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Teurer langer Winter

ben Lüneburg. Frost und Schnee kommen Unternehmern teuer zu stehen. Rund zwei Milliarden Euro gehen der deutschen Wirtschaft nach Berechnungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) verloren, und die Auswirkungen des langen Winters sind auch in Lüneburg zu spüren: Frühjahrsblumen sind ebenso Ladenhüter wie T-Shirts und Sandalen. „Das Wetter ist einfach zu kalt für den Handel“, sagt Heiko Meyer. Der Vorsitzende der Lüneburger Citymanagement (LCM) geht für Lüneburg von zehn Prozent Umsatzeinbußen im Vergleich zum ersten Quartal 2012 aus.

Die Schaufenster seines Schuhgeschäftes hat Cornelius Schnabel bereits Mitte Februar mit der aktuellen Frühjahrskollektion dekoriert – mit mäßigem Erfolg: „Die Kunden zeigen sich zwar interessiert, sind aber noch nicht kaufbereit“, sagt der 44-Jährige. Zahlen will er nicht nennen, bestätigt aber, „erheblich weniger Umsatz als im Vorjahr“ zu machen. Rund 12 Prozent weniger sind es branchenübergreifend und bundesweit laut Heinz-Georg Frieling, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Harz-Heide: „Ob das Frühjahr für den Handel im Textil- und Schuhbereich noch zu retten ist, hängt elementar davon ab, ob der April das ersehnte Frühjahrswetter bringen wird.“ Denn der eisige Wind und die frostigen Temperaturen laden einfach nicht zum Einkaufsbummel ein, sagt LCM-Chef Meyer: „Und wer kauft schon Shorts bei minus zehn Grad?“

Auf ein schnelles Ende des Winters hofft auch Matthias Seil, der eine Gärtnerei in Bleckede führt. Denn weil der Boden gefroren ist, zögern die Hobbygärtner noch mit dem Pflanzen. Etwa ein Drittel weniger Umsatz macht das für den Gärtnermeister aus. Normalerweise habe er bis Ostern rund 40 000 Frühlingsblumen verkauft, in diesem Jahr waren es bisher nur 5000, einen teil habe er durch den Verkauf von Zimmerpflanzen auffangen können.

Rund 35 000 Hornveilchen, Bellies und Primeln stapeln sich in den Verkaufsräumen. „Zehn Tage haben wir noch Luft – und dann ein Platzproblem“, sagt Seil. Denn damit die Sommerpflanzen in den Gewächshäusern weiter wachsen können, müssten sie auseinandergerückt werden. Nur wohin mit der neuen Ware, wenn die alte noch nicht verkauft ist? Seil nimmt’s gelassen: „Wir hatten schon öfter lange Winter, in denen uns Angst und Bange war. Aber die Erfahrung hat gezeigt: Sobald es dann wärmer wird, zieht es die Menschen in die Gärten.“ Hornveilchen könne man zwar auch jetzt bereits pflanzen, weil sie sehr robust seien, sagt der Gärtnermeister: „Aber es macht keinen Spaß.“

Der frostharte Boden sorgt auch bei Bauunternehmer Thomas Kroll für Frust: Sieben von acht seiner Baustellen liegen zurzeit brach. „In den ersten drei Monaten haben wir 20 Prozent weniger Umsatz gemacht als im Vorjahreszeitraum“, sagt Kroll. Und selbst wenn es jetzt zum Wetterwechsel kommen sollte, „sind wir in Verzug, denn die alte Arbeit ist noch nicht erledigt“. Kroll hofft, die verlorene Zeit und das Geld über das Jahr wieder aufholen zu können, weiß aber auch: „Viele, die kein Pölsterchen angelegt haben, könnten am Ende vor der Insolvenz stehen.“

Immerhin ist ein Lichtblick in Sicht: Die Sonne strahlt seit Tagen über den Dächern Lüneburgs. In der Gastronomie hatte das schon spürbare Folgen, sagt LCM-Chef Heiko Meyer, der ein Café in der Schröderstraße betreibt: „Die Leute sind heiß auf Sonne und setzen sich mit ihrem Kaffee nach draußen, auch wenn es noch kalt ist.“ Er selbst hat eine ganz eigene Strategie, um den Winter zu vertreiben: „Ich ziehe bunte Pullis an. Aber noch hat es nicht geklappt, den Frühling damit zu locken.“ Vielleicht aber hat er so zumindest den Umsatz der Einzelhändler angekurbelt.