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„Jeder hat eine Behinderung“

emi Lüneburg. „Ohne Angst verschieden sein“ heißt die Wanderausstellung zum Thema Inklusion, die jetzt 14 Tage lang im Foyer der Berufsbildenden Schulen (BBS) III zu sehen ist. Jetzt wurde sie im Beisein zahlreicher Schüler und Vertreter des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) sowie des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) eröffnet. Die Ausstellung zeigt in Bild und Text auf drei Stellwänden das Leben von Menschen mit Behinderung und wie man im Wandel der Zeit – vom Mittelalter über den Nationalsozialismus bis heute – mit ihnen umgegangen ist. Allen Interessierten steht sie montags bis freitags, jeweils von 7.30 bis 16 Uhr, im Foyer der Schule Am Schwalbenberg 26 offen.

Ziel der Ausstellung sei es, „anhand ausgewählter Aspekte das äußerst vielschichtige Thema ,Behinderung‘ zu veranschaulichen“, sie soll aber auch „für den Inklusionsgedanken werben“. So steht es in der Info-Broschüre des VDK- sowie des SoVD-Landesverbands Niedersachsen, die das Projekt gemeinsam entwickelt haben.

Laut Elfriede Rosin, 1. Kreisvorsitzende des SoVD, ist die Nachfrage von Schulen, Behindertenbeiräten und Wohlfahrtsverbänden hoch. Rosin liegt das Thema Inklusion am Herzen, „aber nicht nur in Schulen, es fängt bereits mit der Barrierefreiheit an“. Es gehe darum, „die Stolpersteine, die zum Beispiel für Blinde andere sind als für Rollstuhlfahrer, zu beseitigen“.

Was ein „alter Verein mit altem Namen“ wie der Volksbund mit Inklusion zu tun habe, erklärte dessen Landesvorsitzender Professor Rolf Wernstedt: „Unter den Gräbern nach dem zweiten Weltkrieg sind auch Gräber von Behinderten.“ Während des Nationalsozialismus seien Menschen mit Behinderung nur als „nutzlose Esser“ empfunden worden, Familien hätten behinderte Kinder eingeschlossen. „Diese Art Denke gilt es aufzubrechen.“

Schülerin Nina Pape von der Berufsfachschule Hauswirtschaft und Pflege an den BBS III findet: „Jeder sollte Behinderte akzeptieren, so wie sie sind.“ Mit dem Wort Inklusion kann die 17-Jährige dagegen nicht viel anfangen.

Nachhilfe erteilte der Landrat und Kreisvorsitzende des Volksbunds, Manfred Nahrstedt, in seiner Rede: „Der Begriff stammt vom lateinischen Wort ,includere‘ ab. Das heißt übersetzt ,einschließen‘ und bedeutet in diesem Zusammenhang nichts anderes als ,dazugehören‘.“ Unter Inklusion verstehe er selbst nämlich genau das: „Alle Menschen sollen dazugehören.“ Keck sagte Nahrstedt: „Eine Behinderung hat doch jeder von uns. Ich denke da an die vielen Millionen Brillenträger.“ Die Ausstellung bringe das Thema Inklusion auf „besonders eindrückliche Art und Weise“ in den Blick der Öffentlichkeit.

Vertreter von Schulen und anderen Institutionen, die die Wanderausstellung ausleihen möchten, melden sich beim SoVD oder beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Kontaktadressen, die Ausstellungstafeln und weiteres Infomaterial gibt es im Internet unter: www.ohne-angst-verschieden-sein.de.