Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Sagenhafte Geschichte(n)
3157380.jpg

Sagenhafte Geschichte(n)

ca Lüneburg. Friedrich Schünemann hätte es gern etwas vornehmer. Zwar schmettert er Gassenhauer, doch bei seinen Auftritten nennt er sich als Sänger lieber mit feinem Zungenschlag und — naturellement — mit Accent Jean Claude de la Chaussée. So zieht er mit seiner Begleiterin Anna Rahel Weichler durch Lüneburg, trällert, schauspielert, lässt Sagen aus der Stadtgeschichte lebendig werden. Eigentlich heißen die beiden Mimen Klaus Niclas und Verena Fiedler. Die beiden gehören zur Gruppe der Stadtführer, die szenisch aus der mehr als tausendjährigen Geschichte der Salzstadt erzählen, etwa als ,,Nachtwächter und seine Frau“ oder als ,,berühmte Lüneburger“. Am Sonntag, 7. April, starten Niclas und Fiedler mit einem neuen Angebot.

Vorbild sei die Schünemannsche Theatergesellschaft, die es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Lüneburg gab. Neben Aufführungen von Schülern der Michaelisschule und des Johanneums seien Wanderbühnen wie die von Schünemann über Land gezogen, erzählen die beiden Stadtführer. Auftrittsorte seien zum Beispiel ein Zunfthaus der Bierbrauer an der Grapengießerstraße und das heutige Heinrich-Heine-Haus gewesen.

Sie wollten einen etwas anderen Weg gehen, erklären die beiden. Seien die anderen Führungen eher mit Sketchen und Wortwitz unterfüttert, ,,haben wir die Sache jetzt gleich wie ein Theaterstück angelegt“, sagt Niclas. Der eineinhalb Stunden dauernde Bummel durch die Historie sei eine Mischung aus ,,Tragödie und Komödie“. Ve“rena Fiedler ergänzt: ,,Wir haben gemerkt, wenn wir bei Stadtfest oder Sülfmeistertagen kleine Theaterstücke aufführen, kommt das gut an. Das haben wir nun ausgebaut.“

Entstanden ist eine temporeiche und aufs Lachen angelegte Story. So hat das Paar elf Kinder, die alle nach ,,großen Rollen benannt sind“ wie Romeo, Julia oder Desdemona. Letztere betreibt eine Kaffeestube am Sand, das ist Mitte des 18. Jahrhunderts noch etwas Besonderes. Erst 1693 hatte die Stadt im Keller der Rathsapotheke ein Lokal eingerichtet, in dem es frisch gebrühten Mocca gab. Wenige Jahre zuvor hatten der Legende nach die Türken dieses Getränk nach Wien gebracht.

Das Duo, das mit einem Leiterwagen für die Requisiten durch die Gassen zieht, berichtet auch von der erlegten Salzsau, die einen Jäger angeblich auf die Spur des Solequells brachte, der Lüneburg einst reich machte, und vom unglücklichen Baumeister, der sich vom schiefen Johannisturm stürzte, auf einen Heuwagen fiel und überlebte — zeitweilig. Denn der arme Tropf soll sich danach derart betrunken haben, dass er von einer Kneipenbank kippte und sich den Hals brach. Schöne Geschichten, Fakten spielen da nicht immer die Hauptrolle.

Jedenfalls dürfte es am Sonntagabend eine fröhliche Premiere werden, die um 18 Uhr vor dem Rathaus startet. Karten können bestellt werden bei Ve“rena Fiedler: 59620. Weitere Aufführungen plant das Duo am 27. April und am 4. Mai.