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Berührungsängste mit Technik abbauen

emi Lüneburg. Schülerin Katharina Koch von der Berufsbildenden SchuleI (BBSI) in Lüneburg legt behutsam ihre Hand über die der 79-jährigen Renate Günther, gemeinsam führen sie die Computer-Mouse. „Und jetzt machen Sie einen Doppelklick“, gibt die 17-Jährige Anweisungen. Gemeinsam mit 20 Mitschülern der HB 12B, der einjährigen Berufsfachschule Wirtschaft mit Schwerpunkt Bürodienstleistungen an der BBSI, bringt die Jugendliche Senioren im Rahmen des Projekts „Ran an den Computer“ kostenlos PC-Kenntnisse bei. 13 ältere Teilnehmer verfolgen interessiert die Erklärungen ihrer jungen Lehrer und unternehmen erste Gehversuche im Internet.

Hausfrau Renate Günther bekommt sogar Hilfe im Doppelpack. Neben Katharina Koch steht ihr auch Leonie Hellmannzig (17) mit Rat und Tat zur Seite. „Die Mädchen machen das gut“, findet die 79-Jährige. „Wenn Schüler mir das beibringen, ist das persönlicher. Junge Leute können ältere, die noch unerfahren sind, besser verstehen“, begründet sie ihre Teilnahme an dem Projekt. Sie habe bis jetzt einfach noch etwas „Berührungsängste mit der Technik“, gibt die Seniorin zu. Die wollen ihr Leonie und Katharina gerne nehmen.

„Wir zeigen ihr zum Beispiel, wie man den PC hochfährt, wie man die Mouse bedient und wie Google funktioniert“, sagt Koch. Vor Kursbeginn seien sie und ihre Mitschüler sehr aufgeregt gewesen, „denn wir wussten ja nicht, wie die älteren Herrschaften so sein würden“. Aber jetzt, wo es so weit sei, „macht es Spaß“, versichert sie.

Die für das Projekt verantwortlichen Lehrer der BBSI, Harriet Hofmann und Daniel Hartmann, sind sich einig, dass bei dieser Aktion „Junge und Alte voneinander profitieren“. Hofmann spricht von einer „ganz positiven Erfahrung für die Schüler, weil sie das, was sie im ersten Halbjahr gelernt haben, weitergeben können“.

Rückmeldungen aus dem letzten Jahr hätten ergeben, dass beide Seiten den Unterricht als anstrengend empfunden hätten, sagt Hartmann. Man habe die Kurszeit deshalb bewusst auf zwei Stunden begrenzt, um die Konzentration bei allen Beteiligten aufrecht zu erhalten. „Ansonsten wurde das Projekt aber sehr gut bewertet.“ Am 10. April soll ein Aufbaukursus in derselben Besetzung stattfinden. Auf dem Programm stehen dann E-Mail und Internet-Shopping. Wenn die Nachfrage weiterhin so hoch bleibe, könne man sich vorstellen, den Kursus auch in den nächsten Jahren anzubieten, bekräftigt Daniel Hartmann — „wenn die Rahmenbedingungen passen“.

Die 17-jährige Katharina Koch will nach der Schule eine Ausbildung zur Bürokauffrau machen. „Dieses Projekt hilft mir dabei, offener auf Menschen zuzugehen“, glaubt sie. Und natürlich hofft sie auch ein bisschen, dass ihr Engagement bei potenziellen Arbeitgebern gut ankommt. Zumindest Seniorin Renate Günther hat sie schon überzeugt.