Aktuell
Home | Lokales | Gegner sehen die Natur in Gefahr
3084309.JPG

Gegner sehen die Natur in Gefahr

ina Lüneburg. „Gegen ist für.“ Dieser Satz steht prägend für die Haltung der Lüneburger Fracking-Gegner. „Fracking“ steht für „Hydraulic Fracturing“ und bezeichnet eine umstrittene Tiefbohrmethode mit von Chemikalien und Sand versetztem Wasser. Die 30 Aktiven der Ende 2012 gegründeten Bürgerinitiative sind gegen das Gasförderverfahren, weil sie laut Homepage „für eine erhaltenswerte Lebenswelt stehen“. Im Wasserturm präsentierten sie sich der Öffentlichkeit, warben um Unterschriften für Protestschreiben und um weitere Mitglieder. „Wegen der zahlreichen Umweltgefahren müssen wir Druck auf die Politik ausüben“, erklärte die Kreisverbandssprecherin der Grünen, Petra Kruse-Runge, die mit Gabriele Füllgrabe die Initiative gründete. An der Seite von David Ambri moderierte sie den Abend und stellte mit Hilfe von Filmen und Powerpoint unter anderem auch die Gesetzgebung vor. „Das antiquierte Bergrecht setzt den Umweltschutz außer Kraft und ebnet Fracking den Weg.“

Wenige Tage zuvor hatte Olaf Martins als Öffentlichkeitsmitarbeiter des Energiekonzerns ExxonMobile (Esso) im Rahmen eines Podiumsgesprächs an der Leuphana zu den Vorwürfen Stellung genommen: „Ich gehe davon aus, dass es beim Fracking keine Gefahren gibt.“ Um kurz danach zu sagen: „Wir tun alles, damit nichts passiert, aber Sie werden mich nicht sagen hören, dass nichts passieren kann.“

Die Bundesregierung brachte am 26. Februar 2013 eine bundesweite Erlaubnis für Fracking auf den Weg. Auch die Landesbehörde für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) gestattete die Erdgas- und Erdölexploration in Teilen der Landkreise Lüneburg, Harburg, Heidekreis, Uelzen und Lüchow-Dannenberg. Seitdem bewirbt sich ExxonMobile mit einigen Konkurrenten um die Förderrechte. Erste Genehmigungen, unter anderem für den Raum Lüneburg, sind bereits erteilt.

In Niedersachsen wird seit Jahren im Erdgasfeld Söhlingen im Kreis Rothenburg (Wümme) Gas über Horizontalbohrungen mit Multi-Fracs gewonnen. Bereits im Mai 2011 wurde vom Niedersächsischen Landtag die Drucksache 16-3591 zum Thema „Spielt Exxon-Mobil mit der Volksgesundheit?“ veröffentlicht. Diese enthält eine ausführliche Liste von Chemikalien, die bei Bohrungen in Söhlingen eingesetzt wurden. Umweltexperten wie der ebenfalls in der Initiative engagierte Geowissenschaftler Marius Beyer befürchten nicht nur eine Grundwasserverseuchung. „Durch den Aufbruch ist die Steinstruktur ab gewissen Tiefen nicht mehr kontrollierbar. Die variable Durchlässigkeit des Bodens kann nicht nur zum Ausdringen der Frackingflüssigkeiten und Gasen, sondern auch zu explosiven Ausbrüchen in umliegenden Bohrlöchern und Erdrutschen führen.“

„Vor zwei Wochen bebte in Söhlingen sogar die Erde. Da selbst das Landesamt auf seiner Internetseite einen Zusammenhang zwischen der Erdgasförderung und Erdbeben in Niedersachsen nicht ausschließen kann, verwundert es umso mehr, dass weiter gebohrt wird wie bisher“, sagt der 15-jährige Jakob Blankenberg. Mit seinem Politiklehrer Ingo Köhne gestaltet er am Gymnasium Lüneburger Heide die Homepage „Wir gegen Fracking“. Da die Umweltrisiken unvorhersehbar seien, fordert Gabriele Füllgrabe im Namen aller Aktiven „einen Stopp der Bohrungen“. Und das ließe sich auf die Dauer nur durch eine Reform des Bergrechts durchsetzen.