziehungsweise 38 Stunden pro Woche, Überstunden würden auf einem Zeitkonto erfasst und könnten später ausgeglichen werden.
Teil des Angebotes sind laut Türk eine Erhöhung des Arbeitgeberbeitrages für die betriebliche Altersvorsorge, Auszubildende sollen 100 Euro brutto mehr erhalten, zudem garantiere Coca-Cola ihnen einen Jahresvertrag im Anschluss an die Lehre und sei auch sonst bereit, über eine weitere Beschäftigungssicherung zu verhandeln. Am 7. und 8. März sollen die Gespräche fortgesetzt werden.