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Wald, Wasser und Werte

dth Lüneburg. Es geht um einen bewussteren Umgang mit der Umwelt und ihren Ressourcen. Und die Grundlage dafür kann man nicht früh genug schaffen, meint der zertifizierte Waldpädagoge Markus Bölling, den Baumpaten der bisherigen „LZ-Blätterwald“-Pflanzfeste auch als „Herr Wald“ kennen, der die Pflanzhelfer regelmäßig auf die Veranstaltung einstimmt. Jetzt stimmte er, ehrenamtlich, mehr als 30 Kinder an der Hermann-Löns-Schule in Lüneburg auf den Wald ein – im Rahmen zweier Umweltbildungstage. Hortleiterin Susanne Melkies sagt: „Wir wollen die Kinder näher an die Natur heranführen.“ Bölling wirft ein: „Die erwachsenen Lehrer und Pädagogen auch.“

Aber es steckt mehr dahinter, als bloße Konsumkritik, wenn Bölling Sätze sagt wie: „Auf dem Display eines Smartphones oder Tablet-PCs kann man zwar eine Baumrinde sehen … aber nicht fühlen.“ Dahinter stecke auch die Erkenntnis, so Bölling, dass immer mehr Menschen das Bewusstsein dafür verlieren, „woher die Produkte kommen, die wir täglich konsumieren.“ Melkies sagt: „Für manche Kinder kommt die Frühstücksmilch halt aus der Packung, das Wasser aus dem Hahn oder das Papier aus dem Laden.“ Deswegen findet sie Umweltbildungstage in der Natur sowie Projekte wie „Blätterwälder … gemeinsam pflanzen“ sinnvoll: „Da werden den Kindern mit Blick auf Wald und Wasser die Zusammenhänge verdeutlicht, die in vieler Hinsicht Grundlagen für unser alltägliches Leben schaffen.“

Nach einer niedersachsenweiten Erhebung 2011 des Wasserverbrauchs von Haushalten und Gewerbe verbrauchte jeder Einwohner im Durchschnitt rund 140 Liter Wasser am Tag. Die Umweltstiftung WWF errechnete in einer Studie 2009 sogar den Wasser-Fußabdruck eines Deutschen: In die Kalkulation flossen nicht nur der direkte Wasserverbrauch mit ein, sondern auch der Wasseraufwand, der etwa zur Produktion von Lebensmitteln und Industriegütern notwendig ist. Demnach habe jeder Deutsche einen Wasser-Fußabdruck von 5588 Litern pro Tag (siehe auch www.wwf.de).

Laut dem Landwirtschaftsministerium in Hannover liefern die niedersächsischen Wälder pro Jahr rund 4,5 Millionen Kubikmeter Rohholz, dabei findet Nadelschnittholz überwiegend Verwendung als Bauholz, Laubschnittholz hingegen geht hauptsächlich in die Möbelindustrie. Dabei gilt für die Forstwirtschaft der bereits 1713 von Hans Carl von Carlowitz geprägte Begriff der Nachhaltigkeit: Dem Wald wird nicht mehr Holzmasse entnommen, als gleichzeitig nachwächst.

„Aber der Wald ist nicht nur Holzlieferant, Luftfilter oder bietet Lebensraum für zahlreiche Tierarten“, sagt Waldpädagoge Markus Bölling, „er sorgt auch für unser Grundwasser als Speicher und Filter.“ Und dass Laubwald mehr zur Grundwasserbildung beiträgt als Nadelwald, das führte er jetzt den Kindern in einem Experiment vor. Zwei Eimer mit löchrigen Böden, der eine gefüllt mit nachempfundenen Erdschichten eines Nadelwaldes, der andere mit dem Aushub aus dem Laubwald. Und dann goss er Wasser drüber. Beim Nadelwaldboden blieb ein größerer Teil des Wassers an der Oberfläche, wo er sonst zusätzlich von durstigem Grasfilz aufgesogen würde oder verdunstete. Hingegen sickerte das kostbare Nass beim Laubwaldboden leichter durch. Im Bundesmittel pro Hektar und Jahr entstehen unter Laubmischwald bis zu 800 000 Liter mehr Grundwasser als unter Nadelwald.