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Das Ende des Dorfladens

sel Echem. Der Dorfladen in der Echemer Bäckerstraße unter dem Gemeindebüro ist Geschichte. Am 15. Januar schloss sich die Tür der einstigen Bäckerei – nicht zum ersten Mal, aber wohl endgültig. Bei der jüngsten Ratssitzung skizzierte Ratsherr Carl Sasse (EULE) die Historie des krisengebeutelten Dorfladens und zeigte mögliche Wege auf, ihn doch noch zu erhalten. „Ich bin gelernter Einzelhandelskaufmann und hatte einige Jahre einen Bioladen. Daher kommt mein Interesse für unseren Dorfladen“, erklärte er den Ratsmitgliedern, die wie gewohnt im Feuerwehrhaus zusammengekommen waren.

Bis 1998 hatte Dirk Kruse, selbst ehemaliger Ratsherr, die Bäckerei mit Backwaren aus eigener Produktion betrieben, anschließend bot er gelieferte Produkte vom „Heidbäcker“ an. 2002 zog eine Probst-Filiale in das Haus ein, von 2005 bis 2007 übernahm eine Pächterin den Laden. Mit Gudrun Staschat folgte 2007 die zweite Pächterin, die kürzlich aufgeben musste, da der kleine Laden einfach zu wenig abwirft, um ihre Existenz zu sichern. Seitdem bemüht sich Hauseigentümer Kruse um potenzielle Betreiber, fragt bei Bäckereien an, ob sie Interesse haben, in Echem eine Filiale zu führen. Ohne Erfolg. „Es gibt keine Interessenten“, erklärte Sasse.

Der Ratsherr stellte Möglichkeiten vor, den Laden dennoch zu erhalten – etwa, indem er durch einen Verein, eine Genossenschaft oder eine Gesellschaft betrieben würde. Im rheinland-pfälzischen Dorf Leiberstung, das mit unter 1000 Einwohnern noch kleiner als Echem sei, werde ein Dorfladen als Genossenschaftsmodell betrieben – mit Erfolg.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass die Echemer offensichtlich nicht übermäßig an dem Dorfladen hingen. „Bislang hat mir niemand im Ort erzählt, dass er den Laden vermisst“, meinte etwa Harald Heuer (CDU). Besonders ältere Menschen, so erläuterten Bürgermeister Steffen Schmitter (CDU) und sein Stellvertreter Heuer unisono, würden lieber in größeren Märkten einkaufen, wo die Auswahl größer sei und sie Bekannte treffen könnten. Als Treff, so auch Harald Melchior (SPD), habe sich der Dorfladen wegen des Treppenaufgangs ohnehin nicht geeignet. „Der Standort ist zwar gut, das Objekt selbst aber nicht“, resümierte Bürgermeister Schmitter.

Möglicherweise wird es im Ort aber dennoch bald eine Alternative geben. „Es gibt eine Initiative, die sich für einen Verkaufswagen einsetzt“, sagte Melchior. Mit dieser Idee stieß er im Rat auf breite Zustimmung. „Sollte es einen Verkaufswagen geben, stellen wir gerne einen Standort mit Stromanschluss zur Verfügung“, kündigte Schmitter an.

Der lebhaft frequentierte Bahnhof böte sich beispielsweise als zentraler Platz für einen Verkaufswagen an: Dort könnten nicht nur Dorfbewohner Brötchen, sondern auch die Bahnpendler einen Imbiss für unterwegs kaufen.

Das „Sterben“ der Dorfläden setzt sich womöglich bald auch im Nachbarort Hittbergen fort. Die dortige Bäckerei gehört zur Kette „Wiechel – mein Bäcker“, die erst in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet hatte. Ein neuer Investor ist offenbar gefunden, doch sollen nur 11 von den 13 bestehenden Filialen erhalten bleiben.