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Klinikum hilft Jungen aus Afrika

as Lüneburg. Carlos ist ein fröhlicher Wirbelwind. Mit strahlendem Lachen tobt er über den Flur der Kinderklinik des Lüneburger Klinikums und macht Fotos von den netten Doktoren, die ihn in den vergangenen Monaten behandelt haben, und von Dorothea Blume, Erzieherin in der Kinderklinik. Zweimal ist der Vierjährige aus Angola in den vergangenen Monaten an Hydronephrose, zu deutsch Wassersackniere, im Lüneburger Klinikum operiert worden. In seinem Heimatland Angola hätte er kaum Chancen auf Heilung gehabt, am Freitag, 12. April, tritt Carlos nun putzmunter die Rückreise an.

Carlos ist bereits das fünfte Kind, das auf Vermittlung des Friedensdorfes International im Lüneburger Klinikum kostenlos behandelt wurde. Die Hilfsorganisation mit Sitz in Oberhausen kümmert sich um Kinder aus Krisen- und Kriegsgebieten wie zum Beispiel Afghanistan, Irak und Afrika. Kinder, denen in ihren Heimatländern nicht geholfen werden kann und die aus ärmlichen Verhältnissen kommen, holt die Organisation, die sich ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert, nach Deutschland. „Das Klinikum übernimmt die kostenlose Behandlung der kleinen Patienten, weil wir humanitäre Hilfe leisten möchten“, sagt Dr. Jörg Cramer, Ärztlicher Direktor des Klinikums.

Dr. Roberto Olianas, Chefarzt der Urologie, knüpfte die Kontakte zu der Organisation, hat bereits mehrere Kinder aus Krisenregionen behandelt in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Josef Sonntag, Chefarzt der Kinderklinik. Als Carlos, der mit mehreren Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen mehrere hundert Kilometer entfernt von Luanda auf dem Land lebt, im vergangenen Sommer nach Lüneburg kam, stand es schlecht um seine Gesundheit. „Er hatte eine Lungentuberkulose, die erst einmal mit Antibiotika behandelt werden musste“, berichtet Prof. Dr. Sonntag. Schwerwiegender zählte jedoch, dass der damals Dreijährige an einer Hydronephrose litt. „Der Urin konnte nicht abfließen. Irgendwann hätte das zu Nierenversagen geführt. Die rechte Niere war zudem fast funktionslos“, erläutert Dr. Olianas, der weit über die Grenzen von Lüneburg hinaus als Spezialist für urologische Behandlungen gilt und ein großes Herz für kleine Patienten hat, wie sein Kollege Prof. Dr. Sonntag.

Im ersten Schritt hätten die Nieren künstliche Ausgänge bekommen zur Erholung der Nierenfunktion. „Dann braucht es Zeit, damit sich die Nieren wieder erholen“, erklärt Dr. Olianas. Nach dem Eingriff verbrachte Carlos einige Monate im Friedensdorf, um fit zu werden für den zweiten Eingriff, der im Februar dieses Jahres erfolgte. „Dabei wurden die Harnleiter neu an die Blase angeschlossen.“ Die medizinische Behandlung wie die pflegerische Betreuung sorgten dafür, dass sich Carlos‘ Gesundheitszustand schnell verbesserte.

Großen Anteil haben daran auch Dorothea Blume und ihr Mann Peter. Die Erzieherin in der Kinderklinik engagiert sich ehrenamtlich fürs Friedensdorf International, unterstützt von ihrem Ehemann. Für Carlos ist Dorothea Blume so etwas wie die Ersatzmama, sie war beim Frühstück und Mittagessen dabei, hat mit ihm gespielt und gesungen. „Er liebt es zu singen“, sagt Peter Blume, während Carlos schnell mal in sein Zimmer stürmt und stolz eine gebastelte Katzenmaske präsentiert. „Er liebt Kontakt und teilt gerne zum Beispiel geschenkte Süßigkeiten mit den anderen Kindern auf der Station“, weiß Dr. Karoline Urban, Assistenzärztin der Urologie. Kein Wunder, dass alle Carlos in ihr Herz geschlossen haben. Am Freitag heißt es nun Abschied nehmen, dann geht es erst einmal nach Oberhausen zum Friedensdorf, Anfang Mai fliegt der kleine Junge gesund nach Angola. Mit nach Hause nimmt er auch die Kette mit schwarzen und roten Kugeln, den Landesfarben von Angola, die er mit Dorothea Blume gebastelt hat.

Weitere Infos zum Friedensdorf unter www.friedensdorf.de.