Aktuell
Home | Lokales | Teure Tierrettungen
3121490.jpg

Teure Tierrettungen

ca Lüneburg. Manchmal hat die Feuerwehr tierisch zu tun, da befreien die Lüneburger Helfer dann eine im Eis festgefrorene Möwe aus der Ilmenau oder einen desorientierten Mauersegler aus einem Netz, das Arbeiter zum Schutz vor Staub und herunterfallendem Mörtel an einer Kirchen-Baustelle gespannt haben. Immer wieder gehen Notrufe bei der Feuerwehr ein, bei denen sich Anrufer Sorgen machen, weil sich eine Katze angeblich in einer Astgabel verklemmt hat. Wenn Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft zur Gelassenheit rät, stößt er nicht immer auf Verständnis: Manch ein Tierfreund glaubt das Leben seiner Samtpfote in Gefahr. Die Wahrheit sieht meistens anders aus: Klettert ein Brandbekämpfer in den Baum, huscht die Katze davon. So war’s auch ein paar Mal im vergangenen Jahr.

Solch ein Einsatz kann teuer werden. In der städtischen Gebührensatzung gibt es die Position Kleintierrettung mit 57 Euro, doch das reicht nicht jedes Mal. „Wenn wir mit der Drehleiter kommen, schlägt das mit 282 Euro pro Stunde zu Buche“, sagt Diesterhöft. Dazu kommen die Stunden fürs Personal, pro Nase zwischen 17 und 25 Euro die Stunde. „Doch wem sollen wir eine Rechnung schicken?“, fragt der Feuerwehrchef rhetorisch. Oft sei unklar, wem das Tier gehört, bei Wildtieren gebe es eh keinen Besitzer – die Stadt bleibe auf den Kosten sitzen.

Einfach ablehnen mögen die Feuerwehrleute solche Einsätze dennoch nicht – es droht Empörung. Also rückt der Brandmeister vom Dienst zumindest zur Lageeinschätzung aus. Selbst Tierheim-Chefin Selina Martens vermag allerdings nicht in jedem Fall zu erkennen, dass da eine Katze in vermeintlich misslicher Lage jämmerlich miaut: „Da kann man schon mal einen Tag abwarten, das Tier verhungert nicht gleich.“ Anders schaue es aus, wenn zum Beispiel – wie 2012 geschehen – ein Schwan in einem Regenrückhaltebecken mit steilen Wänden strandet und es nicht schafft, sich aus eigener Kraft wieder empor zu schwingen: „Er befand sich in tödlicher Gefahr.“ Weil die Tierheim-Crew allein nicht helfen konnte, habe sie die Feuerwehr um Unterstützung gebeten.

Generell versuche die Feuerwehr ihre Einsätze abzurechnen, sagt Diesterhöft. Nicht nur, wenn es um Vierbeiner gehe, sondern auch nach Bränden. Das gerade in Kraft getretene überarbeitete Brandschutzgesetz biete dafür bessere Möglichkeiten. So versuche die Stadt als vorgesetzte Behörde der Feuerwehr, Geld einzutreiben, beispielsweise bei Brandstiftern, die aus Langeweile Altpapiercontainer anstecken. Aber im Zweifel könne auch der Hundehalter eine Rechnung erhalten, dessen Liebling ausbüxt und Hilfe benötigt. Von insgesamt 700 Einsätzen im vergangenen Jahr konnte die Verwaltung für 178 Rechnungen herausschicken.