Aktuell
Home | Lokales | Wie viel Schwein darf sein?
3141651.jpg

Wie viel Schwein darf sein?

emi Dahlenburg. Der Streit um die geplante Erweiterung des Schweinezuchtsbetriebes in Ellringen geht in die nächste Runde: Rund 90 Kritiker und Zuhörer verfolgten gestern im Schützenhaus Dahlenburg den Erörterungstermin zu den Bauplänen der Firma Bundes Hybrid Zucht Programm GmbH (BHZP) – eine Marathonsitzung für alle Beteiligten.

Schon seit Monaten wird um das Thema gestritten und auch der Erörterungstermin begann hitzig: Sowohl der Antragsteller BHZP als auch der Kreis Lüneburg als Genehmigungsbehörde und Nachbarn der Schweinezuchtanlage hatten ihre Anwälte aufgefahren, die sich ein juristisches Geplänkel um Kopien, Fristen und Anträge lieferten. Keine leichte Aufgabe für den Diskussionsleiter und Fachbereichsleiter Ordnung und Umwelt beim Kreis, Wolfram Kallweit, die Diskussion in geordnete Bahnen zu lenken.

Eingegangen waren beim Kreis insgesamt 165 schriftliche Einwendungen, „davon 40 aus der Samtgemeinde Dahlenburg, acht aus dem übrigen Landkreis Lüneburg, sechs von Verbänden und Vereinen und 111 aus dem übrigen Bundesgebiet“, so Kallweit. Zusammengefasst und erörtert wurden sie unter folgenden Aspekten: Planung, Gemeinde, Baurecht, Brandschutz, Wasserwirtschaft, Immissions-, Tier- und Naturschutz.

Geplant ist der Stallbau für rund fünf Millionen Euro auf dem Gelände der BHZP, wenige hundert Meter außerhalb des Ortes am Ende einer Sackgasse. In der neuen Schweinezucht-Anlage östlich der Straße An der Wassermühle sollen auf vier Hektar 3168 Jungsauen, 2393 Ferkel, 746 Sauen und vier Eber Platz finden. Damit umfasst die neue Anlage fast die vierfache Kapazität des jetzigen Komplexes. Die alten Ställe auf der anderen Straßenseite sollen abgerissen werden, bereits im vergangenen Jahr erklärte BHZP-Geschäftsführer Dr. Conrad Welp gegenüber der LZ, sie „genügen weder den tierschutzrechtlichen noch unseren unternehmerischen Anforderungen“.

Auch beim Erörterungstermin begründete Dr. Welp die Pläne: Die Vergrößerung der Anlage solle dazu beitragen, die Marktposition des Unternehmens zu halten und auszubauen. Ellringen sei als Standort besonders gut geeignet, da im Umfeld relativ wenig Schweine gehalten würden und die Gefahr einer Keimübertragung gering sei. Außerdem: „Unser Unternehmen befindet sich bereits seit 43 Jahren in Ellringen. Das ist unser Geburtsort.“

Argumente, mit denen der Unternehmenschef Anwohner wie Barbara Schoenrock nicht überzeugen konnte. Sie wohnt seit 25 Jahren in Ellringen – in rund 700 Metern Entfernung zum Zuchtbetrieb. „Die jetzige, kleine Anlage hat bisher niemanden gestört“, sagte sie gegenüber der LZ. Aber 6000 Tiere seien eine andere Hausnummer. Eine ihrer Befürchtungen: Der Tourismus in Ellringen könnte leiden. „Möchten Sie irgendwo Urlaub machen, wo es nach Schwein riecht?“, fragte sie. Doch auch um die Einwohner selbst macht sie sich Sorgen, fürchtet, dass Keime von den Schweinen auf die Menschen übertragen werden. „Durch den Antibiotikaeinsatz in der Schweinezucht bilden sich Resistenzen – das ist eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen“, schimpfte sie.

Welche Auswirkungen die Einwendungen der Bürger sowie von Unternehmen, Behörden und Naturschutzverbänden auf die Pläne des BHZP haben, wird nun vom Landkreis ausgewertet. Sobald die Ergebnisse vorliegen, erhalten die Einwender laut Fachdienstleiter Kallweit einen Bescheid über die Genehmigung oder die Ablehnung. „Je nach Ausgang, bleibt ihnen dann die Möglichkeit, Rechtsmittel einzulegen.“

Der gestrige Erörterungstermin war ein Schritt in dem Genehmigungsverfahren. Bis zum 1. März hatten Bürger und Institutionen Zeit, ihre Einwendungen gegen die Betriebserweiterung schriftlich an den Kreis zu richten. Der Fachdienst Umwelt prüft den Antrag nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz.