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Besser langsam als Wild

emi Lüneburg. Jägerschaft und Polizei blicken mit Sorge auf die Entwicklung in Stadt und Landkreis Lüneburg: Bei jedem vierten Verkehrsunfall war im vergangenen Jahr ein Tier im Spiel. Insgesamt kamen nach Polizei-Angaben 934 Rehe, Hasen und Füchse unter die Räder – 208 mehr als im Jahr 2011. „Diesen drastischen Anstieg kann ich mir auch nicht so richtig erklären“, sagt Hauptkommissar Andreas Dobslaw. Zwei Gründe nennt der Verkehrsexperte der Lüneburger Polizei aber doch: „Die Leute fahren zu schnell, vor allem in den Gegenden mit Wild. Außerdem gibt es einfach mehr Wild in Wald und Flur.“

Der Vorsitzende der Jägerschaft Lüneburg, Torsten Broder, erklärt: „Hier im Kreis gibt es viel junges und unerfahrenes Wild. Im Frühjahr besetzt das männliche Wild neue Reviere, dabei vertreiben die Alten die Jungen. Die Unerfahrenen sind dann öfter mal in Unfälle verwickelt.“

Broder spricht von einem „ständig wiederkehrenden Problem“. Mit verschiedenen Maßnahmen versuche die Jägerschaft, der Lage Herr zu werden: „Mit dem kreiseigenen Betrieb Straßenbau- und Unterhaltung (SBU) haben wir dort, wo viele Unfälle passiert sind, Warnschilder mit der Aufschrift ‚Besser langsam als Wild‘ aufgestellt“, sagt Broder.

Die Verkehrsteilnehmer müssten sich darüber im Klaren sein: „Da, wo ein Tier überfahren worden ist, wechselt ein neues hin, denn das Wild nutzt den entstandenen Freiraum.“

Auch die 2007 von der Polizeiinspektion Lüneburg gestartete Aktion „Drei Beine in drei Landkreisen“ soll Autofahrer sensibilisieren. Aber sie „läuft hier nicht so gut, wie man es sich wünschen würde und wie wir es andernorts sehen“, bedauert Dobslaw. „2010 haben wir das Projekt an die Jägerschaft übergeben“, berichtet der Hauptkommissar. „Aber wenn man durch den Landkreis fährt, sieht man nicht besonders viele Dreibeine – und wenn, dann sind sie oft ungepflegt.“ Broder beteuert: „Für viele Jäger ist es ermüdend, aber ich fordere sie immer dazu auf, die Dreibeine aufzustellen.“

Neben den Dreibeinen als „Nachsorge“ trifft die Jägerschaft aber auch Maßnahmen zur Vorsorge, bringt beispielsweise blaue Reflektoren an Leitpfosten an: „Die lenken in der Dunkelheit das Scheinwerferlicht seitlich ab, das Wild erschrickt und läuft weg.“ Erst vor kurzem seien Reflektoren an der L221 zwischen Lüneburg und Bleckede befestigt worden, ein Wildunfall-Schwerpunkt.

Letztendlich sei man aber nirgends gegen Zusammenstöße mit Wild gefeit, warnt Dobslaw: „Wir sind ein Flächenlandkreis, da muss man auch am Ortsrand mit Wild rechnen“, betont er. „Wann immer man aus den Orten rausfährt, muss man vorsichtig sein.“

Jäger Torsten Broder, wünscht sich für die Zukunft, „dass die Straßenbehörden von vornherein nur noch solche Pfähle aufstellen, an denen man die Reflektoren einfach anbringen kann“.