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Neue Wege im Katzenschutz

off Barskamp. Jahrelang kannte sie beim Tierschutz keine Gemeindegrenzen. Als Vorsitzende der „Katzenhilfe Bleckede“ war Brigitte Ruhnke für Fang- und Kastrationsaktionen im gesamten Landkreis Lüneburg im Einsatz – doch damit ist nun Schluss. „Ab sofort helfen wir als Verein nur noch in Kommunen, in denen es auch eine Katzenschutzverordnung gibt“, sagt die Barskamperin. Eine Entscheidung, die ihr verdammt schwer gefallen ist. „Denn ich weiß, dass wir damit viele Katzen ihrem Schicksal überlassen müssen“, bedauert Ruhnke. Doch um mit ihrem Einsatz endlich auch nachhaltig etwas bewirken zu können, „sehen wir keine andere Möglichkeit“.

Der Katzenschutzverein kämpt seit Jahren um eine Kastrations- und Registrierungspflicht für freilaufende Katzen im Landkreis Lüneburg – mit überschaubarem Erfolg. Eingeführt hat die Verordnung bisher nur die Samtgemeinde Amelinghausen. In der Samtgemeinde Dahlenburg beschließt sie der Rat voraussichtlich am Donnerstag, 14. März, in der Stadt Bleckede steckt die Entscheidung noch in der politischen Diskussion, und in anderen Samtgemeinden steht das Thema noch nicht einmal auf der politischen Agenda. Viel zu langsam geht es nach dem Geschmack der Katzenschützer voran. Doch jetzt könnten gleich mehrere Entwicklungen Fahrt in die Sache bringen.

Seit Anfang des Jahres führt das Tierheim Lüneburg keine Kastrationen freilebender Katzen mehr durch. Auslöser für die Entscheidung war der Ausbruch der Katzenseuche im November 2011. „Die Gefahr, dass wir uns bei solchen Aktionen erneut eine Seuche ins Haus holen, ist einfach zu groß“, sagt Tierheimleiterin Selina Martens. Gibt es nun irgendwo im Kreis ein Problem mit verwilderten Katzen, sind die Kommunen auf sich allein gestellt. Es sei denn, es gibt dort eine Katzenschutzverordnung. „Dann helfen wir weiter“, sagt Brigitte Ruhnke.

Bezahlt werden die Kastrationen dann in der Regel aus der Kasse der Katzenhilfe. Vor kurzem hat der Verein zudem einen 5000-Euro-Zuschuss von dem bundesweiten Bündnis „Pro Katze“ erhalten, „eine Spende, die ebenfalls an die Auflage gebunden ist, sie nur dort einzusetzen, wo es eine Katzenschutzverordnung gibt“, sagt Brigitte Ruhnke. Sie selbst arbeitet ehrenamtlich, genauso wie Mitstreiterin und zweite Vereinsvorsitzende Johanna Hagen. Zu zweit haben sie allein in diesem Jahr mehr als 50 Katzen gefangen und kastrieren lassen. „Arbeit, die viel zu oft ein Kampf gegen Windmühlenräder ist“, sagt sie. Kaum seien an einer Stelle 20 Katzen kastriert, „gibt es an der nächsten schon wieder zehn neue“.

Probleme machen einerseits verwilderte Katzenpopulationen, die sich unkontrolliert vermehren, oft krank, unterernährt und durchseucht sind. „Andererseits gibt es unkastrierte freilaufende Katzen in menschlicher Obhut, die durch Kontakt mit unkastrierten verwilderten Katzen für weiteren ungewollten Nachwuchs sorgen, der nicht selten ausgesetzt wird“, sagt Ruhnke. Ein Teufelskreislauf, den auch eine Katzenschutzverordnung nicht komplett stoppen könnte. „Doch jede Katze, die aufgrund der Auflage kastriert wurde, ist ein Schritt in die richtige Richtung“, erklärt die Barskamperin. Eine Erkenntnis, die mit Rot-Grün jetzt offenbar auch in Hannover angekommen ist.

In der Koalitionsvereinbarung ist nachzulesen: „Die rot-grüne Koalition will eine Landesverordnung zur Katzenkastration einführen, sobald das Tierschutzgesetz des Bundes dieses zulässt.“ Auf den Weg gebracht ist das neue Tierschutzgesetz bereits, „die Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt wird demnächst erfolgen“, erklärt eine Sprecherin des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Wie lange es dann noch dauert, bis eine landesweite Kastrationspflicht inkraft treten könnte, lässt sie offen. Und das heißt für Brigitte Ruhnke: Sie wird weiter für eine Verordnung in allen Samt- und Einheitsgemeinden des Landkreises Lüneburg und damit die Rückkehr zum grenzenlosen Katzenschutz kämpfen.

Mehr zum Verein: www.katzenhilfe-bleckede.de.