Mittwoch , 28. September 2016
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Rasselbande sucht neues Zuhause

ben Lüneburg. Das Telefon im Büro des Lüneburger Tierheims klingelt. Geschäftsführerin Selina Martens greift zum Hörer, lauscht kurz und sagt dann: „Ich komm‘ gleich mal rum.“ Die Polizei hat sie um Hilfe gebeten, am Loewe-Center soll ein Mann festgenommen werden, der im Rausch Passanten angepöbelt und ihnen gedroht habe. Martens soll die vier Hunde des Mannes übernehmen. Während die 48-Jährige nach einer Fangschlinge aus Leder greift und zur Tür geht, sagt sie: „Jetzt ist hier völlig Land unter.“ Denn 43 Hunde sitzen bereits in den Zwingern des Tierheims an der Bockelmannstraße – und eigentlich ist nur Platz für 24.

Zwei Notfälle haben die Raumnot im Hundehaus ausgelöst, schildert Martens, als sie eine knappe Stunde später wieder in ihrem Büro sitzt: „Innerhalb einer Woche mussten wir 25 Hunde aufnehmen.“ Einmal erlösten die Tierheimmitarbeiter gleich acht junge Setter-Schäferhund-Mischlinge auf einen Schlag aus schlechter Haltung. Ein Nachbar des Besitzers hatte das Veterinäramt informiert, der Halter habe sich aber einsichtig gezeigt. „Er war mit der Situation total überfordert und hat die Hunde freiwillig abgegeben.“ Was die 48-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt: Kurz darauf beschlagnahmt das Veterinäramt 17 Jack-Russel-Terrier, darunter elf Welpen, die jetzt aufgrund der Platznot in die Quarantäneräume des Tierheims gezogen sind.

Immer wieder muss das Veterinäramt eingreifen, weil Menschen Tiere nicht artgerecht halten, sie misshandeln oder sie nicht mehr versorgen können. Viele Tiere holt Tierheim-Chefin Selina Martens dann ab – und stößt dabei oft auf erschütternde Zustände. So wie im Fall der acht jungen Mischlinge: „Die Hunde waren komplett verkotet, verfilzt, verfloht und unterernährt.“ Der Mann hatte die Tiere in einem Zimmer gehalten, nur selten durften sie in den Garten. „Sie sind deshalb noch nicht stubenrein, kennen keine Leine und kaum Umweltreize, sodass davon auszugehen ist, dass sie sich in neuen Situationen erschrecken werden“, sagt Selina Martens.

Dann steht sie auf, um die Junghunde in den Hof zu lassen. Kurz darauf wirbeln acht schwarze Mischlinge schwanzwedelnd um sie herum, springen fröhlich an ihr hoch und verteilen reichlich Küsse an ihre Retterin. Die Tierheim-Mitarbeiter haben die Rasselbande aufgepäppelt, entfloht, entwurmt und den Hunden den Kot aus dem Fell gewaschen, gebürstet und geschnitten. „Sie brauchen jetzt dringend ein neues Zuhause“, sagt Martens, die sich als neue Besitzer Menschen wünscht, die den Hunden „mit Geduld, Ruhe, Liebe und Konsequenz all das beibringen, was sie brauchen, um ein guter Begleiter in allen Lebenslagen zu werden“. Denn lernen müssen sie noch viel, sagt Selina Martens: „Wer sich für einen der acht entscheidet, nimmt quasi einen großen Welpen mit nach Hause. Bekommt dafür aber auch einen Freund für’s Leben.“

Mehr Fotos der fünf Monate alten Mischlinge und anderer Tierheimgäste sind zu sehen unter www.tierschutzverein-lueneburg.de im Internet. Dort findet sich auch die Bankverbindung des Tierheims, das um finanzielle Unterstützung bittet, da der unerwartete Besucheransturm im Hundehaus die Einrichtung in Not bringt. Wer Fragen zu den Tieren hat oder helfen möchte, erreicht die Mitarbeiter unter Tel.: 8 24 24.