Dienstag , 27. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Winter erwischt Feldhasen eiskalt
3132688.jpg

Winter erwischt Feldhasen eiskalt

off Lüneburg. Sie sind klein, niedlich und in akuter Gefahr. Immer mehr Feldhasenjunge drohen im Endlos-Winter zu sterben, „nasses Fell und niedrige Temperaturen führen dazu, dass der Nachwuchs des ‚Osterhasen‘ auf dem Acker und am Rande der Felder erfriert“, schreibt die Deutsche Wildtierstiftung in einer Pressemitteilung. Wie hoch die Verluste sind, kann auch Feldhasen-Experte Dr. Andreas Kinser nicht beziffern. Doch fest steht laut Stiftung: Die Feldhasen machen eine harte Zeit durch. Auch im Landkreis Lüneburg.

Im bundesweiten Vergleich ist der Bestand in der Region seit Jahren stabil. „Allerdings auf niedrigem Niveau“, sagt Dr. Egbert Strauß. Am Institut für Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover erforscht der Biologe unter anderem die Bestandentwicklung der Feldhasen in Niedersachsen und fordert seit Jahren: „Um die Feldhasen-Bestände zu stärken, muss sich die Landschaft verändern.“ Es fehle an Randstreifen entlang von Feldern und Wegen, Blühstreifen und He“cken — klassischen Lebensräumen des Feldhasen. „Die Tiere brauchen diese Landschaften, um genug Nahrung zu finden, sich vor Fressfeinden zu verstecken und ihre Jungen aufzuziehen.“ Vor allem in harten Wintern wie diesem.

Geboren werden die ersten Junghasen des Jahres bereits Ende Januar/Anfang Februar, „das heißt die Tiere können mit Kälte durchaus umgehen“, sagt Strauß. Wie gut, darüber entscheidet die Qualität der Muttermilch — und die hängt vom Nahrungsangebot ab. „Die Häsin säugt ihre Jungen in 24 Stunden nur einmal, damit kommen die Kleinen gut klar und können auch schlechte Witterung überstehen, solange die Milch energiereich genug ist“, erklärt der Biologe. Findet die Häsin aber zu wenig gutes Futter, weil es unter Schnee liegt oder es die Landschaft nicht hergibt, schwächeln auch ihre Jungen. Und schaffen es immer seltener, Endlos-Winter wie dieses Jahr zu überleben.

Doch auch wenn die Situation für Feldhasen derzeit hart ist, eine Gefahr für die Bestände sieht der Wildbiologe deshalb nicht. „Auch in durchschnittlichen Jahren sterben 50 bis 70 Prozent der Junghasen“, sagt er. Und die Geburtensaison sei gerade erst losgegangen. Drei bis vier Mal im Jahr bekommen Häsinnen Junge, „in der Regel zwei pro Wurf von Februar bis April und drei bis vier pro Wurf von Mai bis August“. Wie sich die jetzige Situation auswirkt, sei somit noch nicht abzusehen. „Auch wenn es natürlich um jeden Junghasen, der stirbt, schade ist.“