Donnerstag , 29. September 2016
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Hilfe für Hunde aus dem hohen Norden

km Wulfstorf. Die Hunde des Vereins „Nothilfe Polarhunde Nord“ genießen gerade die letzten frostigen Wochen des Winters. Schließlich stammen Rassen wie der Siberian Husky oder der Alaskan Malamute aus den kältesten Regionen der Erde, wo sie Nomadenvölkern als Arbeitshunde dienen. „Viele denken, diese Hunde hier zu halten, sei Quälerei — dabei wird es in Sibirien im Sommer auch sehr warm“, sagt Heike Otter, Vorsitzende des Vereins aus Wulfstorf.

In dem Bienenbütteler Ortsteil kümmert sie sich seit vielen Jahren mit zwölf aktiven Mitstreitern um verwaiste Polarhunde, die abgegeben, gefunden oder beschlagnahmt wurden. „Die hiesigen Temperaturen sind für die Hunde das geringste Problem. Viele leiden unter nicht artgerechter Haltung“, erklärt Kassenführerin Claudia Gäthje, die neben der Auffangstation wohnt. Auf dem Vereinsgelände leben maximal 14 Tiere in sechs großen Zwingern. Dort warten sie auf die Vermittlung in ein neues Zuhause.

Doch neue Besitzer zu finden, ist nicht leicht. Als souveräne Arbeitstiere gezüchtet, haben sich nordische Hunderassen trotz ihrer Menschenbezogenheit ein hohes Maß an Eigenständigkeit bewahrt. „Ein Polarhund wird nie blind Befehle befolgen, wenn sie ihm nicht sinnvoll erscheinen. Ihn muss man überzeugen“, sagt Otter. Zudem verfügen die Tiere über einen enormen Jagdtrieb, der es meist unmöglich macht, sie „in freier Wildbahn“ abzuleinen. Trotzdem müssen sie ausgelastet werden: „Polarhunde sind keine Nebenbei-Hunde. Zwei bis drei Stunden Beschäftigung an der frischen Luft sollten es pro Tag schon sein“, sagt Christian Günther, Schriftführer des Vereins.

Um mit Polarhunden zurechtzukommen, ist eine liebevolle, aber konsequente Erziehung gefragt. So auch bei Adam, einem großen Malamute-Mix-Rüden, der im vergangenen Jahr zu den Tierschützern kam. Nachdem seine Besitzer ihn noch als niedlichen Welpen angeschafft hatten, waren sie nach kurzer Zeit überfordert — und banden ihn im Garten an, wo er von der Außenwelt isoliert fast drei Jahre seines Lebens verbrachte.

„Adam ist eine Frohnatur, aber er muss noch sehr viel lernen. Es ist wichtig, dass er in stressresistente und erfahrene Hände kommt“, sagt Günther. Um vernachlässigte Tiere wie ihn kümmern sich die Vereinsmitglieder besonders intensiv. Meist stammen diese Schützlinge aus schlechter Rudel- oder Zwingerhaltung und haben nie eine vernünftige Beziehung zum Menschen aufgebaut. „Wir beginnen meist mit Handfütterung. Dann gewöhnen wir die Tiere langsam daran, Berührungen zu ertragen“, sagt Gäthje. Auch im Freilauf wird mit ihnen gearbeitet, wenn nötig ziehen die Tierschützer einen Hundetrainer zu Rate.

„Der schwierigste Teil unserer Arbeit sind aber nicht die Tiere, sondern die Menschen“, sagt Otter. Viele interessieren sich nur aus optischen Gründen für Polarhunde, wissen aber kaum etwas über die Hunde, machen sich nicht bewusst, dass Hunde aus dem Tierschutz Arbeit bedeuten. Für die Tierschützer gilt es dann, umfassende Aufklärungsarbeit zu leisten. Oft bedeutet das, Menschen davon zu überzeugen, dass ein nordischer Hund nicht das Richtige für sie ist.

Dass es aber auch viele verantwortungsbewusste Halter gibt, zeigt die Vermittlungsbilanz des Vereins: Seit 2006 haben rund 800 Hunde ein neues Zuhause gefunden. Eine Zahl, auf die die Tierschützer stolz sind — und die sie motiviert, sich jeden Tag aufs Neue für diese besonderen Tiere einzusetzen.

Mehr Infos unter www.nothilfe-polarhunde.com.