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Spuren eines Scharmützels

ca Lüneburg. Tobten hier vor 200 Jahren Kämpfe zwischen französischen Besatzern und Befreiern? Lüneburgs Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring schließt zumindest nicht aus, dass es dort, wo heute Reste der Nordlandhalle stehen und gerade Bauarbeiten laufen, 1813 zu Scharmützel zwischen feindlichen Truppen gekommen sein könnte. Doch ob sich die Spekulation mit Fakten unterfüttern lässt, muss sich durch Untersuchungen der Funde und Recherchen in alten Unterlagen erst noch zeigen. Wie berichtet, haben Arbeiter die Sporthalle abgerissen, an gleicher Stelle sollen Wohnungen entstehen. Seit Wochen wird ein Bereich ausgehoben für eine Tiefgarage. Parallel zu den Erdarbeiten untersuchen Forscher den Boden.

Der Grabungstechniker Jan Stammler und seine Kollegen haben seit Mitte März mehr als 40 Kugeln gefunden, die aus Vorderladern stammen. „Daran kleben zum Teil noch Ziegelreste“, sagt der 36-Jährige. Da in diesem Bereich der Rote Wall und ein Teil der Stadtmauer samt eines Turmes mit dem Namen Pfaffenmütze gelegen habe, vermutet Ring, dass die Munition einst auf die Stadtbefestigung abgefeuert worden war und zerschellte. Auch einen Schädel und zwei Knochen eines Skeletts kamen zutage. Für Kämpfe in der Franzosenzeit würde sprechen, dass im Boden auch Gründungspfähle und Bohlen ruhen, die aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammen könnten. Genaueres sollen dendrochronologische Forschungen ergeben, also Altersbestimmungen des Holzes.

Sicher wissen die Fachleute schon jetzt, dass sich hier vor Jahrhunderten der Stadtgraben in seinem Bett räkelte. Das ergibt sich aus alten Quellen und Karten, aber auch aus entsprechenden Entdeckungen im Erdreich wie Überresten von Schilf und Muscheln. Der genaue Verlauf lasse sich aber nicht rekonstruieren, berichtet Stammler. In späteren Zeiten sei das Gewässer verfüllt worden.

Die archäologischen Grabungen müsse der Investor bezahlen, erklärt Ring. Das schreibe das niedersächsische Denkmalschutzgesetz vor. Er hofft, durch die Untersuchungen weitere Erkenntnisse über den Verlauf und die Fundamente der Stadtmauer zu gewinnen. Doch Ergebnisse dürften noch einige Zeit auf sich warten lassen: „Wir müssen die Funde auswerten.“