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Lotsinnen in Lebensfragen

sp Lüneburg. Darf ich mir ein Piercing stechen lassen? Darf ich in den Ferien mit meinen Freunden ins Zeltlager fahren? Darf ich aufhören, meine Zahnspange zu tragen? Wie viele andere Eltern auch, müssen sich Sabine Blender und Angelika März mit solchen Fragen ihrer Kinder auseinandersetzen. Doch auch im Berufsalltag der beiden städtischen Sozialpädagoginnen sind diese Themen ständig präsent. Denn Blender und März haben die Amtsvormundschaft für rund 60 Kinder und Jugendliche in Lüneburg.

„Einen gesetzlichen Vormund bekommen Waisen, aber beispielsweise auch Kinder, deren Eltern schwer krank sind und sich deshalb nicht um sie kümmern können“, erklärt Angelika März. Auch minderjährige Mütter haben als gesetzliche Vertretung für ihr Kind einen Vormund an ihrer Seite. Sabine Blender ergänt: „Wenn die Mutter wegen einer Geburtstagsfeier zum Beispiel mal eine Nacht in Hamburg verbringen möchte, entscheide ich als Vormund, wo das Baby während dieser Zeit bleiben kann. Ich spreche mit den Großeltern oder den Betreuern, falls Mutter und Kind in einer Einrichtung leben. Wir suchen dann zusammen nach einer Lösung, mit der es dem Baby gut geht.“.

Die Aufgaben eines Amtsvormundes sind vielfältig. Wenn das Gericht eine Unterbringung außerhalb der Familie angeordnet hat, beantragen die Vormunde zu allererst, dass ihre Schützlinge ein neues Zuhause in einer Pflegefamilie oder einem Heim bekommen. Sie unterschreiben Zeugnisse, geben ihre Einwilligung zu einer Klassenfahrt und stimmen, wenn notwendig, einer Operation zu. Für die Gestaltung des Alltags der Kinder und Jugendlichen, also Essen, Schlafenszeit, Freizeitgestaltung und Fernsehkonsum, sind sie nicht zuständig. Das übernehmen die Pflegefamilien oder Betreuer im Heim.

Besonders wichtig und sogar gesetzlich vorgeschrieben ist der persönliche Kontakt zwischen Vormund und Schützling. „Wir besuchen die Kinder und Jugendlichen in der Regel einmal pro Monat zu Hause. Das Treffen soll in ihrer gewohnten Umgebung stattfinden, damit es ihnen leichter fällt, Vertrauen zu fassen“, sagt Angelika März. Bei einer vollen Stelle darf ein Amtsvormund maximal 50 Kinder betreuen, bei einer halben Stelle sind es höchstens 25. Sonst bliebe zu wenig Zeit für regelmäßige Gespräche und Besuche.

Bislang war der Bereich Vormundschaften bei der Stadt Lüneburg auf mehrere Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter aufgeteilt. Doch die Stadt hat sich hier neu organisiert. Waldemar Herder, Fachbereichsleiter Soziales und Bildung, erklärt: „Wir haben diesen Bereich in den vergangenen Wochen ausgegliedert und für die Amtsvormundschaft zwei Sozialpädagoginnen eingestellt. Sie haben eine fundierte Ausbildung und sind deshalb besonders spezialisiert.“