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Mit der Heimat im Koffer auf Reisen

off Alt Garge. Nach Alt Garge gezogen ist Alina vor fast drei Jahren, doch richtig kennengelernt hat sie ihr Zuhause erst in den vergangenen Wochen. Gemeinsam mit fünf anderen Mädchen und Jungen des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes hat die 14-Jährige stundenlang das Elbvorland erkundet, einem Vortrag des Ortsvorstehers Dieter Ossenkopp gelauscht, Geschichtsbücher gewälzt und historische Aufnahmen von Alt Garge bestaunt. Recherchen, die die Jugendlichen jetzt auf eine ganz besondere Reise geführt haben – ins 325 Kilometer entfernte Wriezen.

Der Besuch in der brandenburgischen Stadt ist für die Alt Garger der Höhepunkt des Projekts „hin & weg. Ich packe meinen Koffer und zeige dir meine Heimat“, für das sie als eine von bundesweit 20 Jugendgruppen in diesem Jahr einen Platz ergattert haben. Insgesamt hatten sich um die Teilnahme mehr als 60 Träger der Jugendarbeit bei der Stiftung Demokratische Jugend beworben. „Dass wir per Losverfahren ausgewählt wurden, war Glück“, sagt Regina Keespe. Mit ihrem Kollegen Dieter Buchhorn hat sich die Kinderdorf-Betreuerin um das Projekt gekümmert, „und dabei auch selbst noch viel Neues über Alt Garge erfahren“, gesteht sie.

Die eigene Heimat erkunden – das ist ein Hauptziel des Jugendprogramms. „Den Jugendlichen soll eine Möglichkeit für die Beschäftigung mit ihrem unmittelbaren Umfeld“ gegeben werden, schreibt die Stiftung. Für Alina und ihre Mitstreiter hieß das in den vergangenen Wochen: „Wir haben Gegenstände gesammelt und Plakate vorbereitet, die etwas über unser Zuhause aussagen.“ Mit diesen Fundstücken im Koffer sind sie nun nach Wriezen gereist und haben der Jugendgruppe dort ihre Heimat präsentiert. Es ist ein weiteres Projektziel: Über den Tellerrand schauen, andere Teile Deutschlands kennenlernen und erfahren, wie andere junge Leute über ihre Heimat denken.

Umgekehrt hatten Anfang Februar auch die Alt Garger ein Wochenende lang Besuch von Jugendlichen aus Strasburg, die ihnen ihre Heimat präsentierten. Und denen sie im Gegenzug ihr Zuhause zeigen konnten. Was anders war in der Heimat der Mecklenburger? „Dort gab es eine neu renovierte Schule“, sagt Alina. Außerdem ein Denkmal, gegen das die Leute immer pinkeln, erzählt Cedric. Und noch ein Unterschied ist Alina in Erinnerung geblieben: „Die Kinder da wohnen bei sich zu Hause und nicht bei Pflegeeltern.“

Doch die 14-Jährige hat nicht nur erlebt, wie es woanders ist. Sie hat vor allem ihre Heimat besser kennen- und schätzengelernt. Jetzt weiß Alina, dass Alt Garge ein Ortsteil von Bleckede ist, wie ein Ast aussieht, den der Biber bearbeitet hat, wo mal ein großes Kohlekraftwerk stand – und dass sie gern in Alt Garge lebt, „weil es Wald, Elbe und das Schwimmbad gibt“.