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Rechenspiele statt Däumchen drehen

emi Lüneburg. Sie könnten in ihren Osterferien feiern gehen, in den Urlaub fahren oder einfach einmal nach Herzenslust ausschlafen. Doch die rund 30 Schüler der Fachoberschule Technik (FOT 12) an der Georg-Sonnin-Schule (BBS II) in Lüneburg drücken seit Montag freiwillig die Schulbank. Sie wollen bei der sogenannten „Osterakademie“ Defizite in Mathematik, Englisch und Technologie ausgleichen und wichtige Grundlagen auffrischen. Den Unterricht erteilen dabei Studenten.

Der 27-jährige Yavuz Toktas, zum Beispiel, studiert im dritten Semester Flugzeugbau im Studiengang Master of Science an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg. Da er selbst einmal Abitur an der BBS II gemacht hat und „die Problematik kennt“, ist es für ihn Ehrensache, dass er den Schülern Mathe beibringt. „Ich finde es bemerkenswert, dass die Schüler ihre Ferien hergeben, um mehr zu lernen als sie müssten“, sagt er. „Auch dass die Lehrer so etwas organisieren, ist toll“.

Die von Toktas gelobten Initiatoren des Nachhilfezyklus, Fachlehrer Ulrich Zocholl und FOT-Koordinator Jürgen Rennekamp, freuen sich, dass die Veranstaltung – im Wechsel mit der Herbstakademie – in diesem Jahr schon zum vierten Mal stattfindet. Die Anerkennung geben sie gern an ihre Schützlinge weiter: „Das Engagement der Schüler ist unglaublich und muss hervorgehoben werden“, findet Zocholl. Diesmal sei sogar zum ersten Mal eine Abiturientengruppe mit an Bord: „Sehr gute und sehr schwache Schüler, die sich gegenseitig helfen“, schwärmt Rennekamp.

Aber die Nachhilfe-Aktion hat nicht nur positive Seiten. Jan-Paul Fatja (19) vom Fachgymnasium Metalltechnik an den BBS II kritisiert etwa: „Ich finde es zwar einerseits gut, von Studenten unterrichtet zu werden. Aber auf der anderen Seite ist es schade, dass so etwas überhaupt notwendig ist.“ Denn alle anwesenden BBS-II-Schüler müssten seiner Meinung nach zu viel Stoff in zu wenig Zeit erarbeiten. „Viele sind damit überfordert.“

Auch Ulrich Zocholl beklagt, dass „viel zu viele Stunden fehlen“. Seine Meinung ist eindeutig. „Das Land Niedersachsen müsste mehr für die Leute tun“, fordert er. „Schließlich wollen wir ja gute Ingenieure haben.“ Für die Nachhilfe müssen die Schüler selbst in die Tasche greifen und die Hälfte der Kosten (laut Rennekamp 25 Euro pro Person für die gesamte Woche) übernehmen. Die andere Hälfte steuert der Förderverein der BBS II bei.

Die freiwilligen Schulbankdrücker nehmen die Aktion sportlich: „Lernen für die Prüfungen müsste ich auch zu Hause“, sagt Antonia Muxfeldt (18). „Aber hier macht’s mehr Spaß. Wenn es so ein Angebot gibt, muss man es nutzen. Was Besseres gibt’s doch nicht.“