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Ein gewinnbringendes Lächeln

ahe Lüneburg. Diane Bödrich ist eine gefragte Verkäuferin. Ob Küchen, Urlaubsreisen, Eis am Stiel, Immobilien, Bahntickets oder die große Politik, die 32-Jährige bringt alles an den Mann und die Frau. Dabei hat die Lüneburgerin nicht etwa langjährige Erfahrung im Einzelhandel, vielmehr ist sie das Gesicht, auf das viele Unternehmen setzen, um ihre Produkte möglichst erfolgreich am Markt zu platzieren. Als Model wird sie regelmäßig für Werbekampagnen gebucht. Sie war in Fernsehspots für HolidayCheck am Hotelpool zu sehen, hat sich für das Internetportal Immonet ein blaues Auge verpassen lassen und für Aldi-Prospekte Eis am Stiel geschleckt.

Das Lächeln für die Kameras ist für Diane Bödrich eigentlich nur ein Nebenjob. Hauptberuflich arbeitet sie beim in Lüneburg ansässigen Deutschen Rock Pop Musikerverband. Eher durch Zufall kam sie vor knapp drei Jahren zum Modeln. Ein früherer Arbeitskollege einer Werbeagentur hatte ihr den ersten Job verschafft – für Immonet. Das machte Appetit auf mehr, sie meldete sich bei einer Modelagentur in Hamburg an und ergatterte gleich einen Dreh in Ägypten. 2000 Euro habe sie für fünf tolle Tage in der Sonne bekommen, erinnert sie sich. Seither wird sie immer wieder für Foto- und Filmaufnahmen gebucht.

Dass Diane Bödrich nicht schon früher Kapital aus ihrem guten Aussehen geschlagen hat, habe vor allem mit ihrer Schüchternheit zu tun gehabt: „Früher habe ich mich anders wahrgenommen, da hatte ich gar nicht das Selbstbewusstsein, wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich als Model Geld verdienen könnte.“ Inzwischen hat sie so viele Aufträge, dass ihr Nebenjob durchaus etwas mehr einbringt als ein kleines Taschengeld. „Bis zu 1000 Euro Gage pro Tag können es schon mal sein“, verrät sie, „abzüglich 20 Prozent für die Agentur“. Aber nicht allein die Verdienstmöglichkeit mache den Reiz aus, sondern „die tollen Erlebnisse sind eine nette Abwechslung zum Büroalltag“.

Seit sie regelmäßig vor der Kamera steht, müsse sie ein bisschen mehr Disziplin walten lassen. Weniger hinsichtlich ihrer Figur, dick war sie nie, und Sport hat sie vorher schon viel gemacht. „Am Abend vor einem Dreh esse ich nicht unbedingt Pizza, sonst hat sich in Sachen Ernährung nicht viel geändert. Dafür achte ich zum Beispiel sehr darauf, dass meine Nägel immer gepflegt aussehen.“

Die Arbeit ist so vielfältig wie es die Produkte sind, für die sie wirbt. Für den Fernsehsender Glitz hat sie auf Mallorca gedreht, für die Deutsche Bahn ein Fotoshooting in Köln gemacht. Für einen Lidl-Prospekt war sie in EM-Trikots zu sehen, für Leifheit hat sie Küchengeräte angepriesen und für Landmann gegrillt. Mal ist sie nur einen Tag unterwegs, mal vier Tage am Stück. Ihr Markenzeichen ist stets ihre Fröhlichkeit. „Lächeln ist mir noch nie schwer gefallen“, sagt sie. Und es vergeht ihr auch nicht, wenn es mal nichts wird mit einem Job, sie beim Casting den Kürzeren zieht, weil sie – zum Beispiel für einen Auftrag des Kaffeerösters Tchibo – nicht reif genug wirke. „Dann ist das eben so, das ist ja nie persönlich gegen einen gerichtet“, sagt sie.

Namhaft war auch ihr Auftraggeber für einen weiteren Spot in diesem Jahr. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands engagierte die Lüneburgerin für ein Video zum Thema „150 Jahre SPD“. Mit einem Tablet-PC schlendert sie darin durch eine Wohnung, schaut sich Fotos und Filme zur Geschichte der Sozialdemokratie an. Sie könnte noch häufiger im Fernsehen, auf Plakaten oder in Broschüren zu sehen sein, „aber ich kann gar nicht alle Aufträge wahrnehmen“. Schließlich gibt es ja noch den Hauptberuf. Beim Rock & Pop Musikverband hört sie zwar zum Ende dieses Monats auf, doch sie will nun den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Womit genau, mag sie noch nicht sagen, doch sie wird es nicht mehr in Lüneburg machen. „Ich ziehe der Liebe wegen nach Berlin.“ Ihr Freund Cai, mit dem sie seit dreieinhalb Jahren liiert ist, musste aus beruflichen Gründen in die Hauptstadt ziehen. „Nach einem halben Jahr Fernbeziehung habe ich gemerkt, dass das nichts ist für mich. Aber modeln will ich weiter nebenbei.“ Doch nicht für jedes Produkt und jede Firma könne sie guten Gewissens charmant in die Kamera lächeln: „Für KiK oder Wiesenhof würde ich keine Werbung machen“, stellt Diane Bödrich klar.

Dass sie mit 32 Jahre als Model vielleicht schon bald zu alt sein könnte, diese Sorge hat sie nicht. „Ich glaube schon, dass ich das noch eine ganze Weile machen kann. Auch für die Gruppe 40plus werden immer wieder Gesichter gesucht.“