Mittwoch , 28. September 2016
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Der Gellerser Sanierungsfall

dth Reppenstedt. „Das hier ist die größte Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahme, die die Samtgemeinde Gellersen jemals angepackt hat“, sagte Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers. Und Architekt Peter Rabeler aus Hittbergen erklärte, warum die dafür bereits im Haushalt angesetzten 1,2 Millionen Euro für drei Jahre voraussichtlich nicht ausreichen werden für Grundschul- und Turnhallenkomplex in Reppenstedt. Bei der Sitzung des Gellerser Bauausschusses am Dienstagabend im Rathaus führte er als Gründe etwa die kürzlich entdeckten Schadstoffe in Räumen der Grundschule an bis hin zu zusätzlichen Anforderungen im Brandschutz.

Im Fokus steht bei dem Projekt allerdings die energetische Sanierung von Grundschule, kleiner Turnhalle und Gellersenhalle. Für die Jahre 2013/14 hat die Samtgemeinde jeweils 400 000 Euro im Haushalt eingeplant und im Finanzplan 2015 weitere 400 000 Euro. Ziel seit es laut Rabeler, den Bedarf für die Nutz-Energie in dem Komplex um rund 30 Prozent zu senken sowie den CO2 -Ausstoß um rund 40 Prozent. Dabei solle auch die Heizungsanlage durch ein Blockheizkraftwerk (BHKW) ergänzt werden.

Wie groß aber das BHKW wird und ob es aus Platzgründen vielleicht sogar unterirdisch gebaut wird, hängt vom parallel laufenden Reppenstedter Projekt „Klimaquartier“ ab, wie Jörg Diedenhöfer vom Ingenieurbüro „Kofler Energies“ berichtete. Denn ein BHKW könnte nicht nur die öffentlichen Gebäude mit Wärme versorgen, sondern über ein Nahwärmenetz auch das umliegende Wohngebiet. Das hänge laut Diedenhöfer aber davon ab, ob sich ausreichend Bürger finden, die nicht nur Wärmeenergie abnehmen, sondern sich auch finanziell daran beteiligen wollen. Denkbar sei dabei, dass die Kommune selbst als Betreiber auftritt oder es beispielsweise einem Unternehmen überlässt. Im Gegensatz zur energetischen Sanierung ist das aber noch Zukunftsmusik. Gleichwohl betonte Rabeler, das Projekt zeitlich so zu planen, dass beide Vorhaben ineinander greifen können. Rabeler: „Wir wollen nicht den dritten vor dem ersten Schritt machen.“

Dazu gehört auch, zunächst auf die kürzlichen Untersuchungen des Bremer Umweltinstituts zu reagieren: ein weiterer Grund, weshalb die Kosten steigen. So sei bereits vor wenigen Wochen „das Konrektorzimmer sowie ein Besprechungsraum in der Grundschule aus dem Betrieb genommen worden“, berichtete Rabeler, „weil dort in der Luft hohe Anteile Formaldehyd festgestellt wurden“. Zudem befände sich unter anderem in den PVC-Böden der Unterrichtsräume Asbest. Unter der kleinen Turnhalle befände sich zudem in den Heizungskanälen alte Mineralwolle, mit lungengängigen Fasern, diese seien aber seit einem vormaligen Feuchteschaden gebunden. Rabeler: „Mein erster Gedanke war, Betonpumpe bestellen und reinlaufen lassen.“

Auch bei den drei Schrägdächern der Schule gibt es Handlungsbedarf: Dort hätten die Planer nämlich eine Holzverschalung entdeckt, die in den alten Bauplänen nicht vorkomme und dort habe sich Schwitzwasser gebildet. Zudem soll die Politik entscheiden, ob auf den Süddächern Indach-Photovoltaik-Anlagen installiert werden sollen. Auch den Bau einer Mensa für einen späteren Ganztagsschulbetrieb regte Rabeler an. Den möglichen Anbau sollte man schon jetzt berücksichtigen, wenn der restliche Komplex neue Fassaden erhalte.

Die Entscheidung über das Paket hat der Bauausschuss vertagt und tritt dazu erneut am Donnerstag, 21. März, um 18.30 Uhr zusammen. Dann geht es auch darum, ob die Gebäude eine Ziegelvorhangfassade erhalten sollen oder ein in Summe 130 000 Euro günstigeres Wärmedämmverbundsystem, das verputzt wird.