Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Rund 380 Teilnehmer pflanzen achten LZ-Blätterwald

ml Lüneburg/Heiligenthal. Anwar Al-Sweidani (9) und Tim Stark (10) knien nebeneinander am Waldboden, jeweils einen Arm um die Schulter des Freundes gelegt. Vor ihnen ragt ein frisch gepflanzter Buchen-Setzling aus der Erde. Daneben haben die Jungs von der Jugendfeuerwehr Oedeme einen Stock in den Boden gerammt, um den ein grünes Stück Tuch geknotet ist – damit sie ihn wiederfinden, ihren Freundschaftsbaum, sehen können, wie er wächst und gedeiht. Ebenso, wie sie es sich für ihre Freundschaft wünschen.

Der Baum von Anwar und Tim ist nur einer von 3700, die am vergangenen Sonnabend bei der Umweltkampagne „Blätterwälder … gemeinsam pflanzen“ auf einer rund ein Hektar großen Fläche zwischen Lüneburg und Heiligenthal in den Boden gebracht werden. Rund 380 Menschen feiern ein fröhliches Pflanzfest, das gleichzeitig den Auftakt für eine niedersachsenweite Kampagne markiert. 2007 als Idee der Landeszeitung und des Vereins Trinkwasserwald geboren, wird die Blätterwald-Botschaft nun ins Land getragen – gemeinsam Bäume pflanzen, um zusätzliches Trinkwasser zu schaffen und das Klima zu schützen. Und die Botschaft scheint anzukommen. Einen Tag später, am Sonntag, pflanzen 150 Teilnehmer mit 2000 Bäumen den ersten Blätterwald im Landkreis Uelzen.

In den kommenden Wochen wird der Staffelstab weitergereicht nach Scheeßel und Cuxhaven, im Herbst gibt es laut Trinkwasserwald-Geschäftsführer Alexander Pillath Pflanzfeste bei Bremen, Göttingen, Hannover, Oldenburg und Osnabrück. In seinem Grußwort schreibt der Schirmherr der Blätterwälder, Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel: „Was mit dem Pflanzen einzelner Bäume begonnen hat, wurde im Laufe der Jahre zu einer regelrechten Bürgerbewegung.“

Und auch im Landkreis Lüneburg sind bereits die Planungen für 2014 angelaufen. Der dann insgesamt neunte LZ-Blätterwald wird in der Gemeinde Amelinghausen gepflanzt. Den ersten, symbolischen Setzling überreicht Pillath an Amelinghausens stellvertretenden Samtgemeindebürgermeister Otto Ehlbeck.

Doch am Sonnabend wird zunächst der Grundstein gelegt für den achten Blätterwald. Das Motto gibt Pflanzhelfer Michael Muth aus: „Einer wird dreckig, der andere hat den Spaten.“ Das beherzigen auch Christian und Karina Hellmann aus Lüneburg mit ihren Kindern Peer (5) und Janne (4). „Die beiden sind freitags ohnehin im Wald, und ich bin als Umweltwissenschaftlerin für solche Aktionen immer zu haben“, sagt Karina Hellmann.

Nur wenige Meter weiter schweißt das gemeinsame Pflanzen das Lüneburger Museumsteam zusammen. Neben Leiterin Heike Düselder sind auch Anke Warnicke, Christine Broesike, Ulfert Tschirner und Dieter Coen-Staß dabei sowie Stadtarchäologe Edgar Ring, der sein Geschick am Spaten beweist, und nebenbei den Vorsitzenden des Lüneburger Citymanagements, Heiko Meyer, in den Dreck schickt. Spaß haben an diesem Tag aber auch die Mädchen und Jungen der Kinderfeuerwehr Rettmer, die mit ihren Eltern und Ortsvorsteherin Carmen-Maria Bendorf zunächst im Ort Müll gesammelt haben und dann auf die Pflanzfläche gekommen sind. „Die Bäume habe ich gestiftet als Dankeschön für den Einsatz in der Kinderfeuerwehr und für unseren Ort“, sagt Bendorf.

Und so, wie sie sich auf ihre Bürger verlassen kann, stehen auch dem Verein Trinkwasserwald und der LZ schon seit Jahren starke und verlässliche Partner zur Seite – allen voran die DBL Marwitz Textilpflege und seit 2010 die Firma Bockelmann Holz. Von Beginn an unterstützt hat die Aktion auch das Forstamt Uelzen der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, die in diesem Jahr zum offiziellen Partner geworden ist und die landesweite Kampagne maßgeblich vorantreibt. Als weiteren Motor kann die LWK auf die metronom Eisenbahngesellschaft setzen, die ebenfalls auf den Blätterwaldzug aufgesprungen ist und landesweit ihre Verbindungen nutzt.

Und alle Jahre wieder kommen unzählige ehrenamtliche Helfer aus den Reihen von Politik und Verwaltung sowie den Feuerwehren hinzu, ohne die Projekte wie der Blätterwald kaum möglich wären. Sie alle schließt auch Schirmherr Stefan Wenzel in seinen Dank ein – auf dass die Blätterwälder im Land wachsen und gedeihen mögen. So wie die Freundschaft von Anwar und Tim.