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Volle Windkraft voraus

as Lüneburg. Rund einen Kilometer vom Baugebiet Langenstückenfeld in Häcklingen entfernt könnten künftig mindestens sechs Windkraftanlagen auf dem sogenannten Vorranggebiet „Melbeck“ stehen. Diese Vorrangfläche ist eine von zwölf in Stadt und Landkreis, die derzeit bei der zweiten Änderung des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) ausgewiesen werden. Das Thema beschäftigt auch die Mitglieder des Bauausschusses der Stadt, die grünes Licht für die Erweiterung der Vorrangfläche „Melbeck“ auf dem Lüneburger Stadtgebiet geben müssen.

Zu den Gründen der Erweiterung der Vorrangfläche, die sich im Areal zwischen B4 und Melbeck/Embsen befindet, erläutert Katrin Holzmann, Sprecherin des Kreises: „Beim Vorranggebiet Melbeck sind zwei Flächen zu einer zusammengefasst. Zwischen den ursprünglich zwei Flächen verläuft eine Stromtrasse, zu der Windkraftanlagen Abstand halten müssen. Dies ist textlich festgehalten. Es ergab aber keinen Sinn, diesen Abstand in der Zeichnung festzulegen. Denn die Größe des Abstands ist von der Höhe der Windkraftanlage abhängig, und die genaue Höhe der Anlagen wird im Raumordnungsprogramm nicht festgelegt.“ Infolge des Zusammenschlusses vergrößert sich die Vorrangfläche „Melbeck“ von 45 auf 91 Hektar. Darin enthalten die nördliche Fläche auf dem Lüneburger Stadtgebiet, die nun 17 Hektar statt bisher vier Hektar ausmacht.

Die Sprecherin des Kreises, der für das Regionale Raumordnungsprogramm zuständig ist, macht auch deutlich, dass die Erweiterung nicht „zwingend bedeutet, dass dort nun mehr Windkraftanlagen entstehen“. Grob geschätzt könnten auf je 12 bis 15 Hektar eine große Anlage (bis zu 200 Meter) entstehen, unterm Strich wären das sechs Anlagen auf der gesamten Fläche „Melbeck“. Sprich: Bei kleineren Anlagen wären es mehr. Die 2. Änderung des RROP für „Vorranggebiete Windkraftnutzung“ liegt bis zum 26. April bei der Stabsstelle Regional- und Bauleitungplanung des Kreises aus, Stellungnahmen können bis 10. Mai abgegeben werden. Informationen unter www.lueneburg.de/windenergie im Internet.

Nicht gerade hellauf begeistert von den Planungen ist Häcklingens Ortsvorsteher Dr. Uwe Plath (CDU). Der Mindestabstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung Langenstückenfeld sei zwar eingehalten, „aber es ist ein schwerer Eingriff in die Natur in einem schönen Erholungsgebiet. Und Bewohner im Bereich Langenstückenfeld haben den Blick auf Windkraftanlagen, die künftig ja bis zu 200 Meter hoch sein können und auf einem Gebiet stehen, das höher liegt als Langenstückenfeld. Die Lebensqualität der Menschen vor Ort wird sich nicht verbessern“. Er stehe zur Energiewende, befürchte aber, dass diese zu Lasten der Menschen gehen könne.

Rettmers Ortsvorsteherin Carmen-Maria Bendorf (SPD) geht davon aus, dass durch den Standort für Windkraftanlagen auch Bewohner von Rettmer Wohn- und Lebensqualität einbüßen. „Wir wissen alle, dass wir Windkraftanlagen brauchen auf dem Weg zu einer hundertprozentigen Versorgung mit regenerativen Energien, aber Neuzugezogene, die Grundstücke erworben haben, sind aus allen Wolken gefallen, als sie von der Vorrangfläche hörten“, berichtet sie von einer öffentlichen Fraktionssitzung von Rot-Grün. Grünen-Fraktionschef Andreas Meihsies bekräftigt das Ja zur Energiewende, gleichwohl will er im Ausschuss diskutieren, welche Auswirkungen die Erweiterung der Vorrangfläche für Anwohner hat.

Michèl Pauly, Fraktionschef der Linken, ist für eine großzügige Ausweisung von Vorrangflächen, um von Kohle- und Atomkraft wegzukommen. Gleichwohl sei er sich bewusst, dass dies zu Lasten von Naturschutzinteressen und dem Schutz von Anwohnern geht. CDU-Chef Eckhard Pols sagt: „Wir alle wollen weg von Strom aus Atom, Kohle und Gas – hin zu regenerativen Energien. Dieser Weg ist richtig.“ Hier sei eine Fläche nach einem Kriterienkatalog, der unter anderem Mindestabstände vorgibt, gefunden worden. Diese diene allerdings auch als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung, besonders aus Häcklingen. Durch eine Höhe der Windkraftanlagen von bis zu 200 Metern seien diese weithin sichtbar, auch nach Häcklingen hinein. Bedenken der Bürger müsse man sich annehmen.