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Tausche Container gegen Millionen

dth Barum/St. Dionys. Was als Streit um Altglasbehälter begonnen hat, wächst sich zu einer handfesten Krise der Gemeinde Barum aus. Regten sich anfangs vor allem Anwohner über den neuen Containerstellplatz in ihrer Straße auf, drohen nun zwei Investorengruppen, ihre millionenschweren Pläne zur Neubelebung des St. Dionyser Ortskerns einzustampfen. Der Rat Barum wiederum fürchtet Sanktionen bei dem Förderprogramm Dorferneuerung, sollte er die Container wie gewünscht verlegen. Es geht um nichts weniger als die Entwicklung zweier Dörfer und die Neugestaltung ihrer Ortskerne.

Bereits im August 2012 war der Architekt Udo Barth stellvertretend für die St. Dionyser Dorfgemeinschaft vor dem Barumer Rat öffentlich zu Kreuze gekrochen. „Wir haben es alle selbst verschuldet“, räumte er die Versäumnisse ein, sich nicht an den seit 2008 eingesetzten Arbeitsgruppen zur Dorferneuerung beteiligt zu haben – die schließlich die umstrittene Entscheidung trafen.

Mithilfe von Mitteln aus dem Dorferneuerungsprogramm des LGLN (Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen) hatte die Gemeinde Barum den Gotenweg aufhübschen lassen – für rund eine Viertel Million Euro. Im Paket mit drin war die jetzt im Dorf verschmähte Verlegung des Containerstellplatzes vom Gotenweg in den Widukindweg, der auch die Zufahrt zum Golfclub St. Dionys bildet. Anwohner haben jetzt ein ungewöhnliches Angebot vorgelegt, um den „Schandfleck“ Containerplatz zu beseitigen: Sie versuchen der Barumer Ratspolitik eine goldene Brücke zu bauen.

Eine Beschwerde gegen den bisherigen Ratsbeschluss trug jetzt der St. Dionyser Hans-Peter Weingärtner bei der Bauausschuss-Sitzung am Donnerstagabend im Gasthaus Flindt vor mehr als 40 Zuhörern vor und legte gleich einen gut begründeten Antrag nach. Darin präsentierte er nicht nur privat getragene Alternativstandorte für die Container, sondern bot auch an: „Die Kosten für die Verlegung werden durch Spenden der Anlieger getragen.“ Aber damit nicht genug.

„Mit dem jetzigen Containerstandort, der eine starke optische Beeinträchtigung des Ortsmittelpunktes darstellt, werden zwei Bauprojekte, die durch private Investoren finanziert werden, gefährdet“, sagte Weingärtner und zitierte öffentlich aus schriftlichen Stellungnahmen der beiden Parteien.

Wie berichtet, planen der Hamburger Kaufmann Dr. Eric Hirsch und der Lüneburger Schlachtermeister Horst Rothe den ehemaligen Landgasthof Fehlhaber abzureißen und an dessen Stelle ein Gebäudeensemble mit Restaurant, Dorfcafé, Hofladen sowie Flächen für Büros und Appartements zu errichten. Gegenüber der LZ sagte jetzt Hirsch: „Ich habe mich in dieses Dorf verliebt und möchte einen Beitrag zur Wiederbelebung des Ortszentrums leisten. Aber dabei muss man das ganze Dorf im Blick haben.“ Und da passt auch ihm der Containerplatz nicht ins Konzept. „Wenn der nicht verlegt wird, werden wir zwar den Landgasthof trotzdem irgendwann abreißen, aber dann wird da nichts mehr gebaut, sondern dann kommt ein Zaun drumrum und wir säen Rasen ein.“

Mit seiner Haltung befindet sich Hirsch auch im Einklang mit einer Investorengruppe, die das alte, leerstehende Gasthaus Pension Völker kaufen will – „und die alten Strukturen wieder aufgreifen möchte (Gutshaus für Gastronomie und Hotellerie), zirka zwei bis drei Millionen Euro investieren möchte“, wie es in dem Schreiben eines Leipziger Architekturbüros an die Gemeinde heißt, das auch der LZ vorliegt. Beide privaten Investorengruppen machten ihre weiteren Pläne „in zwingendem Maße von dem Glascontainerplatz abhängig“, betonte Weingärtner.

Dennoch empfahl der Bauausschuss der Gemeinde Barum einstimmig, im Beisein von Bürgermeister Torsten Rödenbeck (CDU), den Containerplatz zu belassen wie er ist. Die Ratsmitglieder begründeten das unisono mit der Befürchtung, dass die LGLN Fördergeld für den gepflasterten Containerplatz oder gar für das Gesamtprojekt Gotenweg zurückverlangen könnte und die Gemeinde Barum zudem Nachteile bei weiteren Förderanträgen erleiden könnte. Erst jüngst wurde die auslaufende Dorferneuerungsperiode für Barum bis 2015 verlängert. Und die Gemeinde hofft auf Fördermittel etwa zur Neugestaltung des Marktbereiches und des Umfelds des sanierungsbedürftigen Feuerwehrhauses in Barum. Ob sich eine Verlegung des Containerstellplatzes negativ auf weitere Förderanträge auswirken würde und wie mögliche Sanktionen ausfielen, konnte die LGLN gestern auf LZ-Nachfrage noch nicht sagen.

Die in Teilen turbulente Bauausschusssitzung hat aber Bürgermeister Rödenbeck zum Nachdenken gebracht, er kündigte an: „Ich werde mit der Samtgemeinde darüber beraten, ob die Container vielleicht ganz entfernt werden können. Und ich werde das Gespräch mit der LGLN suchen, welche Möglichkeiten wir haben.“

Der Containerplatz ist noch einmal Thema bei der Barumer Ratssitzung am Mittwoch, 13. März, um 20 Uhr im Gasthaus Flindt (Alte Dorfstraße 1) in Barum. Außerdem auf der Tagesordnung: der Haushalt 2013.