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Sinnsuche bei biblischem Spaziergang

emi Hanstedt I. Ein zerrissener, roter Vorhang, herabfallende Felsbrocken, verhüllte Gestalten, Licht und Dunkelheit: In 13 Bildern des Künstlers Werner Steinbrecher greift der Auferstehungsweg zwischen Hanstedt I und dem Kloster Ebstorf die zentralen Momente der Osterbotschaft auf und möchte zum Nachdenken anregen: Was hat die Botschaft uns heute, in unserer ganz persönlichen Situation zu sagen? Worin liegt ihre besondere Kraft? Jedes Jahr zu Ostern wird der Weg für die neue Wandersaison eröffnet. Ein Teilstück des Weges wurde jüngst auch für Gehbeeinträchtigte ausgebaut.

„Wer sich darauf einlässt, kann die Bilder auf sich wirken lassen. Für die anderen ist es einfach ein Spaziergang an der frischen Luft“, erklärt Maya Bücken aus Allenbostel, die die Gruppe an diesem sonnigen Ostermontag ehrenamtlich führt. Der Weg beginnt im kleinen Heidedorf Hanstedt I auf der Südseite der über tausend Jahre alten Feldsteinkirche und schlängelt sich auf einer Länge von 4,2 Kilometern entlang des Schwienau-Tales, durch Feldmark und Hochwald bis hin zum Kloster Ebstorf.

Nach dem Gottesdienst in der St. Georgs-Kirche hat sich eine handvoll Interessierter eingefunden, um auf dem Auferstehungsweg „die Freude des Osterfestes jeden Moment neu zu erleben“, sagt Bücken. Neben der Kirche steht die erste Tafel, die Reise beginnt.

Die Wangen der Teilnehmer sind vom eisigen Wind gerötet, still betrachten sie die Bilder entlang des Weges, nur das Zwitschern der Vogel ist zu hören. An jeder Station liest ein Freiwilliger die zum Bild gehörende Bibelstelle vor. Dann dürfen alle, die Lust haben, ihre Gedanken und Gefühle äußern. Von Angst ist da die Rede, aber auch von Hoffnung. Zum Abschluss stellt Maya Bücken jeweils eine kleine Aufgabe, die die Spaziergänger auf ihrem Weg begleiten soll und Fremde dazu einlädt, miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Anweisungen lauten zum Beispiel: „Stellen Sie sich eine Phase vor, in der es Ihnen nicht gut ging und erzählen Sie Ihrem Partner davon“ oder „Teilen Sie Ihrem Nebenmann mit, welche Gefühle Sie mit Ihrem Namen verbinden“.

Während sich die Gruppe in Bewegung setzt, ist es ruhig. Der ein oder andere Teilnehmer legt nachdenklich seine Stirn in Falten. Die Zeit der inneren Einkehr ist wichtig, der Weg soll schließlich Ruhe und Besinnung ermöglichen. „Jede Führung ist anders“, berichtet Maya Bücken, während sie die Gruppe zum nächsten Bild führt. „Jedes Mal sind, je nach Tageszeit und Wetter, die Farben der Bilder anders, jedes Mal sind andere Menschen mit anderen Sichtweisen dabei.“ Das mache den Weg für sie nach wie vor so faszinierend.

Ruthild Kruschel aus Hagen in Westfalen geht an diesem Tag zum ersten Mal mit. Sie macht mit Ihrem Mann Urlaub in der Heide und findet den Auferstehungsweg „beeindruckend“. Entschieden dazu habe sie sich, „um dem Ostergeschehen näher zu kommen“. Zwar sei sie „überrascht davon“, im Gespräch etwas von sich offenzulegen. „Aber der Weg hat ein Stück von Freiwerden: Natur, Sonne und das Laufen gefallen mir gut.“