Donnerstag , 29. September 2016
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Wollige Hoffnungsträger

off Echem. Als das Leineschaf im Januar zur „gefährdeten Nutztierrasse 2013“ gekürt wird, hat sich der Nachwuchs in Echem schon angekündigt. Alle 21 Muttertiere des Landwirtschaftlichen Bildungszentrums (LBZ) sind tragend und erwarten mindestens eins, manche auch zwei Lämmer. Jetzt, kurz vor Ostern, haben die ersten Wollknäule das Licht der Welt erblickt – blökende Hoffnungsträger im Kampf um den Erhalt einer vom Aussterben bedrohten Schafrasse.

Nur noch rund 1600 Mutter- und 45 Vatertiere gibt es nach Angaben der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen (GEH) in Deutschland. So wenig, dass der Verein versucht, das Leineschaf mit der Titelvergabe in diesem Jahr besonders in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Soll die Rasse überleben, müssen Züchter und Verbraucher von den Qualitäten des Leineschafs überzeugt werden. Ein Ziel, um das sich seit kurzem auch das LBZ kümmert, eine Einrichtung, in der die Haltung der Rasse Tradition hat.

„Früher wurden hier mehr als 300 Schafe gehalten“, sagt Ausbilder Niko Mammen, „am Anfang auch Leineschafe.“ Doch dann sollte mit Nolana eine ganz neue Rasse auf den Markt kommen, das LBZ, damals noch Lehr- und Versuchsanstalt, beteiligte sich an dem Zuchtprogramm und stellte um – vom Leine- aufs Nolanaschaf. Später wurden auch die Bestände immer kleiner, „denn es gab jedes Jahr weniger Schäfer, damit schrumpfte zugleich der Ausbildungsbereich“, erklärt Mammen. Die Schafhaltung am LBZ wurde zur Nische – die seit drei Jahren wieder vom Leineschaf besetzt wird.

Als Außenstelle der Arche-Region Amt Neuhaus setzt das Echemer Bildungszentrum bewusst auf alte Nutztierrassen, hält neben den Schafen auch das vom Aussterben bedrohte schwarzbunte Niederrungsrind. Beide Rassen kämpfen heute mit demselben Problem: Sie sind nicht auf ein Leistungsziel spezialisiert, sondern auf zwei. Während es die Menschen früher schätzten, wenn eine Kuh nicht nur Milch gab, sondern auch Fleisch ansetzte, ein Schaf Wolle und Fleisch lieferte, geht es heute nur um ein Zuchtziel: viel Fleisch oder viel Milch.

Ob das Leineschaf trotzdem eine Zukunft hat, seine Anpassungsfähigkeit, Robustheit und Fruchtbarkeit die Rasse vor dem Aussterben bewahrt, kann auch Niko Mammen nicht vorhersagen. Im LBZ Echem allerdings wird sich auch im kommenden Jahr wieder Nachwuchs ankündigen – wenn an einem Januartag in Berlin die GEH ein anderes Tier zur gefährdeten Nutztierrasse des Jahres erklärt.