Donnerstag , 8. Dezember 2016
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„Wie weit würdest Du gehen?“

dth Bardowick. Als sich Alex, zu einer Mutprobe genötigt, in der Sporthalle hilflos hoch am Kletterseil festklammert, ziehen ihm seine Klassenkameraden auch noch die Bodenmatte weg, damit der Aufprall schön hart wird. Im letzten Moment eilt der Sportlehrer aus dem Umkleidebereich herbei und schreitet ein. „Das hat mir noch nicht so gefallen, das geht noch besser“, kommentiert anschließend Regisseur Henning Karge die erste Aufnahme der vierten Szene. Rund 60 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von zwölf bis 22 Jahren drehen derzeit in Bardowick und heute in Lüneburg einen Film zum Thema Zivilcourage unter dem Motto „Wie weit würdest Du gehen? – Zeig Stärke gegen Mobbing“.

„Wie grausam Mitschüler zu anderen sein können“ hat der Bardowicker Marvin (16) zwar nicht am eigenen Leibe erfahren müssen, aber durch Erzählungen Gleichaltriger oder durch eigene Beobachtungen erfahren. Marvin, der in dem Jugendfilmprojekt das Mobbingopfer „Alex“ spielt, berichtet aus dem realen Schulalltag: „Ich habe auch schon gesehen, wie Zehntklässler in der Schlange am Schulkiosk kleinere Mädchen weggeboxt haben und andere, die sich in die Reihe gestellt haben, wurden als Schwuchteln beschimpft.“ Auch dass Mitschüler nach Unterrichtsschluss von ihren Peinigern in einen Müllcontainer geworfen werden, sei nicht nur ein Mobbing-Klischee. Mit dem gemeinsamen Film wollen die Jugendlichen „Mobbingopfern Hoffnung und den Mobbern einen Grund zum Nachdenken geben“, sagt Sozialpädagogin Sandra Cordes von der Offenen Jugendarbeit. Ein interaktives Stück vom Schauspielkollektiv Lüneburg hatte die Jugendlichen zum Projektauftakt im Februar auf das Thema eingestimmt, dabei kam es zu relativ offenen Gesprächen über Mobbing in der Schule und wie man richtig als Betroffener oder Beobachter darauf reagiert.

In dem Filmprojekt nähern sich die Jugendlichen dem Thema von zwei Seiten, beleuchten nicht nur das Vorgehen einer Jungengruppe, die einen Mitschüler bloßstellt, sondern auch eine Mädchen-Gang, die nicht weniger harmlos agiert. Klara (15) aus Bardowick spielt dabei „Lara“, ein Mitglied der Mädchen-Bande, das versucht im Hintergrund den Mobbingopfern zu helfen, ohne selber ins Visier der Peiniger zu geraten.

Die Kamera- und Tontechnik für das Bardowicker Filmprojekt „Dreh Dein Ding“ wird vom Medienzentrum der Leuphana zur Verfügung gestellt. Gestern war eine dritte Kamera dabei und zwar von LZplay.de. Ein Video von den Dreharbeiten ist dort im Laufe des Tages zu sehen.