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Duell mit Platzpatronen

ahe Lüneburg. Es hatte was von einem Duell: auf der einen Seite das Schaufel-Männer der CDU, auf der anderen Seite das rot-grüne Duo mit Spitzhacken. Eckhard Pols und Dr. Gerhard Scharf gegen Andreas Meihsies und Heiko Dörbaum. Stoff für großes Kino. Dabei ging es lediglich um einen kleinen Parkplatz. Seit Jahren schlummert er weitgehend unbeachtet an der Erbstorfer Landstraße vor sich hin, ehe jetzt seine große Stunde auf politischer Bühne schlug. Die Christdemokraten wollten ihn wiederbeleben, SPD und Grüne lieber den Asphalt aufbrechen und den Parkplatz renaturieren. Statt scharfer Munition feuerten die Duellanten verbale Patronen aufeinander ab, in der jüngsten Ratssitzung und schon in den Wochen davor. Am Ende wandern Schaufeln und Spitzhacken ungenutzt wieder ins Gartenhäuschen.

Statt um 12 Uhr mittags kam es am späten Abend zum „High Noon“. Doch ausgerechnet da beschlich einen der Initiatoren offenbar ein mumliges Gefühl, schien ihm die Tragweite des eigenen Antrags nicht mehr bedeutungsvoll genug: „Zugegebenermaßen ist unser Antrag ein paar Nummern kleiner als die vorangegangene Diskussion über die Erweiterung des Hanseviertels“, läutete Dr. Gerhard Scharf plötzlich bescheiden die Debatte ein, um das brisante Thema aber gleich wieder gekonnt aufzuwerten: „Bekanntlich stolpern Menschen nicht über große Felsbrocken, sondern über kleine Maulwurfshügel.“ Aus seiner Sicht sind die beiden auf dem Parkplatz aufgeschütteten Erdhügel solche Stolperfallen und müssen weg. „Für Anwohner spielt der Parkplatz eine große Rolle“, glaubt er. Besucher könnten hier parken, Taxi-Fahrer ihre Kunden rauslassen, damit die zu Fuß über die Straße ins Viertel gehen könnten. „Das spart eine Menge Kosten – jedes Mal 2, 3 Euro“, hat Scharf ausgerechnet. Deshalb solle der alte Zustand hergestellt und der Platz endlich wieder dafür genutzt werden, wofür er mal gebaut wurde: zum Parken. Damit es nicht mehr so laut wäre wie früher, sollte für Lkw ein Verbot gelten. Für die gute Sache würden er und seine Parteikollegen sogar selbst mit anpacken, bot er an.

Widersacher Andreas Meihsies kritisierte, dass die CDU Anwohner zu Fuß über die Straße schicken will: „Das ist da viel zu gefährlich.“ Oberbürgermeister Ulrich Mädge wunderte sich ebenfalls: „Wenige Meter weiter haben wir erst 2010 eine Querungshilfe gebaut, weil die Straße so gefährlich sei – auch auf Initiative von Herrn Dr. Scharff hin. Wenn wir jetzt den Parkplatz öffnen, weiß ich doch heute schon, dass wir in ein, zwei Jahren den nächsten Überweg bauen.“

Martin Bruns (SPD) wandte zudem ein: „Ein Lkw-Verbot bedarf der Kontrolle, die wäre nicht zum Nulltarif zu haben.“ Rosemarie Ebeling (CDU) dagegen zeigte kein Verständnis für das Vorhaben, den Asphalt aufzubrechen: „Das gute Pflaster – das ist besser als an vielen anderen Stellen in der Stadt.“

Claudia Schmidt (Grüne) musste angesichts der langatmigen Debatte schmunzeln: „Es ist gar nicht so leicht, dabei ernsthaft zu bleiben. Worüber unterhalten wir uns hier eigentlich? Zwei Erdhaufen? Wir sollten den Platz, um bei Ihrem Bild zu bleiben, zum Wohngebiet für Maulwürfe machen.“ Scharf gab sich nun noch bescheidener: „Ich halte die ganze Diskussion für völlig aufgebläht. Es geht doch um eine Kleinigkeit.“

Eine, die nicht ganz billig wäre, wie Mädge verdeutlichte: „Wir sollten die Kosten nicht verniedlichen. Ob Müll beseitigen oder Winterdienst – wenn wir den Parkplatz freigeben, müsste die AGL bezahlt werden. 30 bis 50 Euro pro Stunde kämen da schon zusammen.“ Über die Gebühren träfe das die Bürger. Mädge sprach von einer „abstrusen Diskussion“. Doch der kleine Parkplatz habe offenbar größte Priorität für die Christdemokraten: „Bei jeder Koalitionsverhandlung mit der CDU war das Punkt 1“, erinnerte er sich.

Weil die Stadt weder Geld für die laufende Unterhaltung des Parkplatzes noch für einen Rückbau hat, erwies sich das Duell letztlich als eines mit Platzpatronen. Der Rat entschied: Alles bleibt wie es ist.