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Landwirt mit Leib und Seele

emi Rehlingen. „Wer am Montag anfängt, bleibt nicht lange“, bekam Horst Geissbühler an seinem ersten Arbeitstag vom damaligen Verwalter des Rehrhofes zu hören. So kam es, dass der damals 15-Jährige seine Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter auf dem Fachwerkhof an einem Dienstag begann. Es war der 2. April 1963. Die Gutsverwalter kamen und gingen, Horst Geissbühler blieb. 50 Jahre sind seit diesem kalten, aber sonnigen Apriltag vergangen und der 65-Jährige arbeitet laut seiner Frau Christa immer noch „mit Leib und Seele“ auf dem Jahrhunderte alten Forstgut Rehrhof – wenn auch inzwischen nur noch geringfügig beschäftigt. Im Kreise der Belegschaft dankten die jetzigen Hofbesitzer, Doris und Jürgen Vogt, ihm nun bei einem Sektempfang und Mittagessen „für die Treue“.

„Erst wollte ich ja Maler werden“, berichtet Horst Geissbühler schmunzelnd. „Aber ich bin auf dem Hof groß geworden und kannte die Abläufe – da lag es nahe, dass ich hier Landwirt geworden bin.“ Schon Geissbühlers Vater war auf dem Rehrhof beschäftigt, „als Melker“. Zusammen mit seinen sieben Geschwistern musste Horst Geissbühler von klein auf im Betrieb mithelfen: „Als Zwölfjährige haben wir hier dann zum Beispiel Kartoffeln gesammelt und Rüben gehackt“, sagt der Jubilar.

„Anfangs lebten und arbeiteten rund 35 Familien auf dem Hof“, erinnert sich Geissbühler. „Hier waren unheimlich viele Kinder und wir waren immer draußen, immer beschäftigt. Wir hatten jede Menge Spaß.“ Sobald der Dorfteich zugefroren gewesen sei, sei es zum Schlittschuhlaufen oder Schlittenfahren gegangen.

Mit der Technisierung der Landwirtschaft in den 1970er-Jahren habe die Mitarbeiterzahl jedoch stetig abgenommen. Auch die Tiere wurden nach und nach abgeschafft. „Als ich anfing, waren außer Pferden noch Gänse, Hühner, Schweine, Rindvieh und Kühe da“, erzählt Horst Geissbühler.

1986 übernahmen Doris und Jürgen Vogt den Hof, seitdem gibt es dort nur noch Pferde. Für deren Pflege und all die anderen Arbeiten, die auf dem Rehrhof anfallen, sind laut Jürgen Vogt insgesamt sieben Personen zuständig, eine „internationale Belegschaft“ aus Montenegro, Dänemark und Rumänien.

Heute hilft Horst Geissbühler 20 Stunden pro Woche im Betrieb, streut unter anderem Dünger, fährt Mist weg und kümmert sich um das Kaminholz. „1970 habe ich in Spitzenzeiten fast 300 Stunden im Monat gearbeitet“, sagt der 65-Jährige und seine Frau Christa (63) gesteht: „Ob ich das heute auch noch so mitmachen würde, weiß ich gar nicht genau.“ Die beiden haben sich als Jugendliche kennengelernt, sind seit fast 44 Jahren verheiratet, haben einen Sohn und eine Tochter.

„Für die Landwirtschaft muss man Herzblut haben, sonst hält man’s nicht durch“, ist Horst Geissbühler überzeugt. Dass sie „so vielseitig ist, jeder Tag anders ist“, sei für ihn das Schönste an seiner Tätigkeit. „Ich habe mich immer gut mit meinen Mitarbeitern verstanden und gehe auch heute noch gerne zur Arbeit.“

Für den Jubilar steht deshalb fest: „Solange es die Gesundheit zulässt, mache ich weiter.“ Seine Chefs sähen es gerne: „Ich wünsche mir, dass du noch sehr lange bei uns bleibst“, sagt Jürgen Vogt, und die Mitarbeiter nicken zustimmend über ihren Sektgläsern.