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Zwist um Uni-Auftritt eines Tabak-Riesen

rast Lüneburg. Als „Pionier einer nachhaltigen Entwicklung“ ist die Leuphana mit dem Zeit-Wissen-Preis „Mut zur Nachhaltigkeit“ ausgezeichnet worden. Darf eine Uni, die sich in ihrem Leitbild der Nachhaltigkeit und humanistischen Werten verschrieben hat, einem Tabakkonzern eine Werbeplattform und die Chance bieten, Absolventen zu rekrutieren? Ein klares Nein kommt da von den studentischen Initiativen sneep, oikos, amnesty international und dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Sie fordern, dass eine Veranstaltung mit einer Vertreterin von British American Tobacco (BAT), weltweit zweitgrößter Hersteller von Tabakprodukten, abgesagt wird – oder zumindest verschoben, bis eine Entscheidung zu Kriterien für Unternehmenspräsentationen gefallen ist.

Der Career Service der Uni, der Veranstaltungen zur Karriere- und Berufsorientierung im Studium bietet und sich um die Vernetzung mit dem Arbeitsmarkt kümmert, hat für sein „Praxisforum: Unternehmenskultur international“ am 8. April eine BAT-Vertreterin eingeladen. Die Kritiker aus den Initiativen sagen unter anderem: „Das Unternehmen trägt mit seinen Produkten zum Krebstod etlicher Konsumenten bei. Darüber hinaus geht der Tabakanbau mit Umweltschäden einher.“ Hendrik Wimmer von sneep: „Dass jede achte rund um den Globus gerauchte Zigarette von BAT stammt, hört sich nach einer tollen betriebswirtschaftlichen Leistung an, ist aber auch eine zynische Leistung, wenn man bedenkt, wie viele Krebstote dadurch entstehen.“ Joscha Enga und Johann Gruen von oikos erwarten von der Uni, dass sie „mit Akteuren kooperiert, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden und dementsprechend handeln“.

Die Initiativen sehen sich gestärkt durch den Klima- und Nachhaltigkeitsbeauftragten der Uni, Prof. Wolfgang Ruck, der sich dafür ausspricht, dass die Leuphana einen Beschluss analog des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg fasst: Dieser ethische Kodex zur Ablehnung von Tabakindustriegeldern sehe vor, dass das Zentrum und seine Mitarbeiter „jegliche finanzielle Mittel der Tabakindustrie für Forschungsförderung, Gutachterhonorare, Vertragshonorare, Reisekosten, Wissenschafts- und andere Preise“ sowie „die Mitwirkung an Veranstaltungen der Tabakindustrie oder Dritter, die maßgeblich von der Tabakindustrie gesponsert werden“ ablehnen.

Die Leuphana-Leitung hat auf die Kritik reagiert und die Studierenden zu einer Veranstaltung am 30. April eingeladen, bei der über ethische Grundsätze diskutiert werden soll, wobei es um Kriterien, Maßstäbe, Grenzen und Chancen der Kommunikation mit Unternehmen gehen soll. AStA-Sprecher Keno Canzler begrüßt „das Entgegenkommen der Hochschulleitung“, hält aber an der Forderung nach der Absage des BAT-Termins fest.

Der Forderung erteilt Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff eine klare Absage: „Aufgabe solcher Veranstaltungen ist es, Studierenden einen Einblick in die Arbeitswelt zu geben. Ob sie solche Angebote wahrnehmen wollen, entscheiden sie ebenso selbst wie die Frage, ob ein Unternehmen hinsichtlich seiner Aktivitäten für sie als Arbeitgeber infrage kommt oder nicht. Dabei spielen auch ethische Betrachtungen immer eine Rolle.“ Und weiter: „Studentische Forderungen nach einer Absage der Veranstaltung mit BAT sind unangebracht, denn sie entsprechen nicht universitären Standards einer Auseinandersetzung. Um Entscheidungen treffen zu können, braucht es Information und Diskussion und keine Redeverbote. Die Universitätsleitung hat daher auf die Kritik mit dem Angebot reagiert, in einer eigens organisierten zusätzlichen Veranstaltung über die aufgeworfenen Fragen zu diskutieren.“