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Ringen um Windkraftflächen

sel Wendhausen. Vier Windräder stehen bereits in Sülbeck, südlich der Landesstraße 221. Und es ist wahrscheinlich, dass weitere dazukommen – auf einer 82 Hektar großen Fläche, die sich südöstlich an den Windpark in Richtung Wendhausen anschließt. Bis zu sieben weitere Anlagen könnten auf dem Areal entstehen, das der Landkreis Lüneburg als Vorrangfläche für Windenergie im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) ausweisen will. Die Pläne und die ihnen zugrunde liegenden Kriterien erläuterte Reinstorfs Bürgermeister Burkhard Bisanz jetzt vor rund 100 Zuhörern bei einem Info-Abend im Meyer’s Gasthaus in Wendhausen.

Bisanz verwies auch darauf, dass die neuen Anlagen mit einer Gesamthöhe von rund 200 Metern deutlich größer ausfallen würden als die bestehenden mit 135 Metern. Und der neue Windpark würde auf Wendhausener Gebiet erbaut, rund 800 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt. „Wir brauchen handfeste Sachargumente für die Stellungnahme der Gemeinde. Deshalb sammeln wir heute Abend Ihre Einwände und Anregungen“, erklärte Bisanz. Denn bis zum 10. Mai muss sich die Gemeinde mit ihrer Stellungnahme positionieren – und möglicherweise Argumente dafür liefern, die Abstände zur Wohnbebauung zu vergrößern oder den geplanten Windpark abzuspecken.

Doch einfach wird das voraussichtlich nicht. „Im Grunde ist Wendhausen gesetzt“, sagte Bisanz. Das Braunkehlchen war ein gutes Argument, als vor Jahren die bestehenden vier, aber nicht mehr, Windräder gebaut wurden. Ob es heute noch zieht, müsse ein ornithologisches Gutachten zeigen. Schattenwurf und Infraschall taugten nicht als Einwände, denn dazu würden bundesweite Vorgaben und Richtlinien erarbeitet. Auch der potenzielle Wertverlust von Immobilien sei kein schlagkräftiges Argument gegen die Energiewende, die bundesweit durchgesetzt wird.

Der Landkreis Lüneburg bemühe sich, so Bisanz, um eine „moderate Lösung, um einen Kompromiss zwischen den Bürgern und der Wirtschaft“. Denn der Bau von Windrädern gehöre zu den privilegierten Bauvorhaben. Wer Wildwuchs oder die gefürchtete „Verspargelung der Landschaft“ verhindern wolle, müsse Vorgaben machen – deshalb wolle der Kreis die Vorrangflächen ausweisen. Zwölf dieser Flächen auf 970 Hektar hat der Landkreis aktuell im Visier – eine davon ist die nordöstlich von Wendhausen.

Eignen könnte sich jedoch auch ein Areal zwischen Reinstorf, Holzen, Radenbeck und Horndorf. Und vor Ort gibt es bereits Interessenten, die dort einen Bürgerwindpark errichten wollen – auch, um Einfluss auf die Höhe der Anlagen nehmen und unabhängig von Energieunterkonzernen werden zu können. „Außerdem würde die Gewerbesteuer in unserer Gemeinde bleiben“, lautete beim Info-Abend ein weiteres Argument für den Bürgerwindpark. Das Problem: Der Standort liegt nur 2240 Meter von der Vorrangfläche bei Wendhausen entfernt – und erfüllt damit nicht das Kriterium des Kreises, dass zwischen zwei Anlagen ein Mindestabstand von drei Kilometern bestehen muss. Möglicherweise, so meinte Bisanz, lasse sich die Wendhausener Fläche verkleinern und der Abstand zum Reinstorfer Standort somit vergrößern, sodass beide Vorhaben realisiert werden können. „Wenn wir den Bürgerwindpark unbedingt wollen, könnten wir auch politischen Druck ausüben.“

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Denn das Areal bei Reinstorf wird Wendhausen als Vorrangfläche nicht ablösen können, sondern müsste zusätzlich ins RROP aufgenommen werden. „Ein Entweder-Oder gibt es bei den beiden Standorten nicht“, sagte Bisanz. Bürger, die nahe der potenziellen zusätzlichen Bürgerwindpark-Fläche wohnen, lehnten dankend ab. Somit bleibt die Suche nach „harten Argumente“ für die Stellungnahme der Gemeinde schwierig. Anregungen können noch an Bürgermeister Bisanz gesendet werden, per Mail an: mail@burkhardbisanz.de. Wer sich die Vorrangfläche im Detail anschauen möchte, kann das im Geoportal des Landkreises tun, unter: www.lueneburg.de/geoportal.