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„Jetzt ist endlich mal die Stadt am Zug“

ahe Lüneburg. Wenn Oberbürgermeister Ulrich Mädge das Gefühl hat, dass die Gestaltungsmöglichkeiten, um Lüneburg weiter zu entwickeln, von anderen begrenzt werden, wird er sehr energisch: ,,Es ist der Punkt gekommen, an dem unsere Interessen den Vorzug haben müssen vor denen des Bundes“, stellte er jetzt im Rat klar. Anlass: Der Verwaltungschef sieht die Wachstumsmöglichkeiten der Hansestadt beschnitten, weil der Bund Flächen der ehemaligen Schlieffenkaserne nicht abgeben will. Dabei brauche der Bund die dortigen Gebäude nur sehr selten, nämlich immer dann, wenn ein Castor rollt, um Einsatzkräfte dort unterzubringen.

SPD und Grüne hatten einen Antrag gestellt, dass die Stadt mit Bund und Land über die Flächen verhandeln soll. Denn Lüneburg wächst, die Nachfrage nach Bauland ist groß, wie die schnelle Vermarktung in Neubaugebieten wie Rosenkamp II, Pilgerpfad-Süd oder Hanseviertel gezeigt hat, bei Wohnungen sieht es nicht viel anders aus. Um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, soll das Hanseviertel wachsen, auf eben jenem Areal, das nur von der Bundespolizei bei Castor-Transporten genutzt wird, könnte weiterer Wohnraum entstehen. Hiltrud Lotze (SPD) findet: ,,Hier wird mal nicht der Castor blockiert, hier blockiert der Castor uns — und das haben wir nicht so gerne.“ Es handle sich um ein zentrumsnahes Gebiet, wer hier wohne, könnte mit dem Rad in die Stadt fahren oder den Bahnhof in kürzester Zeit erreichen. ,,Es ist höchst uneffektiv, wenn das nur für ein paar Tage alle paar Jahre verhindert wird. Der bisher letzte Castor rollte 2011, der nächste erst 2015″, machte die SPD-Politikerin deutlich.

Andreas Meihsies (Grüne) pflichtet ihr bei: ,,Lüneburgs Zukunft liegt auf den Flächen der ehemaligen Bundeswehrkasernen. Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Städten und brauchen den Platz, um Neubürger anzusiedeln.“ Er blickt schon ein paar Hundert Meter weiter, auch auf dem Areal der Theodor-Körner-Kaserne könnten über kurz oder lang zusätzliche Wohnungen entstehen.

Niels Webersinn (CDU) jedoch sieht durchaus noch den Bedarf der Gegenseite. ,,Es ist leider noch notwendig, dass die Kasernen durch die Bundespolizei genutzt werden. In Lüchow-Dannenberg müssen für den Castor extra Gebäude angemietet werden — das kostet.“ Ein Argument, das Ulrich Blanck (Grüne) nicht überzeute. Es sei ganz und gar nicht wirtschaftlich, Gebäude den Großteil des Jahres einfach leer stehen zu lassen.

Während Birte Schellmann (FDP) den Antrag überflüssig fand, weil Mädge doch ohnehin schon in ständigen Gesprächen mit dem Bund stehe, schlug Michèl Pauly (Linke) vor, die Kasernengebäude für Studenten zu nutzen: ,,Die Problematik der Wohnungsnot wird sich zu Beginn des Wintersemesters vergrößern. Vielleicht könnten wir eine Kaserne zumindest für die Zeit von September bis November nutzen, um dort die neuen Studenten, die nicht so schnell eine Bleibe finden, unterzubringen.“

Eine Idee, die auch Mädge schon hatte. Er habe in einem Brief an Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich angefragt, ob es möglich sei, in den Gebäuden Studenten oder auch Asylbewerber unterzubringen. ,,Für Asylbewerber hat er uns einen Preis genannt, der knapp unterhalb des Wucherparagraphen lag. Bei Studenten hat er gleich abgeblockt und nicht mal ein Angebot gemacht.“ Auch deshalb wünschte sich Mädge für künftige Verhandlungen die Unterstützung des Rates — die er dann auch einstimmig erhielt. Denn für den Oberbürgermeis“ter ist klar: ,,Wir haben über viele Jahre Einschränkungen durch den Castor hingenommen — ohne Entschädigung. Gorleben bekommt im Jahr fünf oder sechs Millionen Euro. Jetzt ist endlich mal die Stadt am Zug. 20 Hektar für eine Woche Cas“tor zu blockieren, das geht nicht. Da müssen die Polizisten eben mal auf dem Gelände der Theodor-Körner-Kaserne zusammenrücken.“