Donnerstag , 29. September 2016
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„Rettungsanker, die nicht greifen werden“

saf Lüneburg. Nicht nur auf den Fußballplätzen der Region regieren Schnee und Frost. Eiszeit herrscht derzeit auch im Verhältnis zwischen dem Oberligisten Lüneburger SK Hansa und dem Rathaus. Das Areal des Klubs soll demnächst vermarktet werden, auch wenn ein Teil mittlerweile als Überschwemmungsfläche ausgewiesen ist. Dass dies ohne Absprache mit dem LSK Hansa geschehen ist, wurmt die Klubverantwortlichen gewaltig.

Oberbürgermeister Ulrich Mägde hatte dem Verein vorgeworfen, keine Pläne vorgelegt zu haben, wo er denn künftig nach einem Verlust des Wilschenbrucher Stadions hin wolle. Dem widerspricht Vorstandsmitglied Gerald Kayser: „Wir haben ihm vier verschiedene Standorte vorgeschlagen, zum Beispiel am Bilmer Berg oder bei der Theodor-Körner-Kaserne. Er hat alle abgelehnt und gemeint: ,Ich habe nichts für Sie. Sie müssen noch warten.'“ Kayser wurde nun wie der gesamte Verein davon überrascht, dass Insolvenzverwalter Dirk Decker ohne Absprache mit den Fußballern einen Käufer für das Gelände sucht. „Ich möchte, dass er offen zu uns ist“, sagt Kayser Richtung Mädge, „wir wollen nach wie vor gemeinsam mit der Stadt eine Lösung finden.“

Mägde bestätigt gegenüber der LZ, dass er sich am 18. Juni 2012 mit den LSK-Hansa-Vorstandsmitgliedern Dietrich Conrad, Jörg Harder und Kayser getroffen hat und dass es bei diesem Gespräch um die vier potenziellen neuen Standorte ging. „Danach kam aber nichts mehr vom Verein“, sagt der Oberbürgermeister, der betont: „Ich werfe dem LSK gar nichts vor. Aber hier werden Rettungsanker geworfen, die nicht greifen werden.“

Mädge spielt damit auf die Schutzvorschriften für festgelegte Überschwemmungsgebiete an – der heutige C-Platz des LSK an der Ilmenau ist eine neu ausgewiesene Fläche, auf der unter anderem kein neues Baugebiet ausgewiesen werden darf. „Wir haben den Hochwasserschutz immer berücksichtigt und werden ihn auch bei jeder Baugenehmigung weiter beachten“, sagt der Verwaltungschef.

Kayser will nicht den Eindruck erwecken, dass er über den Rettungsanker namens Überschwemmungsgebiet den Verlust des LSK-Geländes verhindern wolle. „Auch wenn das einige ältere Mitglieder sicher nicht gern hören: Es gibt eine Schuld, die irgendwann beglichen werden muss.“ Der Lüneburger SK, Vorgängerverein des LSK Hansa, ging 2001 in die Insolvenz, schuldet der Sparkasse und drei Privatleuten insgesamt gut 1,4 Millionen Euro. Das Verfahren kann wohl nur durch die Verwertung des Geländes in Wilschenbruch, das dem LSK und zu einem kleineren Teil der Stadt gehört, beendet werden. Kaysers Ziel: „Wenn eine Bebauung möglich ist, dann müssen wir eine Lösung finden, wohin wir in einigen Jahren umziehen können.“ Und zwar, wie er betont, gemeinsam mit der Stadt.

„Verständnis haben wir selbstverständlich für den Wunsch des LSK Hansa nach einer sicheren dauerhaften Spielstätte“, meint Eugen Srugis, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion in einer Pressemitteilung: „Problematisch waren in der Vergangenheit jedoch oft überzogene Wünsche nach einem Stadion, das niemand bezahlen kann.“

Kayser träumt aber nicht von einem Stadion für zehn Millionen Euro – „in anderen Städten wurde schon für ein Zehntel eine ordentliche Sportanlage gebaut“. Und schließlich könne der LSK Hansa vielleicht auch einen Überschuss durch den Verkauf von Wilschenbruch miteinbringen.