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Wildunfälle nehmen dramatisch zu

ahe Lüneburg. Auf den Straßen in Stadt und Landkreis Lüneburg hat es im vergangenen Jahr 3884 Mal gekracht. Das bedeutete gegenüber 2011 einen Anstieg von 1,62 Prozent. Hauptverantwortlich für die Zunahme sind vor allem die Wildunfälle, die drastisch zugenommen haben: Die Statistik notiert 218 mehr als im Jahr davor. Damit ist inzwischen bei jedem vierten Unfall in Lüneburg ein Tier involviert. Diese Zahlen nennt Hauptkommissar Andreas Dobslaw. Der Verkehrsexperte der Lüneburger Polizei stellte jetzt die Verkehrsunfallstatistik 2012 vor.

Die Kernaussagen:

Es gab insgesamt mehr Verletzte als 2011 (+ 6,09 Prozent) bei 697 Verkehrsunfällen kamen Menschen zu Schaden.

Die Zahl der schweren Verletzungen ist von 114 auf 102 ebenso gesunken wie die der Verkehrstoten, die mit sechs auf dem niedrigsten Stand seit Jahren ist. 784 Personen erlitten leichte Verletzungen.

Gesunken sind auch die Fälle von Fahrerflucht, von 954 im Jahr 2011 auf 896 im vergangenen Jahr. In 416 Fällen konnte die Polizei den Verursacher noch ermitteln, das entspricht einer Aufklärungsquote von 46,4 Prozent.

Zurückgegangen ist auch die Zahl der Alkoholsünder, die am Steuer erwischt wurden. 242 Männer und Frauen waren alkoholisiert unterwegs und wurden erwischt, das sind 36 weniger als im Jahr zuvor. 72 betrunkene Fahrer waren in einen Unfall verwickelt.

Die Polizei hat 83 Fahrer erwischt, die illegale Drogen konsumiert hatten, das sind acht mehr als 2011. Vier von ihnen haben einen Unfall gebaut.

66 Unfälle in Stadt und Landkreis endeten am Baum, das sind acht weniger als 2011.

Acht Kinder hatten einen Unfall auf ihrem Schulweg, zwei von ihnen erlitten schwere, sechs leichte Verletzungen.

Zugenommen und einen neuen Höchstwert erreicht haben die Motorradunfälle, 128 gab es im vorigen Jahr.

Ebenfalls einen Höchstwert stellt die Zahl der in einen Unfall verwickelten Radfahrer dar, 277 waren es und damit 39 mehr als 2011.

Zwei Zielgruppen hat die Polizei besonders im Fokus: Die Fahranfänger, das sind alle unter 25 Jahren, waren an 169 Unfällen mit Personenschaden beteiligt – das ist der zweitniedrigste Wert der vergangenen Jahre. Auch bei den Senioren (ab 65 Jahre) gab es mit 180 Unfällen mit Personenschaden den zweitniedrigsten Wert.

Nicht alle Tendenzen lassen sich aus Sicht der Polizei logisch erklären. Dass es zum Beispiel weniger Tote und Schwerverletzte gab, sei laut Dobslaw einerseits sicher auf modernere Technik wie Assistenzsysteme zurückzuführen, aber wohl auch einfach Glück. Auch manch andere erfreuliche Entwicklung lasse sich schwer erklären, etwa warum es weniger Fahrerfluchten gab. Der rasante Anstieg der Wildunfälle hingegen sei sicher auch darauf zurückzuführen, dass es mehr Wildtiere in der Region gebe und die sich bei der Nahrungssuche immer näher an die Menschen herantrauten. Auch den Anstieg der Radunfälle führt Dobslaw zum Teil darauf zurück, dass der Umstieg aufs Fahrrad gerade in der Stadt Lüneburg gefördert werde und deshalb wohl auch mehr Radler unterwegs seien. Wenig Verständnis habe er, dass es oft wider besseren Wissens deren Fehlverhalten sei, das zum Unfall führe, etwa das Fahren auf der falschen Straßenseite.

Wieder mehr in den Blick nehmen wollen er und seine Kollegen die Motorradfahrer, gerade zum Saisonstart. „Da haben wir die meisten Unfälle. Viele überschätzen sich“, vermutet Dobslaw. „Auch sind es nicht mehr nur junge Dachse, sondern auch immer mehr Ältere. Man muss aber richtig fit sein, wenn man auf den Bock steigt.“ Er kündigt an: „Das Problem werden wir angehen mit Maßnahmen, die dem einen oder anderen Motorradfahrer richtig weh tun werden.“ Wie in den Vorjahren ist es gerade die B 195 im Amt Neuhaus, wo es immer wieder Unfälle mit Bikern gebe. Als weitere Gefahrenpunkte nennt Dobslaw den Mini-Kreisel in Bardowick (Hinter der Worth) und den Kreisel an der Bögelstraße nahe dem Klinikum in Lüneburg. „Beide haben wir im Blick.“

Er ist auch ein Befürworter, hier und da mal einen Baum zu fällen, wenn es vermehrt Unfälle in dem Bereich gegeben hat. „Niemand käme auf die Idee, mit 100 km/h durch den Wald zu laufen, aber wenn sie in einer Blechbüchse sitzen, meinen viele, sie könnten das.“